Home
http://www.faz.net/-gpf-74bmb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Grenzkonflikt Israel schießt wieder auf Ziele in Syrien

Die israelische Armee nimmt am zweiten Tag in Folge Ziele in Syrien unter Beschuss. Israels Präsident Benjamin Netanjahu kündigt harte Reaktionen bei weiteren Grenzverletzungen an.

© AFP Vergrößern Blick von den israelisch besetzten Golanhöhen auf die syrische Staat Quneitra.

Im Nahen Osten wächst die Angst, dass Nachbarländer Syriens in den Bürgerkrieg hineingezogen werden könnten: Israel nahm den zweiten Tag in Folge Ziele in Syrien unter
Beschuss und hat dabei nach Angaben der Militärführung „direkte Treffer“ auf ein syrisches Militärfahrzeug gelandet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte in einer Rede vor
Botschaftern in Jerusalem wenig später am Montag an, bisher als Querschläger hingenommene Granateneinschläge auf israelischem Boden nicht länger mehr zu dulden.

„Wir beobachten genau, was passiert und werden entsprechend antworten. Wir werden keine Grenzverletzungen dulden und nicht zulassen, dass auf unsere Bürger geschossen wird“, sagte er. Ebenfalls am Montag wurden direkt an der Grenze zur Türkei bei einem syrischen Luftangriff auf Rebellen nach türkischen Angaben bis zu zwanzig Menschen getötet.

Wachsende Befürchtungen

Mit dem jüngsten Zwischenfall nahmen die Befürchtungen erheblich zu, die Nachbarländer Syriens könnten in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen werden. Israel hat bislang versucht, das zu vermeiden. Eine direkte israelische Beteiligung an dem Konflikt könnte Auswirkungen auf die gesamte Region haben: Die Hisbollah im Südlibanon und militante Hamas-Gruppen im Gazastreifen könnten wieder auf Konfrontationskurs gehen. Im Gazastreifen haben in den letzten Tagen bereits die Kampfhandlungen wieder zugenommen.

Israel hatte am Sonntag erstmals auf den Einschlag von Mörsergranaten auf den nach dem Sechstagekrieg 1967 annektierten Golanhöhen reagiert und einen Warnschuss in Richtung Syrien abgegeben. Vertreter der Streitkräfte gingen bislang stets davon aus, dass es sich um verirrte Geschosse aus Kämpfen zwischen syrischen Regierungstruppen und Aufständischen in Grenznähe handelte. Am Montag erklärte ein hoher Regierungsbeamter jedoch, Israel zweifle allmählich an dieser Einschätzung: „Wir dachten, das sind Irrläufer, aber heute sind wir uns nicht sicher.“

Chinesischer Appell

Als erste internationale Organisation erkannte der Golfkooperationsrat (GCC) den neuen Dachverband der Oppositionsgruppen als legitime Vertretung des syrischen Volkes an. Nach tagelangen Verhandlungen hatten sich verschiedene Gruppen von Regimegegnern am Sonntag zur Syrischen Nationalkoalition für Opposition und Revolutionäre Kräfte zusammengeschlossen. Die Golfstaaten hofften, die Opposition habe damit „einen Schritt in Richtung eines schnellen politischen Machttransfers“ unternommen, sagte GCC-Generalsekretär Abdullatif al Sajani am Montag.

China rief unterdessen erneut alle Parteien in Syrien zu Verhandlungen auf. Außenministeriumssprecher Hong Lei wich jedoch Fragen danach aus, ob Peking die neue Führung der syrischen Regimegegner anerkenne. Am Wochenende hatte sich die Opposition nach mehrtägigen Verhandlungen in Katar neu aufgestellt und den Geistlichen Maath al Chatib aus Damaskus zum Präsidenten ihrer Organisation bestimmt, die sich Syrische Nationalkoalition für Opposition und Revolutionäre Kräfte nennt.

Eine Festnahme in London

Auf dem Londoner Flughafen Heathrow wurde unterdessen am Montag ein Mann wegen Terrorverdachts festgenommen. Der Vierundzwanzigährige sei möglicherweise in die Planung von Terrorakten in Syrien verwickelt, teilte die britische Polizei mit. Er sei in Gewahrsam genommen und verhört worden, nachdem er am Montagmorgen mit einer Maschine aus Bahrain in Heathrow gelandet war. Im Rahmen der gleichen Ermittlung war im Oktober ein Mann festgenommen worden, der die Entführung von zwei ausländischen Journalisten in Syrien geplant haben soll.

Mehr zum Thema

Quelle: dapd

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Krieg in Syrien Eine neue Front auf dem Golan

Vier Jahre nach Beginn des Syrien-Konflikts stehen sich auf den Golanhöhen iranische Generäle und Soldaten aus Israel unmittelbar gegenüber – mit unabsehbaren Folgen. Mehr Von Markus Bickel, Beirut

16.03.2015, 16:53 Uhr | Politik
Nach Luftangriff Spannungen an Grenze Israels mit Syrien und Libanon verschärft

Die israelische Luftwaffe hat zwei syrische Militärstellungen angegriffen. Ein israelischer Militärsprecher sprach von einem Vergeltungsschlag nach Raketenabschüssen auf die von Israel besetzten Golanhöhen. Einige Stunden nach dem Luftangriff wurde vom Libanon aus mindestens eine Rakete auf Nordisrael abgefeuert. Mehr

28.01.2015, 13:57 Uhr | Politik
Israelischer Ministerpräsident Netanjahu bereut anti-arabische Äußerung

Im Wahlkampf hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit einer Äußerung gegen Araber in seinem Land Stimmung gemacht. Nach heftiger Kritik entschuldigte sich Netanjahu nun dafür. Mehr

23.03.2015, 22:43 Uhr | Politik
Jerusalem Israel sprengt Haus von palästinensischem Attentäter

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem, zerstörten israelische Sicherheitskräfte das Haus von einem der mutmaßlichen Drahtzieher. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Mehr

19.11.2014, 13:44 Uhr | Politik
Wahl in Israel Regierungsmehrheit für Netanjahu

Sobald der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin den Auftrag erteilt, kann der Ministerpräsident seine vierte Regierung bilden. 67 Abgeordnete wollen ihn unterstützen. Das ist genug für eine komfortable Mehrheit. Mehr Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem

23.03.2015, 15:01 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.11.2012, 08:00 Uhr

Sozialistische Übungen

Von Reinhard Müller

Mit Quoten und Bremsen will die Bundesregierung der Bevölkerung Gutes tun. Doch sind diese Vorhaben nur Ausdruck eines paternalistischen Monsters. Und der Opposition geht das immer noch nicht weit genug. Mehr 5 21