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Gleichstellung in Frankreich : Frigide Durchgeknallts Familienwerte

Am Rande einer Demonstration gegen die Homosexuellen-Ehe und die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare in Paris zeigte diese beiden heterosexuellen jungen Frauen im November, was sie davon halten - vor den Augen der geschockten Demonstranten Bild: AFP

Es sind keine Sittenwächter alter Schule, die in Frankreich gegen das Adoptionsrecht für Homosexuelle protestieren. Das Bündnis von Franzosen, die allen Kindern ihre Maman und ihren Papa sichern wollen, hat Präsident Hollande auf dem falschen Fuß erwischt.

          Den Namen Frigide Barjot wird sich der französische Präsident merken müssen. So heißt die 50 Jahre alte Organisatorin der Demonstrationen gegen die Homo-Ehe. Oder besser, so nennt sie sich: Frau Frigide Durchgeknallt! Ihr Pseudonym verdankt sie einem Wortspiel über die Filmdiva Brigitte Bardot. Das sagt sie mit einem großen Lächeln und erklärt dann, warum sie seit mehreren Wochen unermüdlich den Widerstand gegen das von den Sozialisten geplante Gesetz zur Homo-Ehe organisiert. „Die Gesellschaft ist in ihren Grundfesten bedroht“, sagt sie. Die Linksregierung will homosexuelle Paare mit heterosexuellen Paaren gleichsetzen, die Bezeichnung Vater und Mutter soll deshalb durch Elternteil 1 und Elternteil 2 im bürgerlichen Gesetzbuch ersetzt werden.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Frigide Barjot wedelt mit einem rot eingebundenen Exemplar des „Code Civil“. „Das ist Wahnsinn. Ein Kind braucht einen Papa und eine Mama und nicht irgendwelche geschlechtsneutralen administrativen Begriffe“, sagt die Frau, die sich eine besorgte Familienmutter nennt. Sie sieht eher wie eine in die Jahre gekommene Disco-Queen aus, mit den blonden Haaren, die so echt wie ihr Name sind, den spitzen Stöckelstiefeletten zur weißen Spitzenhose und schwarzen Lederjacke. Die wortgewaltige Frau hat es innerhalb kurzer Zeit verstanden, den Protest gegen den Gesetzentwurf zu organisieren und ein buntes Kollektiv aus Vereinen, Verbänden und Privatleuten als „Manifpourtous“ (“Demo für alle“) ins Leben zu rufen - als Gegenstück zur geplanten „Ehe für alle“.

          „Manipulation der Homosexuellen“

          Einer ersten „Demo für alle“ schlossen sich Mitte November mehrere hunderttausend Franzosen in etlichen Städten an. Allein in Paris protestierten nach Schätzungen der Organisatoren 200.000 Menschen; am vergangenen Wochenende sollen es 50.000 gewesen sein. Sie legen dabei Wert darauf, nicht in die Nähe von reaktionären oder sektiererischen Gruppen gerückt zu werden. „Wir sind nicht gegen die Homosexualität. Wir wissen, was Schwulenhass anrichten kann. Aber die Homosexuellen werden über den Gesetzentwurf manipuliert“, sagt Frigide Barjot.

          Xavier Bougibault pflichtet ihr bei. Der junge Mann steht der Homosexuellenvereinigung „Plus gay sans mariage“ (“Schwuler ohne Heirat“) vor. Er sagt, es sei ein bedauerlicher Irrtum zu glauben, dass alle Homosexuellen nach einer Gleichsetzung mit Heterosexuellen strebten. „Ich bin mit Vater und Mutter aufgewachsen und bin dankbar darüber“, sagt Bougibault. Es sei gefährlich, wenn der Gesetzgeber gegen die biologische Evidenz vorgehe und so tue, als spiele der Geschlechterunterschied für die Menschheit keine Rolle.

          Für alle: Frigide Barjot (Mitte) auf einer Demonstration am 17. November in Paris
          Für alle: Frigide Barjot (Mitte) auf einer Demonstration am 17. November in Paris : Bild: Xavier POPY/REA/laif

          François Hollande hatte das Versprechen über die „Ehe für alle“ im Wahlkampf abgegeben, um sich die Stimmen der homosexuellen Wählerschaft zu sichern. Vom Gegenwind aus der Zivilgesellschaft zeigt er sich jetzt überrascht. Die parlamentarische Debatte über den Gesetzentwurf ließ er auf Mitte Januar vertagen. Vor der jährlichen Konferenz der französischen Bürgermeister sinnierte er kürzlich über ein „Recht auf Gewissensentscheidung“ bei gleichgeschlechtlichen Eheschließungen.

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