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Veröffentlicht: 16.02.2017, 20:34 Uhr

Giftmord an King Jong-nam Schutzlos in Kuala Lumpur

Der vergiftete Halbbruder des nordkoreanischen Diktators fürchtete schon länger um sein Leben – von Reisen nach Malaysia hielt ihn das nicht ab. Doch diesmal war eines anders.

von , Kuala Lumpur
© AP King Jong-nam wurde am Flughafen von Kuala Lumpur vergiftet.

Kim Jong-nam reiste über viele Jahre mehrfach nach Malaysia, obwohl er schon seit längerem mit einem Mordanschlag auf seine Person rechnen musste. Das sagte Alex Hwang, ein südkoreanischer Geschäftsmann, der mehrere Restaurants in der malaysischen Hauptstadt betreibt und den Nordkoreaner nach eigenen Angaben persönlich gut kannte, der F.A.Z. am Donnerstag in Kuala Lumpur. Der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un sei sowohl geschäftlich als auch für sein privates Vergnügen nach Kuala Lumpur gekommen, sagte der Südkoreaner. Hwangs Restaurant „Koryo-Won“ in der „Starhill Gallery“, das sich auf koreanische Küche spezialisiert, habe sich der Nordkoreaner vor allem aus Sicherheitserwägungen immer wieder zum Essengehen ausgesucht. Dabei sei er meistens in Begleitung einer Frau gewesen.

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In dem Luxus-Einkaufszentrum, das an der edelsten Einkaufsstraße der malaysischen Hauptstadt liegt, herrschten besondere Sicherheitsvorkehrungen, da es auch von einflussreichen malaysischen Persönlichkeiten wie dem Ministerpräsidenten und den malaysischen Sultanen frequentiert werde. Der älteste Sohn des im Jahr 2011 verstorbenen Diktators Kim Jong-il habe seit längerem um sein Leben gefürchtet, sagte Hwang. „Deshalb hatte er immer Leibwächter dabei. Manchmal waren es Frauen, manchmal Männer“, sagte der Koreaner.

 
Trotz Furcht um sein Leben reiste King Jong-nam immer wieder nach Malaysia. Doch diesmal war eines anders

Umso unverständlicher sei es, dass Kim Jong-nam am Montag ohne Personenschutz am Flughafen gewesen sein soll. „Ich bin sehr überrascht, dass er an dem Tag am Flughafen keine Leibwächter hatte. Er hatte immer Leibwächter“, sagte der Geschäftsmann.

Kim Jong-nam war am Montagmorgen am Billigterminal des Flughafens von Kuala Lumpur einem mutmaßlichen Giftanschlag zum Opfer gefallen. Den Aufnahmen der Überwachungskameras zufolge sollen sich ihm zwei Frauen genähert haben, als er am Check-in-Automaten stand. Die eine Frau sprühte ihm der malaysischen Presse zufolge von vorne eine Flüssigkeit ins Gesicht, die andere hielt ihm von hinten ein Tuch über den Mund. Insgesamt soll der Vorgang nur fünf Sekunden gedauert haben. Kim Jong-nam starb noch auf dem Weg vom Flughafen ins Krankenhaus.

© AP, reuters Zwei Festnahmen nach Gifttod von Kim Jong-uns Halbbruder

Die Aussagen des koreanischen Geschäftsmanns, wonach Kim Jong-nam schon lange mit einem Anschlag gerechnet hatte, decken sich auch mit Angaben südkoreanischer Geheimdienstmitarbeiter. Demnach sei er schon seit dem Tod des Vaters Kim Jong-il vor fünf Jahren bedroht gewesen. In der chinesischen Stadt Macau, in der er ein unauffälliges, aber offenes Leben geführt hat, soll er unter dem Schutz Pekings gestanden haben, da man ihn dort als möglichen Ersatz für Kim Jong-un sah. Dieser Schutz hatte in Malaysia aber offensichtlich nicht gegriffen. Über den Grund, warum er zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort angegriffen wurde, lässt sich derzeit allerdings nur spekulieren.

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Dafür bestätigte Malaysias stellvertretender Ministerpräsident Ahmad Zahid Hamidi am Donnerstag nun offiziell, dass es sich bei dem Toten auch wirklich um Kim Jong-nam handelte. Dieser sei unter mehreren Identitäten unterwegs gewesen. Damit wollte er sich vielleicht auch vor Angriffen nordkoreanischer Agenten schützen. Für eine direkte Verstrickung des Regimes von Kim Jong-un liegen derzeit allerdings keine Beweise vor. Malaysias Ermittler gehen nach eigenen Angaben nach aber der Möglichkeit nach, dass „ausländische Agenten“ hinter dem Anschlag stecken könnten. „Es könnte sein, dass sie es schon länger auf ihn abgesehen hatten“, sagte der Polizist Fuzi Harun der lokalen Presse.

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