03.02.2010 · Drei Wochen nach verheerenden Erdbeben geht die Regierung in Haiti inzwischen von mehr als 200.000 Todesopfern aus. Noch immer kommt die Hilfe nur schleppend an. Die Regierung sieht sich der schwierigen Situation nicht mehr gewachsen.
Nach dem verheerenden Erdbeben geht die haitianische Regierung mittlerweile von mehr als 200.000 Todesopfern aus. Zahlreiche Leichen seien noch immer unter den Trümmern verschüttet, sagte Premierminister Jean-Max Bellerive am Dienstag (Ortszeit) vor dem Parlament in Port-au-Prince.
In seiner Ansprache räumte er die Unfähigkeit seiner Regierung ein, die schwierige Lage in dem Karibikstaat zu bewältigen. „In ihrer jetzigen Zusammensetzung kann die Regierung angesichts der Situation keine Resultate erzielen.“Bellerive schlug dem Parlament eine Umbildung der Regierung vor. Das neue Kabinett solle von einem Nationalen Krisenkomitee unterstützt werden. Alternativ sei auch die Einsetzung einer Notstandsregierung denkbar.
Drei Wochen nach der Katastrophe bereitet die Versorgung der notleidenden Bevölkerung weiter Probleme. Nach Angaben der amerikanischen Entwicklungshilfebehörde USAID kommt die internationale Hilfe nur bei einem Teil der Bedürftigen an. Derzeit erhielten etwa eine Million Menschen Nahrungsmittelhilfe, doch doppelt so viele benötigten sie.
Verfahren wegen Kinderschmuggels
Außerdem sei es bisher nicht gelungen, die bis zu 300.000 obdachlosen Menschen in Notunterkünften unterzubringen, hieß es. 70.000 Haitianer hätten bisher Zelte oder Planen von den internationalen Hilfsorganisationen erhalten. Verbesserungen gebe es jedoch bei der Versorgung mit Wasser.
Unterdessen begann ein Richter in Haiti am Dienstag mit der Befragung von zehn Amerikanern, die des Kinderschmuggels verdächtigt werden. Die haitianische Justiz werde anschließend entscheiden, ob Anklage gegen die Mitarbeiter einer Baptistenkirche erhoben werde, teilte eine Regierungssprecherin mit. Eine andere Möglichkeit sei, die Verdächtigen der amerikanischen Justiz zu überstellen.
Die Amerikaner waren am Freitag bei dem Versuch gestoppt worden, 33 vermeintliche Waisenkinder außer Landes zu schmuggeln. Bellerive bezeichnete das Vorgehen als „Entführung“. Zahlreiche Eltern meldeten sich in den vergangenen Tagen und forderten ihre Kinder zurück. Diese befinden sich derzeit in Obhut der Organisation SOS-Kinderdorf.
Ein Berater von Haitis Präsident René Preval äußerte in der spanischen Zeitung „El País“ Kritik an der Justiz. Zwar sei das Vorgehen der Amerikaner „absolut illegal“, Haiti habe jedoch derzeit Wichtigeres zu tun, als seine Energie mit einem Gerichtsverfahren gegen zehn „Gringos“ zu verschwenden. Haitis Justiz ist nach dem Einsturz des nationalen Justizpalastes beim Erdbeben kaum funktionsfähig. Ein Großteil der Gefängnisse ist zerstört.
Die Behörden des Karibikstaates untersagten derweil alle Versuche, Häuser im Katastrophengebiet zu reparieren oder neu aufzubauen. Zuerst müssten Experten die Sicherheit der Gebäude beurteilen, hieß es zur Begründung.