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Giftmüllskandal von Abidjan 46 Millionen Dollar für die Opfer

21.09.2009 ·  Das Unternehmen Trafigura zahlt den Opfern des Giftmüllskandals an der Elfenbeinküste eine Abfindung. Die Firma wusste neuen Berichten zufolge genau, wie gefährlich der toxische Schlamm war, der dort illegal entsorgt wurde.

Von Thomas Scheen, Johannesburg
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Drei Jahre nach dem Giftmüllskandal von Abidjan haben sich das niederländisch-schweizerische Ölunternehmen Trafigura und die Anwälte der Opfer auf einen Vergleich geeinigt. Demnach will Trafigura den Opfern 46 Millionen Dollar zahlen, was pro Opfer rund 1550 Dollar entspricht. 15 Menschen waren gestorben und rund 30.000 weitere Personen hatten teils erhebliche gesundheitliche Schäden erlitten. Ein Sprecher der Opfergemeinschaft nannte die Summe „lächerlich“. Das decke nicht einmal die Kosten für Medikamente in den vergangenen drei Jahren, sagte Aboubabacar Ouattara.

Als Schuldeingeständnis will Trafigura die Abfindung gleichwohl nicht verstanden wissen. Vielmehr einigte sich die Firma mit den Anwälten der Opfer auf die Sprachregelung, dass die Giftschwaden, die nach der illegalen Entsorgung giftiger Rückstände aus den Ballasttanks eines Tankschiffs tagelang durch die ivorische Metropole gezogen waren, „grippeähnliche“ Symptome hervorgerufen hätten. Dabei legte ein in der vergangenen Woche vorgelegter Bericht des Vereinten Nationen einen direkten Zusammenhang zwischen 15 Todesfällen und dem Giftmüll nahe. Trafigura hatte den Bericht als „nicht ausgewogen“ abgelehnt. Schon 2007 hatte Trafigura der ivorischen Regierung 200 Millionen Dollar Entschädigung gezahlt, ohne damit zuzugeben, den Giftmüllskandal verursacht zu haben.

Müll einfach offen in der Stadt verteilt

Im Mittelpunkt des Skandals stand der unter panamaischer Flagge fahrende griechische Tanker „Probo Koala“, der im Sommer 2006 die giftigen Tankrückstände in Abidjan gelöscht hatte. Die ivorische Entsorgungsfirma Tommy, die nachweislich über keinerlei Erfahrung im Umgang mit Giftmüll verfügte, hatte die 528 Tonnen Schlacke einfach auf 19 offenen Mülldeponien im Stadtgebiet abgeladen. Zehntausende Menschen hatten in den Tagen danach über Atembeschwerden, Hautausschlag und Schwindel geklagt.

Trafigura, das die „Probo Koala“ gechartert hatte, hatte stets versichert, bei der zähflüssigen Schlacke handele es sich um Rückstände, die beim Reinigen der Tanks entstehen, und ansonsten auf die schriftliche Versicherung der Firma Tommy verwiesen, solchen Müll entsorgen zu können. Nachdem sich aber die Krankheitsfälle in der Nähe der Mülldeponien häuften und der Müll untersucht wurde, zeigte sich, dass es sich dabei um eine Mischung aus Kohlenwasserstoffen, Schwefelverbindungen, Wasserstoffsulfiden, organischen Chlorverbindungen und Phenolen handelte - eine Mischung, die nicht durch die normale Reinigung eines Schiffstanks hätte entstehen können.

Amsterdam ließ das Schiff einfach fahren

Zudem war die „Probo Koala“ zuvor dreimal mit dem Versuch gescheitert, den giftigen Schlamm loszuwerden; zuerst in Estland, dann in den Niederlanden und zum Schluss in Nigeria. Eine Entsorgungsfirma in Rotterdam war zwar bereit gewesen, den Giftmüll für rund 3000 Euro pro Tonne in einem Ofen für Sondermüll zu verbrennen, aber das war Trafigura zu teuer gewesen. Skandalös war daran vor allem, dass die „Probo Koala“ anschließend ungehindert den niederländischen Hafen in Richtung Estland verlassen durfte. Die Hafenmeisterei von Amsterdam, wo das Schiff damals lag, hatte erklärt, das Auslaufen mit normalem „Schmutzwasser“ sei nicht illegal. Wenn es aber normales Schmutzwasser war, was die „Probo Koala“ an Bord hatte, warum wurde es dann nicht in Amsterdam entsorgt? Tatsächlich hatte es der nach faulen Eiern richtende Abfall in sich.

Nach Angaben der BBC, die sich auf E-Mails von Trafigura-Angestellten berufen, wusste die Firma ganz genau, was da in den Ballasttanks ihres Schiffes schwappte, nämlich Rückstände aus einer Benzinveredelung, die auf hoher See vonstatten gegangen war. Demnach hatte Trafigura große Mengen an billigem Rohbenzin (Naphta) in einer mexikanischen Raffinerie gekauft, diese auf die „Probo Koala“ verladen lassen und das Tankschiff gleichsam als Raffinerie genutzt. Durch Beigabe etlicher Chemikalien kann aus Naphta gebrauchsfähiges Benzin hergestellt werden, dessen Oktanzahl zwar nicht den europäischen Normen entspricht, das sich in Afrika aber gleichwohl teuer verkaufen lässt. 5,5 Millionen Euro sollen die 70.000 Liter Rohbenzin wert gewesen sein.

Aus dem E-Mail-Verkehr geht zudem hervor, dass die Trafigura-Mitarbeiter geradezu verzweifelt nach einem Hafen suchten, in dem sie die hochgiftigen Rückstände aus der Benzinherstellung löschen konnten. Bei Tommy in Abidjan, dessen nigerianischer Besitzer inzwischen eine 20 Jahre lange Haftstrafe absitzt, wurden sie schließlich fündig. Dem Vernehmen nach hatte Tommy der Reederei ganze 300 Euro pro Tonne berechnet - zehn Mal weniger als das niederländische Spezialunternehmen.

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