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Aktualisiert: 19.12.2014, 14:33 Uhr

Scotland Yard ermittelt Kindermord im Beisein „mächtiger Männer“?

Scotland-Yard-Ermittler bezeichnen die Aussagen eines mutmaßlichen Missbrauchsopfers als „glaubhaft“. Ranghohe Politiker, darunter ein Minister aus dem Thatcher-Kabinett, sollen vor Jahrzehnten einem Pädophilen-Ring angehört haben. Drei Jungen wurden womöglich getötet.

von , London
© dpa Am Dolphin Square in London soll es zu den Missbrauchsfällen gekommen sein

Schon länger wird der Verdacht genährt, dass ein Pädophilenring mit Verbindungen in hohe politische Kreise in den späten siebziger und achtziger Jahren Verbrechen an Kindern begangen hat. Langsam erreichen die Ermittlungen, die seit zwei Jahren laufen, eine neue Qualität. Am Donnerstag bestätigte Scotland Yard, dass im Zusammenhang mit den Missbrauchsermittlungen auch drei Morde an Jungen untersucht würden. Die Polizei rief die Bevölkerung zur Mithilfe auf.

Jochen Buchsteiner Folgen:

Neuen Schwung hat den Untersuchungen ein Zeuge gegeben, der als „Nick” bezeichnet wird. Nick, der zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, sagte vor Scotland Yard aus, dass er als Junge jahrelang von „mächtigen Männern” missbraucht worden sei, unter anderem in einem Apartmentkomplex im Londoner Stadtteil Pimlico, in dem überwiegend Abgeordnete, Regierungsbeamte, hohe Offiziere, Geheimdienstmitarbeiter und Geschäftsleute wohnen. Zugleich sei er Augenzeuge von Morden geworden. Die Polizei stufte Nicks Zeugenaussage als „glaubwürdig und wahr” ein. Schon Mitte November hatte Nick auch der britischen BBC ein Interview gegeben  gegeben, in dem er aber nicht zu erkennen war.

Zeuge identifiziert Geheimdienstchef

In der Boulevard-Zeitung „Sunday People” gab der anonyme Zeuge nun zu Protokoll, er sei in den frühen achtziger Jahren im Raum gewesen, als ein Tory-Abgeordneter einen zwölf Jahre alten Jungen während einer Sex-Orgie im Dolphin Square Apartment erwürgt habe. Etwa eineinhalb Jahre später sei er dann Zeuge eines weiteren Mordes geworden, der im Beisein „mächtiger Männer“ stattgefunden habe. Ein dritter Junge soll vorher absichtlich überfahren worden sein. Die Männer, darunter auch ein ehemaliger Minister im Kabinett Margret Thatchers, seien bei ihren Vergewaltigungen „brutal“ vorgegangen und hätten etwa, wie in seinem eigenen Fall, den Kopf des Opfers unter Wasser gehalten.

Zu den Männern, die „Nick” anhand von Fotos identifizierte, gehört der frühere Botschafter und MI6-Geheimdienstchef Sir Peter Hayman. Er war bereits in den achtziger Jahren aufgeflogen, nachdem kinderpornographisches Material in seiner Wohnung gefunden worden war. Zudem war bekannt, dass er Mitglied im „Paedophile Information Exchange“, einer Kontaktbörse für Kinderschänder, gewesen ist, die erst Mitte der achtziger Jahre geschlossen wurde. Hayman wurde, trotz einer Nachfrage im Unterhaus, nie angeklagt. Er verstarb 1992.

Treffpunkte pädophiler Prominenter

Der Aufruf an weitere Missbrauchsopfer und Zeugen, ihre Erinnerungen an die Ereignisse im Dolphin Square Apartment mit der Polizei zu teilen, illustriert die Beweisschwierigkeiten der mittlerweile 40 Ermittler.

Ein Mangel an aussagewilligen Zeugen erschwert auch die Ermittlungen im Umfeld des Londoner „Elm Guest House”, eines weiteren mutmaßlichen Treffpunkts pädophiler Prominenter. „Ich habe keinen Zeugen, der willens oder in der Lage ist, Informationen über die Prominenten im Elm Guest House bereitzustellen”, sagte der Ermittler Steve Rodhouse in dieser Woche. Dies ist ganz anders als bei den um sich greifenden Missbrauchsermittlungen, die keinen politischen Hintergrund haben. Im Falle des inzwischen verstorbenen Fernsehunterhalters Jimmy Savile etwa hatte sich Hunderte Zeugen gemeldet.

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