Home
http://www.faz.net/-gpf-747hq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.11.2012, 21:09 Uhr

Grenzkonflikt Türkei will Nato um Flugabwehrraketen bitten

Die Türkei will die Nato zum Schutz vor Beschuss aus Syrien darum bitten, Flugabwehrraketen auf ihrem Gebiet zu stationieren. Deutschland und Großbritannien erhöhen derweil vor dem Winter die humanitäre Hilfe für Syrien.

© AFP Ausgebombt: Eine Frau in Aleppo bringt ihre Habseligkeiten in Sicherheit

Die Türkei will die Nato zum Schutz vor Beschuss aus Syrien darum bitten, Flugabwehrraketen des Typs Patriot auf ihrem Gebiet zu stationieren. Ein Antrag stehe kurz bevor, hieß es am Mittwoch aus dem türkischen Außenministerium. Zuvor war unter Berufung auf Angaben eines hohen türkischen Diplomaten berichtet worden, ein entsprechender Plan habe wegen der amerikanischen Präsidentenwahl aufgeschoben werden müssen. Die Regierung in Ankara wolle sich nun in dieser Sache an die Nato wenden.

Michael Martens Folgen:

Zunächst hatten türkische Medien den türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu mit den Worten zitiert, die Nato bereite die Stationierung der Raketen bereits vor. Diese Meldung wurde dann aber zurückgezogen. Ein Regierungssprecher teilte zudem mit, der Außenminister habe entsprechende Äußerungen nicht gemacht.

Der Einsatz von Abwehrraketen des Typs Patriot soll nach türkischer Lesart dazu beitragen, die von der Türkei seit langem vergeblich geforderte sichere Pufferzone im Norden Syriens zu etablieren, indem die Lufthoheit der Kampfflugzeuge des Assad-Regimes dort gebrochen wird. Die Zeitung „Milliyet“ berichtete dazu am Mittwoch, durch den Einsatz von Raketen und durch Kontrollflüge türkischer Kampfflugzeuge an der Grenze solle erreicht werden, dass sich Syriens Luftwaffe aus dem Gebiet zurückziehen müsse. Dies wiederum soll den Flüchtlingen eine Rückkehr in das Gebiet zwischen Aleppo und der türkischen Grenze ermöglichen. Die Türkei sieht sich mit einem wachsenden Heer von Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien konfrontiert. Nach Regierungsangaben halten sich derzeit mehr als 110.000 Flüchtlinge aus Syrien in der Türkei auf.

Deutsche Syrien-Hilfe wird erhöht

Der britische Premierminister David Cameron teilte derweil am Mittwoch mit, er wolle die syrische Opposition „stärker formen“. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und ihre regionalen Verbündeten Saudi-Arabien und Jordanien seien aufgerufen, ihr Engagement für die Gegner des syrischen Präsidenten zu erhöhen, um diese zu einer „kohärenten Kraft“ zu machen, sagte er während eines Besuchs in einem Flüchtlingslager in Jordanien. Auch Gespräche mit dem militärischen Flügel der Aufständischen sollten deshalb geführt werden. Ziel sei ein „Syrien ohne Assad“. Cameron kündigte an, die britische humanitäre Hilfe für Syrien um umgerechnet 17 Millionen Euro zu erhöhen.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle kündigte in New York ebenfalls eine Erhöhung der deutschen Syrien-Hilfe um 12 Millionen Euro an. Damit sollten Flüchtlingsquartiere winterfest gemacht und die Menschen mit Essen, Medizin und Kleidung ausgestattet werden, sagte er. „Über unseren intensiven Bemühungen um eine politische Lösung für den Konflikt dürfen wir nicht den humanitären Albtraum vergessen,“ sagte Westerwelle. Versuche, den Konflikt zwischen Aufständischen und dem Assad-Regime politisch zu lösen, treten jedoch weiter auf der Stelle.

Der Bürgerkrieg dauert an

Der qatarische Nachrichtensender Al Dschazira berichtete, dass der zur Opposition übergelaufene frühere syrische Ministerpräsident Riad al Hidschab eine Einladung des russischen Außenministers Sergej Lawrow zu politischen Gesprächen nach Moskau ausgeschlagen habe. Das Treffen der beiden in der jordanischen Hauptstadt Anfang der Woche hatte Hoffnungen auf eine Annäherung geweckt. Die Regierung in Moskau unterstützt das Regime von Machthaber Baschar al Assad. Papst Benedikt XVI. sagte am Mittwoch die geplante Reise einer Delegation des Vatikans nach Syrien ab.

Unterdessen dauerte der Bürgerkrieg in Syrien an. Bei einem Granatwerfer-Angriff in der Nähe des Präsidentenpalastes in Damaskus wurden am Mittwoch nach Angaben staatlicher Medien mindestens drei Personen getötet.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Streit mit der Türkei Amerika fordert Ende der Angriffe auf Kurden

Die türkischen Luftangriffe auf Kurden in Syrien müssten beendet werden, teilte die amerikanische Regierung mit. Zuvor hatte das türkische Militär Stellungen kurdischer Milizen in Nordsyrien bombardiert. Mehr

13.02.2016, 23:18 Uhr | Politik
Syrien Flüchtlinge sitzen an der Grenze zur Türkei fest

Zehntausende Syrer, die vor dem Bombardement russischer und syrischer Regierungstruppen aus der Umgebung der Stadt Aleppo geflohen sind, sitzen offenbar weiter an der Grenze zur Türkei fest. Nach Darstellung von Außenminister Mevlüt Cavusoglu lässt die Türkei syrische Flüchtlinge aus der Region Aleppo weiter ins Land. Mehr

07.02.2016, 18:12 Uhr | Politik
Bei Türkei-Besuch Merkel entsetzt über russische Bombenangriffe in Syrien

Kanzlerin Merkel verurteilt während ihres Besuchs in Ankara die Bombenangriffe auf Syrien, bei denen auch die Zivilbevölkerung zu schaden kommt – und greift damit Russland an. Mehr

08.02.2016, 16:28 Uhr | Aktuell
Bürgerkrieg Assad will ganz Syrien zurückerobern

Der syrische Präsident Baschar al-Assad ist nach eigenen Worten zur Rückeroberung ganz Syriens entschlossen. Die Kämpfe gegen die Rebellen könnten jedoch lange dauern, sagte Assad in einem Interview, das am Donnerstag noch vor der Einigung der Syrien-Kontaktgruppe in München auf eine Waffenruhe geführt wurde. Mehr

12.02.2016, 19:23 Uhr | Politik
Gefechte in Aleppo Zehntausende Syrer stranden an türkischer Grenze

An der geschlossenen Grenze zur Türkei harren bis zu 30.000 syrische Flüchtlinge aus. Wegen heftiger Kämpfe in der Großstadt Aleppo wird ihre Zahl steigen. Ob und wann sie ins Land dürfen, ist ungewiss. Mehr

05.02.2016, 21:21 Uhr | Aktuell

Der Westen will keinen kalten Krieg

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Es wäre wünschenswert, wenn es zu einem neuen west-östlichen Frühling käme. Und wenn man sich vertrauen könnte. Der russische Ministerpräsident hat in München beteuert, Moskau wolle genau das. Es könnte ja etwas dafür tun. Mehr 89 49