Nach den schwersten Straßenkrawallen seit einem Vierteljahrhundert in London und anderen englischen Städten hat die Polizei erstmals den Einsatz von Plastikgeschossen gegen Randalierer erwogen. Der vorzeitig aus den Ferien heimgekehrte Premierminister Cameron drohte den meist jugendlichen Provokateuren und Plünderern an, sie würden „die volle Härte des Gesetzes spüren“. Wer alt genug sei, solche Taten zu begehen, sei auch alt genug, die Strafe dafür zu verbüßen.
In der Nacht zum Dienstag waren mehr als zwanzig Geschäftsstraßen in Londoner Wohnvierteln Schauplatz von Gewalt, Plünderungen und Brandstiftungen; in Enfield wurde ein Warenlager in Brand gesteckt, in Croydon brannte ein Möbelhaus. Dort entdeckte die Polizei während der Ausschreitungen auch einen durch Schusswunden Verletzten, der am Dienstag starb. Die Polizei meldete mehr als fünfzig verletzte Beamte und mehr als 500 Festnahmen; mehr als 100 Festgenommene seien angeklagt und inhaftiert worden. In Nottingham, Bristol, Liverpool und Birmingham kam es ebenfalls zu Ausschreitungen.
Alleine in Birmingham, wo eine Polizeiwache in Brand gesteckt wurde, nahm die Polizei 138 Personen fest. Der Londoner Bürgermeister Johnson wollte soziale oder wirtschaftliche Rechtfertigungen nicht als Gründe für die Gewalt gelten lassen. Auch Johnson, der wie Cameron der Konservativen Partei angehört, drohte den Plünderern und Angreifern, sie würden „einer Bestrafung entgegensehen, die sie bitter, bitter bedauern werden“.
Die Londoner Polizei, die in der Nacht auf Dienstag rund 6000 Polizisten in Bereitschaft hatte, teilte mit, sie wolle ihre Kräfte um weitere 10.000 Mann verstärken. Die Krawalle der Dienstagnacht hatten schon in den Nachmittagsstunden des Montags in Hackney im Osten London ihren Anfang genommen, wo sich Gruppen junger Leute eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferten. Später breitete sich die Gewalt in viele Stadtteile aus, selbst aus dem bürgerlichen Viertel Notting Hill wurden Ausschreitungen gemeldet. Innenministerin May verteidigte die Polizeiarbeit. „In Großbritannien halten wir niemanden mit Wasserwerfern zurück“, sagte sie im Fernsehen. Vielmehr setze sie auf die Mitarbeit der Menschen vor Ort. (Siehe auch: Portrait: Innenministerin May - hilflos im Krawallfeuer)
Cameron bemühte sich am Dienstag, die Ausschreitungen nicht als Reaktion auf die Sparpolitik gewertet zu sehen. Er berief für diesen Donnerstag eine Sitzung des Unterhauses ein, die es den Parlamentariern ermöglichen solle, „gemeinsam diese Verbrechen zu verurteilen und gemeinsam ihre Entschlossenheit zu zeigen, die betroffenen Viertel wieder aufzubauen“.
Die Londoner Polizei forderte Eltern in der britischen Hauptstadt auf, ihre Kinder in der Nacht auf (den morgigen) Mittwoch zu Hause zu behalten. Das gab der amtierende Londoner Polizeichef am Dienstag bekannt. Pläne, die Streitkräfte zur Beilegung der Ausschreitungen hinzuzuziehen, gebe es bislang nicht, hieß es weiter.
Reisehinweis für Großbritannien
Als vorbeugende Maßnahme gegen weitere Ausschreitungen wurde der im Osten Londons ansässige Fußballverein West Ham United von Scotland Yard gebeten, sein Spiel gegen Aldershot zu verschieben. Auch der Fußballclub Charlton im Süden Londons teilte mit, sein Spiel gegen Reading sei aus „Sicherheitsgründen“ abgesagt worden. Auch das Länderspiel England gegen Holland fällt aus. Das Freundschaftsspiel sollte am Mittwochabend im Wembley-Stadion stattfinden.
Das Auswärtige Amt in Berlin änderte derweil seine Reisehinweise für Großbritannien. Reisenden wird seit Dienstag geraten, besondere Vorsicht walten zu lassen und sich „bei Anzeichen von Ausschreitungen zurückzuziehen“. Insbesondere nachts sollten unbekannte Gegenden und bestimmte Viertel in der britischen Hauptstadt gemieden werden.
Gewalttätige Kinder zwischen 10 und 14 Jahren
Plündernde und brandschatzende Banden, die in der Nacht zum Sonntag im Nordlondoner Stadtteil Tottenham die Randale begonnen hatten, waren schon in der Nacht zum Montag in weitere Stadtteile weitergezogen. Auch Gruppen gewalttätiger Kinder zwischen 10 und 14 Jahren waren unterwegs. Vizepremierminister Nick Clegg sagte, die Randalierer seien „opportunistische Kriminelle“.
Die Krawalle hatten in der Nacht zum Sonntag im Problemviertel Tottenham begonnen. Zwei Tage zuvor war dort der 29 Jahre alte Mark Duggan von einem Polizisten erschossen worden. Unklar war, ob der farbige Familienvater, der der Banden- und Drogenszene zugerechnet wird, das Feuer eröffnet hatte. Ergebnisse ballistischer Tests sollen am Dienstag veröffentlicht werden.
Randalierer hatten daraufhin in Tottenham Büros, Wohnungen, Supermärkte, Polizeiautos und einen Doppeldecker-Bus in Brand gesetzt und Geschäfte ausgeplündert. Von einigen Häusern blieben nur die Grundmauern übrig. Die Sachschäden an Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen gehen in den mehrstelligen Millionenbereich.
was denn wenn der Euro weiter an Wert verliert ??
Jim Greek (Jos_Vik)
- 09.08.2011, 21:01 Uhr
Der englische Fruehling?
fritz Teich (fazfazfaz123)
- 09.08.2011, 20:26 Uhr
Zeichen setzen: Höhere Steuern für Reiche und Unternehmen
Friedrich Kannitverstan (friedrich_ka)
- 09.08.2011, 19:21 Uhr
Krawalle in London
Burkhard Henze (burkhard60)
- 09.08.2011, 18:13 Uhr
Politisch motivierte Unruhen oder pure Lust auf Randale?
Michael Kaas (unentschieden)
- 09.08.2011, 16:59 Uhr
