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Gipfel von Trump und Kim : Auf die Größe kommt es an

Auf einer Leinwand in Tokio sind Trump und Kim sich schon ganz nah Bild: AFP

Vor dem Gipfel von Trump und Kim in Singapur muss das Protokoll noch heikle Fragen klären. Nicht nur, weil Nordkoreas Diktator Wert darauf legt, dass sein Flugzeug im Vergleich zur Air Force One nicht zu mickrig wirkt.

          Die Sensation hatte am Wochenende die Zeitung „Washington Post“: Das Treffen zwischen Amerikas Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un am 12. Juni solle in dem Hotel Capella auf der zu Singapur gehörenden Vergnügungsinsel Sentosa stattfinden. Ein Reporter der Zeitung war dem Protokoll auf die Spur gekommen, da an dem Hotel im Kolonialstil Vorbereitungsarbeiten für eine Veranstaltung liefen. Zudem soll eine Delegation amerikanischer Unterhändler dort untergebracht gewesen sein, die sich mit den Nordkoreanern über die Logistik und die Sicherheitsvorkehrungen für den Gipfel ausgetauscht hatten. Sofern die Prognosen stimmen, werden sich Trump und Kim also in Nachbarschaft von Resort-Hotels, Vergnügungsparks und Beachclubs treffen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Journalist brachte auch in Erfahrung, in welchen Hotels des Stadtstaats die beiden während ihres Gipfels wohnen sollen, Trump im Shangri-La und Kim im ebenfalls kolonialzeitlichen Fullerton Hotel. Keine Einigkeit gebe es demnach allerdings darüber, wer die Hotelrechnung für den Machthaber aus Pjöngjang begleiche. Demnach sehe sich das Land nicht in der Lage, die Zimmer im Fullerton zu bezahlen. Dort koste etwa die Präsidentensuite 6000 Dollar pro Nacht. Die Nordkoreaner hätten verlangt, dass die Kosten von einer ausländischen Regierung übernommen werden. Zwar seien die Amerikaner dazu bereit. Jedoch dürften sie nicht gegen die UN-Sanktionen verstoßen. Im Gespräch sei deshalb, dass Singapur die Rechnung übernehme.

          Seitdem Trump am Freitag bestätigt hatte, dass der Gipfel trotz seiner früheren Absage nun doch stattfinden wird, haben die Vorbereitungen in dem südostasiatischen Stadtstaat noch einmal an Fahrt zugenommen. Die Planungen könnten sich allerdings jederzeit ändern. Auch der Bericht der „Washington Post“ wurde bisher weder offiziell bestätigt noch dementiert. Am wenigsten klar scheint aber, was genau das Ergebnis des Gipfels in Bezug auf den Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms werden könnte. Trump hatte dazu am Freitag die Erwartungen gedämpft. Es werde nur die erste von mehreren Begegnungen sein. Er sprach von einem „Kennenlerntreffen plus“.

          In Singapur ließen sich am Wochenende auch die unterschiedlichen Sichtweisen der Verbündeten Amerika, Japan und Südkorea auf diesen Punkt beobachten. Dort hatten am Wochenende die Verteidigungsminister aller drei Länder bei einer Sicherheitskonferenz gesprochen. Der Shangri-La-Dialog wurde in dem Hotel abgehalten, in dem auch Trump kommende Woche wohnen soll. Bei der Konferenz waren vor allem die Unterschiede zwischen den Japanern und den Südkoreanern deutlich geworden. So plädierte der südkoreanische Verteidigungsminister Song Young-moo dafür, Kim Jong-un einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. „Wenn wir weiter seinen Motiven misstrauen, dann wird der Weg zum Ziel durch dieses Misstrauen behindert werden“, sagte Song.

          Im „Shangri-La-Hotel“ soll Donald Trump mit seiner Gefolgschaft residieren

          Der Südkoreaner verwies auf Änderungen im Ton und die Bereitschaft Kims, Reformen anzuschieben. Der Gipfel sei deshalb eine „wertvolle Gelegenheit“. Auf die Frage, ob Kim auch nach einer Denuklearisierung sein Raketenprogramm weiterführen werde, zeigte sich der Südkoreaner optimistisch: Wenn sich Nordkorea wirtschaftlich entwickle und allmählich der Welt öffne, habe es irgendwann keinen Grund mehr, diese Waffen zu besitzen. Dagegen schlug der japanische Minister skeptische Töne an. In Bezug auf Nordkorea habe sich die Geschichte bereits wiederholt, „wenn Nordkorea sich zur Denuklearisierung bereit erklärte und sich als versöhnlich und entgegenkommend darstellte, nur um sich dann wieder umzudrehen und alle internationalen Bemühungen in Richtung Frieden zunichte zu machen“. Im Lichte des früheren nordkoreanischen Verhaltens sei es wichtig, Nordkorea nicht allein dafür zu belohnen, dass es sich auf einen Dialog einlässt, warnte der Minister Itsunori Onodera.

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