Der iranische Revolutionsführer Chamenei hat dem irakischen Staatspräsidenten Talabani Hilfen zur Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilität zugesagt, sollte die irakische Regierung Iran darum bitten. Iran werde seinen Einfluß auf die irakischen Schiiten nutzen, die Gewalt im Irak einzudämmen, sagte Chamenei laut Angaben des staatlichen iranischen Fernsehens. Während des Treffens mit Talabani machte Chamenei die Vereinigten Staaten für die Eskalation der Gewalt im Irak verantwortlich.
Er beschuldigte „amerikanische Agenten“, mit ihrer Unterstützung für einzelne Terrorgruppen und frühere Offiziere des Baath-Regimes die Welle der Gewalt erst ausgelöst zu haben. Ihr Ziel sei die Destabilisierung der Region. Der Irak werde zur Ruhe kommen, sobald die amerikanischen Besatzungstruppen das Land verlassen haben, sagte Chamenei. Die Vereinigten Staaten werfen ihrerseits Teheran vor, mit Geld, Waffen und Ausbildung die schiitischen Milizen im Irak zu unterstützen. Die iranische Führung weist dies entschieden von sich.
„Umfassende Hilfe Irans“
Talabani war am Monat abend zu einem dreitägigen Besuch in Teheran eingetroffen, nachdem sein Abflug wegen der Sperrung des Flughafens in Bagdad zweimal verschoben worden war. Bereits vor einem Jahr hatte Talabani erstmals als Staatsoberhaupt Teheran besucht. Die Sicherheitslage im Irak hat sich seither dramatisch verschlechtert. Im Mittelpunkt steht daher der iranische Beitrag zur Eindämmung des Bürgerkriegs im Irak.
Bei seiner Ankunft in Teheran hatte Talabani gesagt, der Irak benötige bei der Bekämpfung des Terrors und der Stabilisierung des Landes die „umfassende Hilfe Irans“. Talabani war bereits als Kurdenführer während der Diktatur von Saddam Hussein von Iran unterstützt worden. Daneben bespricht Talabani auch den Bau einer Erdölleitung zwischen der südirakischen Stadt Basra und Abadan, dem Zentrum der iranischen Raffinerien. Ihn begleiten die Minister für Äußeres, Erdöl, Industrie und Technologie.
Ahmadineschad fordert Truppenabzug
Auch der iranische Präsident Ahmadineschad sicherte Talabani zu, „alles, was in der Macht Irans“ stehe zu tun, um im Irak Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen. Er werde in „guten und schlechten Zeiten“ an der Seite des Irak stehen, versicherte Ahmadineschad. Der iranische Präsident bot den Vereinigten Staaten die Hilfe Teherans an, um aus dem „Sumpf“ zu kommen, in dem sich die amerikanische Besatzungsarmee im Irak befinde. Damit ging er auf die Diskussion im Westen ein, ob Washington und London in Gespräche mit Teheran und Damaskus zur Stabilisierung des Irak eintreten sollten. Als Bedingung nannte Ahmadineschad, die Amerikaner und Briten müßten sich aus dem Irak zurückziehen.
Das Herz jedes Muslims blute bei dem Anblick dessen, was „die Feinde“ im Irak geschaffen hätten, sagte Ahmadineschad nach dem Treffen mit Talabani. Ein sicherer und stabiler Irak sei zum Vorteil beiden Länder, aber auch der gesamten Region. Konkrete Maßnahmen, mit denen Teheran Bagdad beistehen wolle, nannte aber auch Ahmadineschad nicht.
Iranische Hilfe gegen Sicherheitsgarantien?
Unmittelbar vor der Ankunft Talabanis hatte Ahmadineschad erklärt, die Amerikaner seien im Irak in einer Falle getappt. Sollte Washington sein „Angriffsverhalten“ gegen Iran aufgeben, würde sich die Islamische Republik bei der Suche nach einem Weg aus dem „Schlamassel“ beteiligen. Als Gegenleistung erwartet Teheran anscheinend Sicherheitsgarantien für die Islamische Republik sowie die Anerkennung des iranischen Einflusses im Irak und die Hegemonie über den Golf.
Ein führendes Mitglied von Talabanis „Patriotischer Union Kurdistans“ erklärte in Bagdad, der Besuch Talabanis in Iran werde zwar für den Irak nützlich sein. Entscheidendes werde jedoch von den Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Iran abhängen, sagte Mahmud Othman. Bei den sunnitischen Nachbarstaaten dürfte es kaum auf Gegenliebe stoßen, sollte Washington Teheran eine Verantwortung im Irak übertragen.
Besondere Bedeutung kommt daher dem Treffen der Außenminister dieser Nachbarstaaten am 5. Dezember in Kairo zu. Ferner wird der amerikanische Vizepräsident am Samstag in Riad mit dem saudischen König Abdullah konferieren. Bereits am Mittwoch soll es zu einem Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Bush und dem irakischen Ministerpräsidenten Maliki kommen.
Mit allen Mitteln
C. B. Sturm (CBest)
- 28.11.2006, 20:36 Uhr
Iran wird eingeladen
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 28.11.2006, 23:15 Uhr
