14.02.2007 · Die Reederei Trafigura ist sich keiner Schuld bewusst - und überweist dennoch einen dreistelligen Millionenbetrag an die Elfenbeinküste. Ein Öltanker des Konzerns hatte im Sommer 2006 hunderte Tonnen giftigen Mülls in Abidjan abgeladen.
Ein halbes Jahr nach dem Giftmüllskandal in der Elfenbeinküste hat der multinationale Ölhandelskonzern Trafigura sich bereit erklärt, 150 Millionen Euro an den westafrikanischen Staat zu zahlen. „Weder das Unternehmen noch die Regierung der Elfenbeinküste übernehmen Verantwortung, aber Trafigura nimmt seine Rolle als verantwortlicher Weltbürger ernst und wird die Regierung unterstützen, für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen“, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit, ohne dabei Zahlen zu nennen.
Medien in der Elfenbeinküste nannten eine Summe von 150 Millionen Euro, die unter anderem für die Beseitigung der Schäden, eine moderne Müllanlage und ein neues Krankenhaus verwendet werden sollen.
Keine weiteren rechtlichen Schritte
Das Unternehmen zeigte sich zugleich „erfreut“ über die Freilassung zweier französischer Manager, die wegen des Skandals in Abidjan in Haft waren. Die Elfenbeinküste verzichtete in dem am Dienstagabend in Anwesenheit des ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo unterzeichneten Abkommen auf weitere rechtliche Schritte gegen das Unternehmen.
Ein Öltanker der Reederei Trafigura hatte Mitte August mehr als 500 Tonnen Giftmüll in Abidjan abgeladen, die auf mehreren offenen Müllhalden der Hauptstadt deponiert wurden. Zehn Menschen starben nach dem Einatmen giftiger Dämpfe. Zehntausende ließen sich wegen Atemnot und anderer Beschwerden behandeln.
Giftmüll erst nach einem Monat beseitigt
Die nach faulen Eiern stinkende Flüssigkeit, die Ölrückstände und Reinigungschemikalien
enthielt, wurde erst nach einem Monat wieder beseitigt und zu einer französischen Sondermüllanlage transportiert.
Nach Angaben der Ölhandelsfirma Trafigura scheiterte eine ordnungsgemäße Entsorgung der Abfälle in Amsterdam, da das beteiligte Unternehmen einen höheren Preis forderte als abgemacht. Es ist der bislang größte bekannt gewordene Giftmüllskandal in Afrika. Nach europäischem Recht ist die Ausfuhr gefährlichen Mülls in Entwicklungsländer grundsätzlich verboten.