07.05.2009 · Im Seeraum vor der somalischen Küste greifen Piraten auch deutsche Schiffe an. Der Einsatz deutscher Spezialkräfte im Falle der „Hansa Stavanger“ wurde abgebrochen, weil die Risiken größer schienen als die Chancen. Der Einsatz der GSG 9 ist womöglich nur verschoben.
Von Peter Carstens, BerlinPiraten haben in den letzten fünf Wochen bereits vier deutsche Schiffe im Seeraum vor der somalischen Küste angegriffen. Wenn sich an Bord solcher Schiffe deutsche Staatsbürger befinden, stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln man die Entführten befreien kann. Deutschland hat dabei lange Zeit eher auf Geld als auf militärische oder polizeiliche Gewalt gesetzt. Doch es ginge auch anders. Und es mehren sich Anzeichen, dass Gelegenheiten zum Einsatz deutscher Spezialkräfte nicht mehr ausgelassen werden sollen. Das gilt auch, wenn wie im Falle der „Hansa Stavanger“ und ihrer teils deutschen Besatzung, der Einsatz abgebrochen wurde, weil die Risiken größer schienen als die Chancen.
Dafür wurden überwiegend Angehörige der „GSG 9“ in Stellung gebracht. Dabei handelt es sich um eine Spezialeinheit der Bundespolizei, deren vier Einsatzeinheiten etwa 120 aktive Polizisten angehören. Die Formation wurde nach dem Attentat auf die Olympischen Spiele 1972 aus den Reihen des Bundesgrenzschutzes aufgebaut und erwarb sich 1977 bei der Stürmung der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ einen geradezu legendären Ruf. Doch mit dem Ruhm lebte es sich in Sankt Augustin eher schlecht.
Hohe Spezialisierung
Zwar sorgte ab und an, etwa bei einer Botschaftsbesetzung, alleine die Ankündigung, jetzt komme die GSG 9, dafür, dass die Straftäter aufgaben. Auch wurden immer mal wieder Flugzeuge befreit, wie im August 1993 eine niederländische KLM-Maschine, die ein Einzeltäter nach Düsseldorf entführt hatte. Doch zugleich geriet die Spezialeinheit des Bundes in den Schatten der Bundesländer, die ebenfalls mit dem Aufbau eigener Sondereinsatzkommandos (SEK) begonnen hatten. Diese übertrafen durch ihren beinahe alltäglichen Umgang mit Banküberfällen, Entführungen oder der Verhaftung von Schwerkriminellen bald die GSG 9 an Einsatzerfahrung jedenfalls in diesem Kriminalitätsspektrum.
Der Ausweg aus dieser Klemme lag in einer bis heute beibehaltenen Konzentration der etwa 120 Beamten in den vier Einsatzeinheiten auf Transportmittel, die sozusagen auf Bundesstraßen zu Lande, zu Wasser und in der Luft verkehren: Flugzeuge, Schiffe, Eisenbahnen. Hierzu besitzt die GSG 9 nun eine hohe Spezialisierung, und wenn ihre Fünferteams mit vier, fünf blitzschnellen Eurocopter-Hubschraubern fast geräuschlos wie aus dem Nichts neben einem Zug auftauchen und die Männer sich daraus wie herabstürzendes Wasser auf die Waggondächer abseilen, dann staunen selbst die Kollegen von den Landespolizeien nicht schlecht. Mit den wachsenden Kompetenzen des Bundeskriminalamts (BKA) bei der Terrorismusbekämpfung erweitern sich zudem die Einsatzmöglichkeiten der GSG 9, die beispielsweise bei der Überwältigung der „Sauerland-Gruppe“ mit dabei gewesen sein soll.
Veränderte Grundhaltung
Nicht ganz neu ist zudem der Einsatz von GSG-9-Beamten im Ausland. Grundsätzlich stellt die Bundespolizei die Hauswachen für deutsche Botschaften. Dort, wo es besonders gefährlich war - wie etwa in Sarajevo -, kommen dabei auch Beamte der GSG 9 zum Einsatz. Zum zweiten Mal ist die Gruppe unter der Führung ihres gegenwärtigen Kommandeurs Lindner nun fast vollständig aus den Unterkünften in Hangelar ausgerückt, um sich in einen Einsatz nach Afrika zu begeben.
Bereits im September 2008 waren etwa 150 Beamte und deren Ausrüstung nach Ägypten verlegt worden, nachdem dort neunzehn Geiseln, darunter fünf deutsche Touristen, in die Wüste verschleppt worden waren. Die Entführung endete allerdings, noch ehe die Deutschen zum Einsatz kamen. Bei ihrer Rückkehr nach Deutschland ließ man die Männer allerdings für alle Welt sichtbar aus dem Flugzeug steigen, „Aufmarsch der Gladiatoren“ schrieb damals die Zeitschrift „Der Spiegel“ über die Demonstration einer veränderten Grundhaltung bei der Bundesregierung.
„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“
Noch mehr Personal als seinerzeit wurde kurz vor Ostern nach Kenia entsandt, und dem Vernehmen nach waren an der geplanten Befreiung der „Hansa Stavanger“ auch Kampfschwimmer der Marine beteiligt, die wegen ihrer sehr speziellen Kompetenzen - etwa der Fähigkeit, zwölf Stunden ununterbrochen in welligem Wasser zu schwimmen, oder der Möglichkeit, in Meerestiefe aus dem Torpedoschacht eines U-Bootes heraus zu operieren - ohnehin in engerem Austausch zur GSG 9 stehen.
Ähnlich wie das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK) können die Kampfschwimmer allerdings nur im Zuge eines Bundestagsmandats eingesetzt werden. Da ist die GSG 9 flexibler: Ihr reicht derzeit nach dem Bundespolizeigesetz ein Auftrag der Bundesregierung beziehungsweise aus dem Innenministerium. Und für den Einsatz gegen die somalischen Piraten gilt womöglich das Motto: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“
Vorschlag für Weiterbildung der GSG9
Alphonse Diable (lediable)
- 06.05.2009, 23:23 Uhr
Bald nimmt sie keiner mehr ernst
Edda Kuhlmann (DTaggert)
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Claus Behrens (chipin)
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Vorschlag für Abkehr von einem Absurdum
Johann Schulz-Gebeltzig (johannsg)
- 07.05.2009, 12:29 Uhr