http://www.faz.net/-gpf-99zys

Beschuss der Golanhöhen : Welche Folgen haben die Kampfhandlungen?

Israelische Soldaten auf den Golanhöhen an der Grenze zu Syrien Bild: Reuters

Iranische Revolutionsgarden haben in der Nacht die Golanhöhen beschossen, Israel feuerte zurück. Ein Zusammenhang zum aufgekündigten Atomabkommen mit Iran besteht nur indirekt. Doch droht weitere Eskalation? Eine erste Analyse.

          Die iranischen Revolutionsgarden sollen in der Nacht zum Donnerstag zwanzig Raketen von Syrien aus auf vorgeschobene israelische Stellungen auf den Golanhöhen abgefeuert haben. Das israelische Militär machte dafür die Quds-Eliteeinheit und den Kommandeur der Revolutionsgarden, General Qasem Soleimani, direkt verantwortlich. Vier der Raketen soll das Abwehrsystem Iron Dome abgefangen haben, die anderen 16 sollen noch auf syrischem Gebiet gelandet sein. Israel meldete keine Verluste, weder Tote noch Verletzte.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Zur Vergeltung flogen die israelischen Streitkräfte ihren größten Luftangriff seit vielen Jahren. Im Verbund mit Artillerieeinheiten griff Israel mehr als fünfzig Iran zugeordnete Ziele in ganz Syrien an. Darunter Munitionslager, verschiedene Positionen und Führungseinrichtungen der Revolutionsgarden, Radaranlagen und Luftabwehrstellungen sowie die Abschussvorrichtung der gen Israel gefeuerten Raketen. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei den Angriffen mindestens 23 Kämpfer getötet. Nach den massiven Kampfhandlungen zeichnet sich folgendes Lagebild ab:

          Eskaliert die Lage?

          Iran sieht seinen Angriff nur als Reaktion auf die vielen vergangenen israelischen Luftangriffe auf syrischem Gebiet, bei denen allein in den vergangenen Wochen mehr als zwanzig iranische Militärs getötet worden waren. Der iranische Gegenangriff war schwach: Er beschränkte sich auf die von Israel annektierten Golanhöhen, deren Status international nicht anerkannt ist und die von Syrien beansprucht werden. Ins Ziel genommen wurden auch keine Zivilisten. Zudem gehörten die abgeschossenen Raketen nicht zu den modernsten, die Teheran in Syrien hat. Das deutet darauf hin, dass Iran die Lage nicht weiter eskalieren will. Auch ein israelischer Militärsprecher bekräftigte, Israel suche seinerseits keine weitere Eskalation. Die Bevölkerung auf den Golanhöhen solle in ihrer „zivilen Routine“ bleiben.

          Indirekter Zusammenhang mit Atomabkommen

          Ein Zusammenhang mit dem von den Vereinigten Staaten gebrochenen Atomabkommen mit Iran besteht eher indirekt. Iran hatte Gegenangriffe nach den zahlreichen israelischen Luftschlägen bereits seit Wochen angekündigt. Bis zur Entscheidung Donald Trumps hatte sich Teheran aber zurückgehalten, um dem amerikanischen Präsidenten keine Gelegenheit zu geben, diese zur Begründung seiner Entscheidung heranzuziehen. Durch Trumps Entscheidung ist diese Restriktion weggefallen. Schon am Dienstag hatte Israel ein iranisches Raketenwerfersystem südlich von Damaskus angegriffen, von dem vermutet worden war, es habe einen Schlag gegen Israel vorbereitet.

          Deutliche Warnung an Iran

          Der Angriff auf rund fünfzig verschiedene Orte in Syrien scheint sich auf den größten Teil der Stellungen zu beziehen, die Iran in Syrien überhaupt unterhält. Dies ist ein deutliches Zeichen der Warnung und kann eine weitere Eskalation nach sich ziehen. Zuletzt hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gesagt, die Revolutionsgarden hätten fortschrittliche Waffen nach Syrien gebracht, darunter Boden-Boden-Raketen sowie iranische Luftabwehrbatterien.

          Welche Rolle spielt Russland?

          Russland lässt die israelischen Angriffe auf iranische Stellungen weiter geschehen und soll von Tel Aviv vorab über den israelischen Gegenschlag informiert gewesen sein. Nach seinem Besuch in Moskau am Mittwoch hatte Netanjahu gesagt, er glaube nicht, dass Russland israelische Aktivitäten in Syrien blockiere. Russland hatte zuvor gleichwohl angekündigt, moderne Luftabwehrraketen an das syrische Regime zu geben. Präsident Baschar Assad scheint den Geschehnissen nicht nur zusehen zu wollen. Syrische Luftabwehrbatterien der Typen SA5, SA2, SA22, SA17 beschossen die israelische Kampfflugzeuge Donnerstagfrüh und wurden ihrerseits unter Feuer genommen.

          Weitere Themen

          EU-Gipfel soll Brexit-Blockade lösen Video-Seite öffnen

          Verlängerte Übergangsphase? : EU-Gipfel soll Brexit-Blockade lösen

          Fünf Monate vor dem geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU suchen die Staats- und Regierungschefs nach einem Ausweg aus der Brexit-Sackgasse. Die Einigung auf eine verlängerte Übergangsphase nach dem Brexit könnte den Knoten beim EU-Gipfel zum Platzen bringen.

          Erhöhter Druck auf Saudi-Arabien Video-Seite öffnen

          Verschwinden Khashoggis : Erhöhter Druck auf Saudi-Arabien

          Die G7 zeigte sich äußert besorgt und forderte von der Führung in Riad eine gründliche, transparente und rasche Untersuchung. Außenminister Maas kündigte an, eine geplante Reise nach Saudi-Arabien zu überdenken.

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Der Moment der Wahrheit naht

          Beim EU-Gipfel in Brüssel sind sich die Teilnehmer einig: Eine Einigung für den anstehenden Brexit zu erzielen, wird immer schwerer. Und neue Kritik an der britischen Premierministerin gibt es auch.
          Mit oder ohne Krawatte: Amtsinhaber Bouffier mit Herausforderer Schäfer-Gümbel

          TV-Duell in Hessen : Und plötzlich eine Schicksalswahl

          Der Zusammenhalt der Koalition, die Zukunft der SPD: Nach der Bayern-Wahl geht es in Hessen um mehr als nur den neuen Landtag: Beim TV-Duell wird deutlich, wie schwer die Klötze an den Füßen der beiden Spitzenkandidaten sind.

          Anschlag auf der Krim : „Ich liebe Dich, meine Sonne“

          Eine mit Metallteilen gefüllt Bombe geht in einer Berufsschule im Osten der Krim hoch. Dutzende Schüler werden verletzt. Zunächst wird wegen Terror ermittelt – doch die Tat war wohl nicht politisch motiviert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.