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Gewaltsame Proteste Französische Conti-Mitarbeiter reisen nach Hannover

22.04.2009 ·  Das Continental-Reifenwerk im nordfranzösischen Clairoix soll geschlossen werden. Aufgebrachte Arbeiter haben in der Anlage randaliert. Jetzt wollen sie mit einem Sonderzug nach Hannover reisen, um ihre deutschen Kollegen zu unterstützen.

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Die Proteste französischer Mitarbeiter des Reifenherstellers Continental gegen geplante Werksschließungen spitzen sich zu. Nachdem ein Gericht am Dienstag die Klage von Gewerkschaften gegen die Standortschließung in Clairoix abgewiesen hatte, stürmten wütende Arbeiter ein Verwaltungsgebäude. Hunderte Angestellte drangen in die Präfektur von Compiégne ein und verwüsteten Büros. Am Standort selbst wurden Scheiben eingeworfen.

Der Protest könnte sich auf Deutschland ausweiten: Mit einem Sonderzug will die Belegschaft am Donnerstag nach Hannover reisen, um gemeinsam mit den deutschen Kollegen gegen den Stellenabbau bei dem krisengebeutelten Autozulieferer zu demonstrieren.

Am Mittwoch blieb die Conti-Fabrik in Clairoix nördlich von Paris geschlossen, weil die Unternehmensführung weitere Ausschreitungen fürchtete. Das Werk mit 1.120 Beschäftigten soll wegen der anhaltenden Flaute im Reifengeschäft im kommenden Jahr dichtgemacht werden.

Selbst Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte deswegen Druck auf die deutsche Firma ausgeübt. Die Manager stünden „nicht über dem Gesetz“. Das Landgericht im ostfranzösischen Sarreguemines kam indes am Dienstag zu dem Urteil, dass das Ende für den Standort rechtens sei und Continental gegen keine Auflagen verstoßen habe. Wegen der gewaltsamen Proteste kündigte Premierminister Francois Fillon am Mittwoch juristische Schritte gegen die Demonstranten an. Die Belegschaft versammelte sich am Morgen abermals vor dem Werksgelände in Clairoix. Dabei sollten vor allem die Protestaktionen in Hannover vorbereitet werden.

Molex-Manager wieder frei

Indes hatten französische Arbeiter am Dienstagabend zwei Topmanager wieder freigelassen, die sie aus Protest gegen Werksschließungen als Geiseln genommen hatten. Der Durchbruch kam, nachdem der Gewerkschaftsführer Denis Parise vor ein Gericht vorgeladen wurde.

Das Unternehmen, eine Tochter der amerikanische Firma Molex Automotives, hatte Klage wegen Freiheitsberaubung eingereicht. Nach seinem Erscheinen vor Gericht verkündete Parise am Dienstag das Ende der Geiselnahme. Der Vizechef und der Personalchef des Unternehmen waren seit Montagnachmittag am Standort Villemur-sur-Tarn nördlich von Toulouse von rund 50 Mitarbeitern festgehalten worden. Die Manager hatten Verhandlungen abgelehnt.

Vizechef Marcus Kerriou erklärte nach seiner Freilassung, er sei erleichtert, aber erschöpft. Die Arbeiter buhten die Manager beim Verlassen des Fabrikgeländes aus. Die Elektronikfirma gab im Oktober bekannt, dass das Werk mit 300 Mitarbeitern Ende Juni geschlossen werden soll. Die Jobs sollen in die Vereinigten Staaten und nach China ausgelagert werden. Den Zorn der Belegschaft ruft zudem hervor, dass ein Werk in den Niederlanden hinter dem Rücken der Arbeitnehmervertreter die Aufgaben des französischen Standortes übernommen haben soll. Die Arbeiter fordern 100 Millionen Euro Schadensersatz und zusätzlich den gleichen Betrag, den Molex Automotives in das niederländische Werk investiert hat. Die Verwaltung des Departements Haute-Garonne bemüht sich um eine Schlichtung des Konfliktes.

„Bossnapping“, wie die Geiselnahme von Managern in Frankreich genannt wird, steht inzwischen auf der Tagesordnung. Seit März wurden aus Wut über Werksschließungen bereits Manager von sechs Unternehmen vorübergehend festgehalten. Erst am Montag hatte sich die Firma Caterpillar bereiterklärt, nach gewaltsamen Protesten weniger Stellen als geplant zu streichen. Arbeitgebervertreter fürchten, dadurch könnten die Mitarbeiter anderer Firmen zu drastischen Maßnahmen ermutigt werden. (Siehe auch: „Bossnapping“: Die „Revolution“ in den Betrieben)

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