http://www.faz.net/-gpf-7xq76

Scotland Yard ermittelt : Kindermord im Beisein „mächtiger Männer“?

Am Dolphin Square in London soll es zu den Missbrauchsfällen gekommen sein Bild: dpa

Scotland-Yard-Ermittler bezeichnen die Aussagen eines mutmaßlichen Missbrauchsopfers als „glaubhaft“. Ranghohe Politiker, darunter ein Minister aus dem Thatcher-Kabinett, sollen vor Jahrzehnten einem Pädophilen-Ring angehört haben. Drei Jungen wurden womöglich getötet.

          Schon länger wird der Verdacht genährt, dass ein Pädophilenring mit Verbindungen in hohe politische Kreise in den späten siebziger und achtziger Jahren Verbrechen an Kindern begangen hat. Langsam erreichen die Ermittlungen, die seit zwei Jahren laufen, eine neue Qualität. Am Donnerstag bestätigte Scotland Yard, dass im Zusammenhang mit den Missbrauchsermittlungen auch drei Morde an Jungen untersucht würden. Die Polizei rief die Bevölkerung zur Mithilfe auf.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Neuen Schwung hat den Untersuchungen ein Zeuge gegeben, der als „Nick” bezeichnet wird. Nick, der zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, sagte vor Scotland Yard aus, dass er als Junge jahrelang von „mächtigen Männern” missbraucht worden sei, unter anderem in einem Apartmentkomplex im Londoner Stadtteil Pimlico, in dem überwiegend Abgeordnete, Regierungsbeamte, hohe Offiziere, Geheimdienstmitarbeiter und Geschäftsleute wohnen. Zugleich sei er Augenzeuge von Morden geworden. Die Polizei stufte Nicks Zeugenaussage als „glaubwürdig und wahr” ein. Schon Mitte November hatte Nick auch der britischen BBC ein Interview gegeben  gegeben, in dem er aber nicht zu erkennen war.

          Zeuge identifiziert Geheimdienstchef

          In der Boulevard-Zeitung „Sunday People” gab der anonyme Zeuge nun zu Protokoll, er sei in den frühen achtziger Jahren im Raum gewesen, als ein Tory-Abgeordneter einen zwölf Jahre alten Jungen während einer Sex-Orgie im Dolphin Square Apartment erwürgt habe. Etwa eineinhalb Jahre später sei er dann Zeuge eines weiteren Mordes geworden, der im Beisein „mächtiger Männer“ stattgefunden habe. Ein dritter Junge soll vorher absichtlich überfahren worden sein. Die Männer, darunter auch ein ehemaliger Minister im Kabinett Margret Thatchers, seien bei ihren Vergewaltigungen „brutal“ vorgegangen und hätten etwa, wie in seinem eigenen Fall, den Kopf des Opfers unter Wasser gehalten.

          Zu den Männern, die „Nick” anhand von Fotos identifizierte, gehört der frühere Botschafter und MI6-Geheimdienstchef Sir Peter Hayman. Er war bereits in den achtziger Jahren aufgeflogen, nachdem kinderpornographisches Material in seiner Wohnung gefunden worden war. Zudem war bekannt, dass er Mitglied im „Paedophile Information Exchange“, einer Kontaktbörse für Kinderschänder, gewesen ist, die erst Mitte der achtziger Jahre geschlossen wurde. Hayman wurde, trotz einer Nachfrage im Unterhaus, nie angeklagt. Er verstarb 1992.

          Treffpunkte pädophiler Prominenter

          Der Aufruf an weitere Missbrauchsopfer und Zeugen, ihre Erinnerungen an die Ereignisse im Dolphin Square Apartment mit der Polizei zu teilen, illustriert die Beweisschwierigkeiten der mittlerweile 40 Ermittler.

          Ein Mangel an aussagewilligen Zeugen erschwert auch die Ermittlungen im Umfeld des Londoner „Elm Guest House”, eines weiteren mutmaßlichen Treffpunkts pädophiler Prominenter. „Ich habe keinen Zeugen, der willens oder in der Lage ist, Informationen über die Prominenten im Elm Guest House bereitzustellen”, sagte der Ermittler Steve Rodhouse in dieser Woche. Dies ist ganz anders als bei den um sich greifenden Missbrauchsermittlungen, die keinen politischen Hintergrund haben. Im Falle des inzwischen verstorbenen Fernsehunterhalters Jimmy Savile etwa hatte sich Hunderte Zeugen gemeldet.

          Weitere Themen

          Der Aufstand der Brexit-Hardliner

          Brisanter Brief : Der Aufstand der Brexit-Hardliner

          Britische Abgeordnete verlangen von Regierungschefin Theresa May eine schnelle und klare Trennung von der EU. Für May sind die Forderungen prekär – nicht nur weil die Gruppe groß genug ist, um ihre Regierung zu Fall zu bringen.

          Schulausflug nach Fukushima Video-Seite öffnen

          Tourismus : Schulausflug nach Fukushima

          Sieben Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima tut die japanische Regierung alles, um wieder Touristen in die Präfektur zu locken. 10.000 waren es im letzten Jahr, doch dem Betreiber Tepco reicht das nicht.

          Frankreichs neuer Trump

          Oppositionschef Wauquiez : Frankreichs neuer Trump

          „Eine totale Diktatur“: Oppositionschef Laurent Wauquiez beklagt, dass es in Frankreich keine Gewaltenteilung gebe. Der Skandal um die Äußerungen des Vorsitzenden der Republikaner weitet sich damit aus.

          Baustelle Bundeswehr Video-Seite öffnen

          Ausrüstungsprobleme : Baustelle Bundeswehr

          Nach Ansicht des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels hat sich die Ausrüstungslage der Bundeswehr in den vergangenen Jahren verschlimmert. Nun soll der Zustand in politische Entscheidungen einbezogen werden.

          Topmeldungen

          Die beiden Parteivorsitzenden der AfD, Alexander Gauland (links) und Jörg Meuthen, sprechen Mitte Dezember 2017 vor Beginn der Sitzung des AfD-Bundesvorstands miteinander.

          Nähe zu Islamfeinden : AfD-Führung für Redeauftritte bei Pegida

          Jörg Meuthen und Alexander Gauland fordern eine Aufhebung des Kooperationsverbots mit der Pegida-Bewegung. Um bürgerliche Wähler nicht abzuschrecken, solle aber Lutz Bachmann besser „aus dem Schaufenster der Bewegung verschwinden“.
          Die deutschen Eishockey-Spieler stehen sensationell im Halbfinale.

          Deutsche Eishockey-Sensation : „Das war ein Wahnsinnsspiel von uns“

          Vor 42 Jahren brachte das „Wunder von Innsbruck“ den Deutschen bei Olympia Bronze. Nun stehen sie nach dem sensationellen Sieg über Weltmeister Schweden wieder im Halbfinale – nach einer denkwürdigen Partie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.