03.03.2009 · Erfolg für die deutsche Marine: Erstmals wurden beim Einsatz im Golf von Aden vor Somalia Piraten festgesetzt. Neun Angreifer nahmen die Soldaten nach einem Angriff in Gewahrsam. Was nun mit ihnen geschieht, muss die Bundesregierung entscheiden.
Erstmals hat die deutsche Marine bei ihrem Einsatz vor der somalischen Küste Piraten festgesetzt. Neun Männer wurden am Dienstag im Golf von Aden nach einem Einsatz der Fregatte „Rheinland- Pfalz“ in Gewahrsam genommen, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (Geltow/Brandenburg) am Nachmittag mit.
Weder bei dem Angriff der Piraten auf ein Handelsschiff noch bei der Enterung ihres Bootes durch deutsche Soldaten habe es Verletzte oder Sachschäden gegeben, sagte ein Sprecher. Ein Sprecher der Reederei Gebrüder Winter bestätigte die Darstellung der Marine. Die Piraten werden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa zunächst an Bord der Fregatte bleiben.
„Wir warten auf weitere Informationen durch die Polizei“
Die Bundesregierung muss nun erstmals darüber entscheiden, was mit den Piraten in deutschem Gewahrsam geschieht. Dies gilt als rechtlich höchst kompliziert, da unter anderem geklärt werden muss, inwieweit deutsche Rechtsgüter betroffen sind, ob die Piraten an andere Staaten übergeben werden müssen oder in Deutschland verfolgt werden. Eine speziell eingerichtete Kommission der Staatssekretäre der vier Ministerien für Inneres, Justiz, Verteidigung und Außen prüft den Fall. Ein Beschluss wurde am Dienstag nicht mehr erwartet.
Die Piraten seien bereits zum Sachverhalt vernommen worden, hieß es. Die für diesen Einsatz der deutschen Marine zuständige Hamburger Staatsanwaltschaft legte einen „Beobachtungsvorgang“ an, teilte Sprecher Wilhelm Möllers mit. „Zur Zeit warten wir auf weitere Informationen durch die Polizeibehörden.“
Die Hubschrauber-Besatzungen vereitelten den Angriff
Nach Bundeswehrangaben sendete das Handelsschiff „MV Courier“ der deutschen Reederei Gebrüder Winter um 07.12 Uhr den Notruf, dass es von Piraten mit Panzerfäusten und Schusswaffen angegriffen wird. Sowohl die amerikanische Marine als auch die deutsche Marine schickten Bordhubschrauber zu Hilfe. Die „Rheinland-Pfalz“ war noch 50 Seemeilen vom Tatort entfernt. Das mit Stahl beladene Handelsschiff „MV Courier“ habe seine Fahrt nach Jebel Ali in den Vereinigten Arabischen Emiraten fortsetzen können und werde den Zielhafen voraussichtlich planmäßig erreichen.
Die Hubschrauber-Besatzungen vereitelten den Angriff. Kurze Zeit später erreichte die deutsche Fregatte das Piratenschiff. Bundeswehrsoldaten enterten das offene Boot gegen 10.00 Uhr, sicherten Beweismittel und brachten die neun Männer auf die Fregatte. Die Besatzung des Handelsschiffes stammt zum Teil von den Philippinen.
„Das zeigt, wie effektiv die Operation Atalanta ist“
Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey, sagte, von den Piraten seien zunächst Fingerabdrücke genommen worden. Ferner seien sie von einem Arzt untersucht worden. Zuverlässige Angaben über ihre Nationalität lägen noch nicht vor. Es soll sich in der Mehrzahl um Sudanesen handeln. Bei der Aktion auf hoher See seien viele Waffen sichergestellt worden, die jedoch aus Sicherheitsgründen sofort über Bord geworfen worden seien, sagte der Staatssekretär.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erklärte: „Das zeigt, wie effektiv die Operation Atalanta ist.“ Die EU-Mission „Atalanta“ war im Dezember vorigen Jahres gestartet worden, um Piraten-Überfälle auf Privat- und Handelsschiffe im Seegebiet vor der somalischen Küste und im Golf von Aden zu verhindern. 2008 kaperten Seeräuber dort mehr als 200 Schiffe und erpressten Millionen Dollar Lösegeld. Deutschland beteiligt sich an der Mission mit einer Fregatte und 230 Soldaten.
Ob das immer so einfach sein wird?
Stefan Waldburg (Matt513)
- 04.03.2009, 01:57 Uhr
Was sind wir zivilisiert
Peter Keul (hildennet)
- 04.03.2009, 02:09 Uhr
Warum werden diese Typen nicht
Lill-Karin Bryant (kb26919)
- 04.03.2009, 04:00 Uhr
@ Rolf
Frank Geiser (geiser123)
- 04.03.2009, 04:40 Uhr
Marine oder schwimmende Sozialarbeiter?
Norbert Knuthsen (calahan)
- 04.03.2009, 12:15 Uhr