Home
http://www.faz.net/-gq5-6xuta
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Hamas Schmerzhafte Häutungen

In der Hamas ringen Meschaal und Hanija um den Kurs und die Macht. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Islamistenpartei den bewaffneten Kampf gegen Israel aufgeben solle.

© AFP Vergrößern Noch viel zu besprechen: Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija mit Hamas-Politbürochef Chaled Meschaal

Wer verstehen will, was in diesen Tagen in der Hamas vor sich geht, muss sich, eben in diesen Tagen, die Reiserouten ihrer Anführer ansehen. Zuerst flog Ismail Hanija nach Iran, um zusammen mit Präsident Ahmadineschad und Ajatollah Chamenei den 33. Jahrestag der islamischen Revolution zu begehen.

Hans-Christian Rößler Folgen:  

Dort versprach der Hamas-Ministerpräsident aus dem Gazastreifen, dass seine Organisation Israel niemals anerkennen werde. „Der Kampf wird bis zur vollständigen Befreiung des Gebiets Palästinas und Jerusalems und zu der Rückkehr aller Flüchtlinge weitergehen“, gelobte Hanija, bevor er nach Qatar weiterreiste. In Doha traf er sich mit Chaled Meschaal. Der Hamas-Politbürochef hat mittlerweile Damaskus verlassen und seine Zelte in dem Golf-Emirat aufgeschlagen, das zusammen mit der Türkei und Ägypten intensiv daran arbeitet, die palästinensischen Islamisten dazu zu bewegen, ihre Allianz mit Teheran und seinem Verbündeten Syrien aufzugeben.

Mit seinem Teheran-Besuch stieß Hanija jedoch nicht nur die neuen moderaten Freunde im Ausland vor den Kopf. Der Hamas-Führer aus Gaza zeigte mit seiner Reise nach Iran auch, dass er mit dem Kurs von Hamas-Politbürochef Meschaal nicht einverstanden ist: Am 6. Februar hatte sich Meschaal mit Mahmud Abbas in Qatar darauf geeinigt, eine gemeinsame Regierung zu bilden, die der palästinensische Präsident führen soll. Seit Monaten stritten die Hamas und Abbas’ Fatah-Organisation über die Zusammensetzung der Regierung, mit deren Hilfe es gelingen soll, die palästinensische Spaltung zwischen Gazastreifen und Westjordanland zu beenden.

Erstmal müssen sich die Islamisten versöhnen

Für Hanija und andere Hamas-Führer aus dem Gazastreifen wie den früheren Außenminister Zahar war Meschaal schon bei seinem vorletzten Treffen mit Abbas zu weit gegangen. Der Hamas-Politbürochef kündigte im vergangenen November an, dass die Hamas den bewaffneten Kampf aufgeben und nur noch „Volkswiderstand“ gegen die israelische Besatzung leisten wolle. Meschaal soll auch bereit sein, die PLO-Beschlüsse zu akzeptieren, die Grundlage für die Oslo-Verträge 1993/94 und alle folgenden Verhandlungen mit Israel bilden.

Ähnlich scharf wie nach diesem Gewaltverzicht fiel jetzt auch die Kritik an der Übergangsregierung unter Abbas’ Leitung aus. Auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung aus unabhängigen Fachleuten hatten sich Hamas und Abbas’ Fatah-Organisation eigentlich schon in dem Versöhnungsabkommen geeinigt, das sie im Mai 2011 unterzeichneten. Am Streit über den Ministerpräsidenten Salam Fajad scheiterte aber bisher das gemeinsame Kabinett. Nachdem Abbas nun die Hauptforderung der Hamas akzeptiert und auf Fajad verzichtet hatte und er selbst Ministerpräsident werden will, machen Hamas-Politiker plötzlich verfassungsrechtliche Bedenken geltend: Der Präsident dürfe nicht gleichzeitig auch noch Regierungschef sein. Mahmud Zahar bezeichnete die jüngste Einigung sogar als „strategisch falsch“. Bevor sich die Hamas mit der Fatah versöhnen kann, müssen sich wohl erst einmal die Islamisten unter sich aussöhnen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Widerstand gegen Ermittlungen Israel will Strafgerichtshof finanziell austrocknen

Israel hat eine Kampagne begonnen, um die Finanzierung des Internationalen Strafgerichtshofs zu kappen. Die Regierung forderte unter anderen Deutschland auf, die Zahlungen auszusetzen. Mehr

18.01.2015, 10:47 Uhr | Politik
Waffenruhe in Gaza vereinbart

Drei Tage lang sollen im Gazastreifen die Waffen schweigen. Israel und die radikalislamische Hamas haben sich ebenso dazu bereit erklärt, über eine dauerhafte Waffenruhe zu verhandeln. Mehr

01.08.2014, 09:26 Uhr | Politik
Retuschiertes Paris-Foto Gruppenbild ohne Kanzlerin

Frauen auf Fotos gibt es in den Zeitungen strenggläubiger Juden nicht. So verschwindet die Kanzlerin aus dem Paris-Trauermarsch ebenso wie einst Hillary Clinton aus dem Weißen Haus. Mehr Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem

13.01.2015, 18:44 Uhr | Politik
Einigung auf unbefristete Waffenruhe

Israel und die Palästinenser haben sich im Gaza-Krieg auf eine neue Waffenruhe geeinigt. Dem Vorschlag Ägyptens stimmten am Dienstag beide Seiten zu. Die neue ägyptische Initiative sieht nach Angaben seitens der Palästinenser weitreichende Vorschläge zu ihren Gunsten vor. Israel und Ägypten betrachten die Hamas ihrerseits als Sicherheitsbedrohung und fordern Garantien dafür, dass keine Waffen in den Gazastreifen gelangen. Mehr

26.08.2014, 23:27 Uhr | Politik
Messerattacke in Linienbus Palästinenser verletzt neun Israelis in Tel Aviv

Ein 23 alter Palästinenser hat in einem Linienbus in der israelischen Stadt neun Menschen mit einem Messer verletzt. Auf der Flucht wird er von Passanten niedergeschossen. Die Hamas nennt seinen Angriff heldenhaft. Mehr Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem

21.01.2015, 08:30 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.02.2012, 14:10 Uhr

Auch Auschwitz?

Von Berthold Kohler

Wer verstehen will, warum die Menschenwürde unser höchster Rechtswert ist, muss sich mit der deutschen Geschichte befassen. Mit Auschwitz, aber auch mit der Aufklärung. In Integrationskursen sollten beide Kapitel nicht fehlen. Mehr