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Gescheiterter Anschlag Ein Musterschüler mit fundamentalistischen Neigungen

28.12.2009 ·  Der aus Nigeria stammende Attentäter Abdulmutallab soll seine Tat nicht alleine geplant haben. Nach dem gescheiterten Anschlag auf ein amerikanisches Flugzeug kritisieren die Republikaner das Krisenmanagement von Präsident Obama.

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Der aus Nigeria stammende mutmaßliche Bombenattentäter Umar Faruk Abdulmutallab hat nach Vermutungen des britischen Innenministers Johnson seine Tat nicht alleine geplant. Johnson sagte am Montag im britischen Rundfunk, die britischen Sicherheitsbehörden prüften derzeit, ob Abdulmutallab während seiner Studienzeit am Londoner University College „radikalisiert“ worden sei.

Mehrere britische Zeitungen berichteten am Montag unter Berufung auf einen früheren britischen Lehrer des Attentäters, dass Abdulmutallab schon als Schüler zu fundamentalistischen muslimischen Ansichten geneigt habe. Der Lehrer unterrichtete an einem Internat in Lomé, der Hauptstadt Togos, das Abdulmutallab besuchte. Er begleitete dessen Klasse auf einer Klassenfahrt nach Großbritannien und berichtete, er erinnere sich an eine Debatte nach dem Al-Qaida-Bombenanschlag auf Amerika am 11. September, in der alle Schüler sich entsetzt gezeigt hätten über die Tat, Abdulmutallab hingegen Verständnis für die Attentäter gezeigt habe. Abgesehen von dieser Tendenz sei Abdulmutallab allerdings ein Musterschüler gewesen.

Der britische Innenminister bestätigte am Montag auch, Abdulmutallab sei im Mai diesen Jahres durch seinen fehlgeschlagenen Versuch, ein neues Einreisevisum nach Großbritannien zu erhalten, auf eine „schwarze Liste“ gelangt. Ihm war im Frühjahr die Einreise verweigert worden, weil das College, das er als neuen Studienort angegeben hatte, über einen zweifelhaften Ruf verfügt.

Johnson sagte, die Liste, auf der Abdulmutallab eingetragen worden sei, sei keine Liste von spezifischen „Terrorverdächtigen“. Trotzdem müsse geklärt werden, warum die Informationen über die britische Einreiseverweigerung nicht sogleich an amerikanische Behörden weitergegeben worden seien; da üblicherweise aufgrund der „engen Zusammenarbeit“ die Amerikaner auch in den Besitz solcher, weniger brisanter Sicherheitsinformationen gelangten.

Republikaner kritisieren Obamas Krisen-Management

Nach dem gescheiterten Anschlag auf ein amerikanisches Passagierflugzeug haben die oppositionellen Republikaner die Sicherheitsstandards bei Flugreisen und das Krisenmanagement der Regierung kritisiert. Es sei „erstaunlich“, dass trotz Warnhinweisen jemand wie der 23 Jahre alte Abdulmutallab ein Flugzeug in die Vereinigten Staaten besteigen konnte, sagte der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, dem Sender ABC.

Der republikanische Abgeordnete Peter King kündigte eine Untersuchung des Kongresses an, die klären soll, warum Abdulmutallab in die Vereinigten Staaten reisen durfte, obwohl sein Name auf einer Beobachtungsliste stand und sein Vater die Behörden vor ihm gewarnt hatte. Das bisherige Sicherheitssystem funktioniere nicht, sagte King. „Wir müssen uns der Realität stellen, dass wir in einer gefährlichen Welt leben, in der islamische Terroristen uns töten wollen.“

Heimatschutzministerin: „Das System hat funktioniert“

King forderte Präsident Obama dazu auf, sich wegen des Vorfalls persönlich an die Bürger zu wenden. „In den letzten fast 48 Stunden hätte jemand zum amerikanischen Volk sprechen und die Welt wissen lassen müssen, dass wir mit der Sache fertig werden“, sagte King. Obama weilt derzeit in den Weihnachtsferien auf Hawai und hat sich bisher lediglich über seine Sprecher geäußert.

Der Präsident ordnete am Sonntag an zu überprüfen, wie Datenbanken mit Terrorverdächtigen zusammengestellt und für Sicherheitskontrollen verwendet werden. Abdulmutallab, der am ersten Weihnachtsfeiertag beinahe einen voll besetzten Airbus in die Luft gesprengt hätte, befand sich zwar auf einer allgemeinen Beobachtungsliste. Dadurch werde aber niemand automatisch näher überprüft, sagte Regierungssprecher Robert Gibbs am Sonntag. Der Präsident wolle zudem wissen, wie eine Person mit Sprengstoff in Amsterdam an Bord eines Flugzeuges kommen und in die Vereinigten Staaten fliegen könne, sagte Gibbs. Obama werde auch an seinem Urlaubsort fortlaufend unterrichtet.

Von dort ließ er zudem davor warnen, den Vorfall parteipolitisch auszuschlachten. „Der Präsident ist der festen Überzeugung, dass die Angelegenheit eine überparteiliche ist“, sagte Gibbs dem Sender NBC. Obamas Sprecher Bill Burton sagte auf Hawaii: „Wir müssen ... die Einheit wiederfinden, die wir nach dem 11. September hatten.“

Die amerikanische Heimatschutzministerin Janet Napolitano wiegelte im Fernsehsender CNN die Vorwürfe teilweise ab. „Das System hat funktioniert“, sagte sie. Das Flugpersonal habe schnell und angemessen reagiert. Abdulmutallab „war eine einzelne Person ... und er wurde gestoppt, bevor er etwas anrichten konnte“. Auf die Frage der Moderatorin, warum Abdulmutallab trotz Warnungen seines Vaters nicht vom Besteigen des Flugzeugs abgehalten worden war, sagte Napolitano: „Man braucht genauere Informationen, um jemanden tatsächlich am Fliegen zu hindern.“

Flug bar bezahlt und keine Tasche aufgegeben

Gleichwohl bleibt rätselhaft, warum Abdulmutallab, der am Freitag die Insassen einer Delta-Maschine in Angst und Schrecken versetzt hatte, von den vernetzten Computern der Behörden nicht als verdächtig erkannt wurde. Nach Informationen der Fernsehsender BBC und CNN hat die amerikanische Botschaft in Nigeria nach der Warnung des Vaters zwar eine Akte über Abdulmutallab angelegt und dessen Namen in die allgemeine Beobachtungsliste (Terrorist Identities Datamart Environment) aufgenommen, die mehr als 500.000 Verdächtige führt. Er wurde jedoch nicht auf eine kleinere Liste mit Terrorverdächtigen (Terrorist Screening Data Base) gesetzt, die von internationalen Fluggesellschaften nicht befördert werden dürfen. Die „New York Times“ berichtet zudem, Abdulmutallab habe den Flug bar bezahlt und kein Gepäckstück aufgegeben - zwei Umstände, die in der Regel schon für sich allein genommen die Sicherheitsbehörden aufhorchen lassen.

Abdulmutallab wurde inzwischen in ein Bundesgefängnis verlegt. Nach der Behandlung seiner Brandverletzungen in einem Krankenhaus in Ann Arbor nahe Detroit sei er in das rund 15 Kilometer südlich gelegene Gefängnis von Milan gebracht worden, sagte seine Anwältin. Als Konsequenz aus dem Vorfall wurden die Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen in aller Welt und in Flugzeugen verschärft. (Siehe auch: Einschränkungen für höhere Sicherheit auf Amerika-Flügen)

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