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Giftgas-Vorwürfe in Syrien „Hunderte Menschen mit neurotoxischen Symptomen gestorben“

 ·  In syrischen Krankenhäusern sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen seit Mittwoch hunderte Personen mit „neurotoxischen Symptomen“ gestorben. Die syrische Führung wies die Vorwürfe zurück.

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© AFP Vergrößern Präsenz zeigen: Vier amerikanische Zerstörer wurden im östlichen Mittelmeer zusammengezogen.

In syrischen Krankenhäusern sind nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mehrere hundert Menschen mit „neurotoxischen Symptomen“ gestorben. Insgesamt seien am Mittwochmorgen weniger als drei Stunden nach den mutmaßlichen Giftgasangriffen auf Vorortbezirke von Damaskus  rund 3600 Opfer mit Vergiftungserscheinungen eingeliefert worden. Die Hilfsorganisation beruft sich auf Berichte aus dortigen Krankenhäusern, mit denen sie nach eigenen Angaben seit 2012 eng zusammenarbeitet. 355 der Patienten seien gestorben, teilte die Organisation am Samstag in Brüssel weiter mit. UN-Inspekteure durften  den Ort des Geschehens bislang nicht untersuchen. Ärzte ohne Grenzen berichtete weiter, die Menschen hätten unter Zuckungen, starkem Speichelfluss und Atemnot gelitten. Die Organisation könne die Ursache dafür zwar nicht wissenschaftlich nachweisen. Alles deute aber darauf hin, dass sie einem Nervengift ausgesetzt gewesen seien.

© Reuters Vergrößern Vermittlung: Die Hohe UN-Repräsentantin für Abrüstung, Angela Kane, traf am Samstag in Damaskus ein, um die Untersuchung der Giftgasvorwürfe voranzutreiben.

Die syrische Regierung wies die Vorwürfe abermals zurück, im Bürgerkrieg Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Die syrische Führung habe „niemals Chemiewaffen in Syrien eingesetzt, in welcher Form auch immer, flüssig oder als Gas“, sagte Informationsminister Omran al-Sohbi am Samstag dem im Libanon ansässigen Fernsehsender al-Majadin. Die Armee habe den Einsatz solcher Waffen aufgrund ihrer „hohen Moral“ und ihrer Erfolge im  Kampf gegen den „Terrorismus“ nicht nötig. Das Gespräch wurde in  Auszügen im syrischen Fernsehen gesendet.

Al-Sohbi reagierte damit auf Vorwürfe der syrischen Opposition. Diese forderte die internationale Gemeinschaft zu einer Intervention in Syrien auf. Die Vereinten Nationen müssten „von  Worten zu Taten übergehen“, sagte Oppositionschef Ahmad Dscharba. Namentlich nannte Dscharba den amerikanischen Präsidenten Obama, den französischen Präsidenten François Hollande und den britischen Premierminister David Cameron: „Es ist ganz klar nach dem jüngsten  Angriff, dass sie verpflichtet sind, auf ernstzunehmende Weise einzugreifen, um das fortgesetzte Ermorden von Syrern zu beenden.“

Vermittlerin in Damaskus

Drei Tage nach den mutmaßlichen Giftgasangriffen traf am Samstag die deutsche UN-Diplomatin Angela Kane in Damaskus ein. Die Hohe Repräsentantin für Abrüstung soll den UN-Chemiewaffenexperten Zugang zu dem fraglichen Gebiet in Damaskus verschaffen. Frau Kane forderte die Assad-Regierung auf, den UN-Inspekteuren die  Untersuchung des Anschlagsorts von Mittwoch zu ermöglichen. Das hatte am Freitag auch schon Moskau verlangt, das die Schuld jedoch den Gegnern Assads gibt.

Bislang war es den Ermittlern, die sich bereits seit vergangenem Sonntag in Syrien aufhalten, mit Hinweis auf die andauernden Kämpfe verweigert worden, die getroffenen Bezirke zu besuchen. Das Team hatte nach langwierigen Verhandlungen der Vereinten Nationen mit der syrischen Regierung lediglich die Erlaubnis erhalten, drei Orte zu untersuchen, in denen zuvor Giftgas eingesetzt worden sein soll: Chan al-Asal in der Provinz Aleppo, Al-Ateibe in der Provinz Damaskus-Land und die Stadt Homs.

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