Die britische Polizei hat in ihrer bei weitem größten Antiterroraktion der vergangenen Jahre acht islamische Verdächtige im Großraum London verhaftet. Wie Scotland Yard am Dienstag berichtete, wurde dabei im Westen Londons auch eine halbe Tonne Ammoniumnitrat gefunden, das Hauptbestandteil vieler Sprengstoffe ist.
Rund 700 Antiterror-Spezialisten schlugen in den frühen Morgenstunden in 24 Wohn- und Geschäftshäusern in Sussex, Thames Valley, Surrey, Bedfordshire und der britischen Hauptstadt zu. „Die Tatsache, daß eine solche Aktion notwendig war, ist eine Mahnung zur rechten Zeit, daß Großbritannien und seine Vertretungen im Ausland ein Ziel bleiben“, sagte Innenminister David Blunkett.
Acht verdächtige Briten
Bei den Verhafteten im Alter zwischen 17 und 32 Jahren handele es sich um britische Staatsbürger pakistanischer Herkunft, hieß es weiter. Es gebe keinen Zusammenhang mit den Al-Qaida-Anschlägen in Madrid, sagte der nationale Koordinator für Terrorismus, Peter Clarke, auf einer Pressekonferenz. Bei der Aktion wurden nach den Angaben auch nicht näher bezeichnete Gerätschaften und Dokumente sichergestellt. Einer der Verhafteten wurde in der Nähe des internationalen Flughafens Gatwick gefasst.
Ammoniumnitrat wurde nach einem Bericht der BBC auch bei dem Anschlag in Oklahoma im Jahr 1995 und bei dem Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Nairobi 1998 benutzt. „Wenn die jetzt gefundene Menge für eine Bombe verwendet worden und im Zentrum Londons zur Explosion gebracht worden wäre, hätte dies viele Menschen getötet“, sagte BBC-Sicherheitskorrespondent Frank Gardner.
Angst vor Al-Qaida-Anschlägen
Den Verhaftungen waren Warnungen des ranghöchsten britischen Polizeibeamten Sir John Stevens vorausgegangen, daß Anschläge des islamistischen Terrornetzwerkes Al Qaida in Großbritannien unvermeidlich seien. Der Chef der Londoner Metropolitan Police hatte nach den Anschlägen in Madrid vom 11. März gesagt: „Wir wissen, dass wir terroristische Anschläge in London verhindert haben, aber es ist unausweichlich, daß wie auch immer geartete Angriffe geschehen werden. Meine Aufgabe ist es sicherzustellen, daß dies nicht passiert.“
Die Durchsuchungen und Verhaftungen stützten sich auf ein Antiterrorgesetz aus dem Jahr 2000, das es erlaubt, Verdächtige bis zu einer Woche ohne Anklage festzuhalten. Bislang wurden auf dieser Grundlage im Vereinigten Königreich rund 500 Terrorverdächtige festgenommen, jedoch letztlich nur einige wenige angeklagt und verurteilt.
