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Großayatollah Montazeri gestorben Chameneis Gegenspieler

20.12.2009 ·  Einst war er einer der engsten Mitstreiter des Revolutionsführers Chomenei. Dann fiel er in Ungnade und wurde zum Gegenspieler von dessen Nachfolger Chamenei. Mit dem Tode von Großajatollah Montazeri hat die Reformbewegung in Iran ihre geistliche Führungsfigur verloren.

Von Christiane Hoffmann
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Chomeini hatte ihn einst als „Frucht meines Lebens“ bezeichnet. Während der iranischen Revolution 1979 und in den ersten Jahren der islamischen Republik war Großajatollah Hussein-Ali Montazeri einer der engsten Mitstreiter des Revolutionsführers. 1985 wurde der 1922 im zentraliranischen Nadschafabad geborene Geistliche auch offiziell zum Nachfolger Chomeinis ernannt.

Aber als er kurz vor dessen Tod die Massenhinrichtungen von Oppositionellen in den Gefängnissen des Landes offen kritisierte, fiel Montazeri in Ungnade. An seiner Stelle wurde Ali Chamenei, fast eine Generation jünger und ein Geistlicher niedrigeren Ranges, der neue Führer der Islamischen Republik.

Die geistliche Führungsfigur der Reformbewegung

Montazeri, der sich immer mehr zum Kritiker des Regimes entwickelte, wurde 1997, als der Reformer Mohammad Chatami zum Präsidenten gewählt wurde, in seinem Haus in Ghom unter Hausarrest gestellt. Trotzdem blieb er die geistliche Führungsfigur der Reformbewegung. Unterstützt von seinem Sohn Ahmad verbreitete der greise, herzkranke Großajatollah über Internet seine Botschaften und Rechtsauslegung, zuletzt im Sommer dieses Jahres, als er die umstrittenen Präsidentenwahlen in einer Fatwa für unrechtmäßig erklärte. Die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadineschad habe keine Legitimität mehr, schrieb Montazeri.

Der Großajatollah, der während und nach der Revolution durchaus ein Hardliner gewesen war, entwickelte sich zum Vordenker eines aufgeklärten Islam, verurteilte die direkte Einmischung des Klerus in die Politik und wollte ihm - der iranischen Tradition entsprechend - nur noch eine beratende und überwachende Funktion zubilligen. Er plädierte für Meinungs- und Religionsfreiheit, einschließlich der Freiheit, die Religion zu wechseln. Die Menschenrechte müssten Grundlage jeder Rechtsordnung sein. Auch die iranische Frauenbewegung, die die rechtliche Gleichstellung der Frauen fordert, konnte sich auf die Rechtsauslegung Montazeris berufen.

Ein Schlag für den Klerus

Am Samstag ist Ajatollah Hussein-Ali Montazeri im Alter von 87 Jahren in Ghom gestorben. Sein Tod kommt zur Unzeit: Mit Montazeri verliert die iranische Reformbewegung ihren geistlichen Führer, der seine Autorität nicht zuletzt daraus bezog, dass er als Theologe weitaus höheres Ansehen genoss als Revolutionsführer Ali Chamenei.

Sein Tod ist ein Schlag für den Klerus, der im politischen Leben der islamischen Republik immer weiter an Einfluss verliert. Und er schwächt die Reformer, die ohnehin unter Druck stehen durch die Repressalien der Regierung Ahmadineschad und durch eine immer radikalere Abwendung vieler junger Iraner vom religiösen System. (Siehe auch: Atomwaffen sind unislamisch: Großayatollah Montazeri spricht sich gegen den Bau von Atomwaffen aus)

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