http://www.faz.net/-gpf-949w9

UN-Kriegsverbrechertribunal : Verurteilter General schluckt Gift und stirbt

  • Aktualisiert am

Bild: afp

Der vom UN-Kriegsverbrechertribunal zu 20 Jahren Haft verurteilte bosnisch-kroatische General Slobodan Praljak ist gestorben. Er hatte bei seiner Urteilsverlesung Gift geschluckt.

          Ein früherer Kommandeur bosnisch-kroatischer Truppen, der bei seiner Urteilsverlesung vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag Gift geschluckt hatte, ist tot. Slobodan Praljak sei gestorben, berichtete das kroatische Staatsfernsehen am Mittwoch. Auch das UN-Tribunal bestätigte den Tod am Mittwochabend. Der 72-Jährige hatte im Gerichtssaal aus einer kleinen Flasche oder einem Glas getrunken, in dem sich nach seinen Worten Gift befand. Das Gericht bestätigte in der Sitzung die im Mai 2013 verhängte Haftstrafe von 20 Jahren gegen Praljak.

          Der Angeklagte hatte am Mittwoch nach seiner Verurteilung gerufen: „Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher. Ich weise Ihr Urteil zurück.“ Dann hatte er die Flüssigkeit getrunken. Die Zuschauer konnten nicht sehen, ob der Angeklagte zusammenbrach. Daraufhin unterbrach der Vorsitzende Richter die Sitzung. Beim Gericht trafen Rettungskräfte ein, die zu dem Angeklagten gebracht wurden.

          Während des Bosnienkrieges (1992-1995) war Praljak Militärchef der bosnischen Kroaten. Mehr als Hunderttausend Menschen starben in dem Konflikt. Ihm wurden Kriegsverbrechen gegen die bosnisch-muslimische Bevölkerung in etwa 30 Gemeinden in Bosnien und Herzegowina vorgeworfen.

          Das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien hatte zuvor bereits in dem Berufungsverfahren die hohen Gefängnisstrafen für zwei weitere ehemals ranghohe Führer der bosnischen Kroaten bestätigt. Hauptangeklagter Jadranko Prlic (58), ehemaliger Regierungschef des damals selbst proklamierten Kleinstaates Herzeg-Bosna, wurde zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Es sollte das letzte Urteil des Tribunals sein, das nach 24 Jahren zum Jahresende seine Arbeit abschließt. Wann die Sitzung fortgesetzt werden sollte, war unklar.

          Das UN-Tribunal war das erste internationale Gericht für Urteile wegen Kriegsverbrechen in Europa nach 1945. Ex-Serbenführer Radovan Karadzic wurde 2008 an Den Haag ausgeliefert. 2016 wurde er unter anderem für den Völkermord von Srebrenica zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Der militärische Chef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, war 2011 gefasst worden. Gegen den Ex-General verhängten die Richter erst in der vergangenen Woche eine lebenslange Haftstrafe.

          Heute steht niemand mehr auf der Fahndungsliste des UN-Gerichts. Zu den 84 Verurteilten gehören die militärisch und politisch Verantwortlichen der schlimmsten Verbrechen.

          Weitere Themen

          EU-Staaten unterstützen Brexit-Kompromiss

          Umstrittener Deal : EU-Staaten unterstützen Brexit-Kompromiss

          EU-Chefunterhändler Michel Barnier bezeichnet den Kompromiss mit London als „fair und ausgewogen“. Der Deal vertrete die Interessen Großbritanniens. Auch Peter Altmaier spricht sich gegen Neuverhandlungen aus.

          Proteste gegen Korruption Video-Seite öffnen

          Haiti : Proteste gegen Korruption

          Hunderte Menschen sind am Sonntag in Port-au-Prince auf die Straße gegangen, zündeten Autos an und warfen Steine auf die Polizisten. Sie werfen der Regierung Korruption vor.

          Proteste gegen Migranten in Mexiko Video-Seite öffnen

          Tumulte in Tijuana : Proteste gegen Migranten in Mexiko

          Immer mehr Migranten strömen durch Mittelamerika Richtung Vereinigter Staaten. Doch auch in Mexiko sind viele der Flüchtlinge nicht willkommen. In der Grenzstadt Tiujana könnten die Proteste bald eskalieren.

          Topmeldungen

          Trotz des sportlichen Misserfolgs ist Joachim Löw weiter Bundestrainer.

          Krise der DFB-Elf : Weltmeister des Aussitzens

          Erst das WM-Debakel, dann der Abstieg in der Nations League: Doch beim DFB ist die Mission Postenverteidigung erfolgreich. Wie ist das nur möglich? Fünf Fragen und Antworten zur Lage der Fußballnation.
          Carlos Ghosn

          Verdacht der Veruntreuung : Renault-Nissan-Chef Ghosn festgenommen

          Er soll Firmengelder privat verwendet haben: Der schillernde Automanager Carlos Ghosn wurde in Japan festgenommen, ihm droht nun der Rauswurf. Mit den Aktienkursen geht es deutlich bergab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.