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Gewalt gegen Nato-Treffen Gipfel-Gegner stecken Hotel in Brand

05.04.2009 ·  Beim Nato-Gipfel in Straßburg kam es wieder zu gewaltsamen Protesten: Randalierer legten Feuer in mehreren Gebäuden, darunter in einem Hotel und in einem alten Zollhaus. Die Polizei bekämpft den Mob mit Tränengas und Gummigeschossen.

Von Rüdiger Soldt, Kehl
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Am Rand des Nato-Gipfels ist es am Samstag zu schweren Krawallen zwischen der französischen Polizei und etwa 1000 militanten Nato-Gegnern gekommen - die laut Aussagen der Polizei „extrem gewaltbereit“ waren. Sie warfen Brandsätze in mehrere Gebäude. In einem Hotel in Straßburg brach daraufhin ein Feuer aus. Die erste Etage des Hotels brannte völlig aus, Flammen schlugen aus den übrigen Stockwerken. Das fünfstöckige Haus in der Nähe der Rheinbrücke sei wegen des Nato-Gipfels geschlossen gewesen, hieß es zunächst. Nach anderen - bislang unbestätigten Informationen - soll das Hotel von acht Personen bewohnt gewesen sein, die aber zum Zeitpunkt der Krawalle vermutlich nicht im Haus waren. Ob es Verletzte gab, war am Abend noch unbekannt. Augenzeugen sahen aber keine Krankenwagen an den Brandstellen.

Ein französischer Polizeibeamter, der das Hotel während der Löscharbeiten sicherte, sagte: „Das ist kein Zufall, dass die das Hotel in Brand gesteckt haben. Die dachten, dass hier Polizisten untergebracht sind“. Offiziell wollten sich die Behörden nicht dazu äußern, ob im Gebäude Sicherheitskräfte untergebracht waren.

Nach der Besetzung und nach Blockaden von zwei Plätzen in der Straßburger Innenstadt verlagerten sich die Auseinandersetzungen schnell an das Rheinufer Straßburgs und in das dortige Hafengebiet. Mit Brandsätzen steckten die Demonstranten außer dem Hotel auch ein altes Zollhäuschen an der Straße in die Straßburger Innenstadt in Brand, eine Apotheke und schließlich einen Industrieschuppen. Pechschwarze Rauchsäulen schraubten sich stundenlang in den Himmel. Bei einer Spedition haben militante Demonstranten die Front aufgebrochen und Holzpaletten als Barrikaden verwendet. Zudem schoben sie dort einen Güterwagen auf die Straße.

Die französische Polizei hatte über viele Stunden Probleme, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Sie verzichtete aber offenbar darauf, Polizeikräfte aus Deutschland anzufordern. Allerdings halfen die Deutschen beim Löschen. Die baden-württembergische Feuerwehr hat drei Löschzüge nach Frankreich geschickt. Und zwei Wasserwerfer der deutschen Polizei fuhren über die Europabrücke, um das Feuer in dem ehemaligen Zollhaus zu löschen. Im Gegenzug brachte die französische Feuerwehr verletzte Passanten nach Deutschland. Die Brücke ist etwa fünf Kilometer von dem Ort entfernt, an dem die Nato-Staats- und Regierungschefs tagten.

Vier verschiedene Brandherde

Die Feuerwehr war im Großeinsatz, um die verschiedenen Brandherde zu löschen. Gegen 16.15 Uhr hatten die Einsatzkräfte die ersten drei Brandherde weitgehend unter Kontrolle. Gegen 17 Uhr gelang es den militanten Nato-Gegnern, ein viertes Feuer zu legen. Den „Schwarzen Block“ aus dem Demonstrationszug konnte die französische Polizei über mehrere Stunden nicht von immer neuen Gewalttaten abhalten. Nach Angaben eines Helfers vor Ort wurden etwa 50 Personen verletzt. Erst gegen 18.00 Uhr hatte die französische Polizei die Lage im Hafengebiet wieder unter Kontrolle.

Am späten Nachmittag gelang es der französischen Polizei zwar, die Demonstranten in einem Straßenzug festzusetzen. Sie setzten Tränengas ein, bekamen die Situation aber nur schwer in den Griff, weil die Vermummten Steine aus einem Bahndamm wühlten und diese als Wurfgeschosse einsetzten. Weil unter den Demonstranten auch zahlreiche unbeteiligte Zivilisten waren, konnte die Polizei nur in begrenztem Umfang Tränengas einsetzen.

Wegen der schweren Ausschreitungen riegelte die deutsche Polizei die Grenze ab. Die Rheinbrücke zwischen Kehl und Straßburg wurde mit Sperrgittern abgeriegelt. Sie bleibt auch über Nacht gesperrt.

Auf deutscher Seite blieb es weitgehend ruhig: Hier protestierten etwa 6000 Teilnehmer friedlich gegen das in Straßburg tagende Militärbündnis. Die Polizei hinderte die Demonstranten allerdings mit mehreren Hundertschaften daran, auf die gesperrte Europabrücke zu marschieren. Eine kleine Delegation wurde schließlich nach Frankreich durchgelassen, in der Hoffnung, dort die Lage zu deeskalieren.

Wasserwerfer setzte die Polizei auf deutscher Seite nicht ein, sie halfen aber, die Europabrücke in beiden Richtungen zu sperren. 25 Demonstranten, die Baseballschläger und Stöcke bei sich trugen, seien am Morgen festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Nach Angaben der Nato-Gegner wurden einige Demonstranten durch Gummigeschosse verletzt.

13 Personen aus dem Fluss gefischt

Kurz vor dem zentralen Festakt auf einer Rheinbrücke zwischen Kehl und Straßburg waren am Samstag eineinhalb Kilometer entfernt 13 Personen von der Polizei aus dem Fluss gefischt und in Gewahrsam genommen worden, wie ein Polizeisprecher sagte. Es handelte sich um Schwimmer und Taucher, die gegen den Gipfel protestieren wollten.

Das Gipfeltreffen wurde mit einem massiven Polizeiaufgebot gesichert. Auf beiden Seiten des Rheins waren insgesamt 24.000 Polizisten im Einsatz. Auf dem Fluss patrouillierten Polizeiboote. Aus der Luft wurde die Grenzregion mit Hubschraubern überwacht.

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Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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