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Syrien : „Das ist ein Erfolg russischer Diplomatie“

  • -Aktualisiert am

Vor der Uno-Generaldebatte waren sich der russische Außenminister Lawrow und der amerikanischen Außenminister John Kerry einig: Die Anstrengungen müssten „koordiniert werden“. Bild: AFP

Die Interessen der Vereinigten Staaten und Russland kreuzen sich in Syrien. Der Nahost-Experte Günter Meyer erklärt im FAZ.NET-Interview den geschickten Strategiewechsel Putins, der den Kreml in eine Schlüsselrolle zur Lösung des Syrien-Konflikts bringt.

          Neben den Vereinigten Staaten fliegen auch Frankreich und Großbritannien im Irak und Syrien Luftschläge gegen Stellungen des „Islamischen Staates“. Deutschland hält sich mit einer militärischen Intervention zurück. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

          Das ist eine vollkommen richtige Entscheidung. Die Intervention gegen den IS, die im Irak im Ausbildungsbereich oder durch die Waffenlieferung an die Peschmerga bereits stattfindet, jetzt von deutscher Seite mit Luftangriffen zu begleiten, verspricht keine positive Lösung, zumal sich alle einig sind, dass der IS nur durch Bodentruppen besiegt werden kann. In Mossul, der größten vom IS kontrollierten Stadt, entfallen auf einen IS-Kämpfer etwa 100 Zivilisten. Luftangriffe wären hier unverantwortlich.

          Bisher haben Fachleute noch von einem Stellvertreterkrieg in Syrien gesprochen. Jetzt sollen russische Kampfflugzeuge und Soldaten stationiert worden sein. Etwa 1700 russische Soldaten sollen sich derzeit in Syrien befinden. Ist das offizielle Motiv, dass der „Islamische Staat“ bekämpft werden soll, nur ein Vorwand für das direkte Eingreifen Moskaus?

          Prof. Günter Meyer ist der Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz

          Es ist zumindest ein außerordentlich geschickter Schachzug von Russland. Nachdem die diplomatischen Kapazitäten nach der Beilegung der Nuklearverhandlungen mit dem Iran wieder zur Verfügung stehen, nutzt Russland die Chance, seine Position in Syrien nachdrücklich zu stärken. Wir haben in Syrien einen Konflikt zwischen Russland, das seit den siebziger Jahren ein enger Verbündeter des Assad-Regimes ist, und den Vereinigten Staaten. Gerade vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen in der Ukraine hat Russland jetzt die Chance ergriffen, davon abzulenken und seine geostrategischen Einflussmöglichkeiten im Nahen Osten auszubauen.

          Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Zum einen ist das verbündete Assad-Regime militärisch deutlich geschwächt und braucht zusätzliche militärische Unterstützung. Zum anderen kann jetzt die Chance genutzt werden, all diejenigen Akteure zusammenzubringen, die gegen den „Islamischen Staat“ kämpfen wollen. Dies ist umso wichtiger, da die amerikanische Regierung mit ihrem Vorhaben bisher kläglich gescheitert ist, für 500 Millionen Dollar jährlich 5400 moderate Syrer zum Kampf gegen den IS auszubilden.

          Was ist am russischen Vorhaben problematisch?

          Durch das Eingreifen Moskaus könnte ein Problem entstehen, da nach Angaben des syrischen Außenministers die russische Unterstützung nicht nur im Kampf gegen den IS, sondern auch gegen die Nusra-Front, einen Ableger von Al Kaida, eingesetzt werden soll. In Syrien könnte somit das Konfliktpotential zwischen den Unterstützern des alawitischen Assad-Regimes und den sunnitischen, islamistischen Gegnern, die von Saudi-Arabien, Katar und der Türkei unterstützt werden, weiter verschärft werden.

          Was möchte Russland mit dem plötzlichen Strategiewechsel signalisieren?

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