http://www.faz.net/-gpf-9bg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 13.06.2009, 14:57 Uhr

Gentechnik Die Bauern und die Detektive

Der amerikanische Agrokonzern Monsanto beherrscht den Markt für gentechnisch verändertes Saatgut. Doch das Unternehmen aus St. Louis verändert auch das Erbgut der Landwirtschaft. Die Bauern sind Abhängige.

von
© Roland Lindner Besuch von den Herren mit Hüten: Troy Roush vor seiner Farm in Van Buren in Indiana

Der Besuch kam ohne Vorwarnung, und die schwarze Visitenkarte hätte David Runyon gleich misstrauisch machen müssen. Es war ein Abend im Juli vor fünf Jahren, als ein dunkler Geländewagen auf dem Grundstück des Bauern in einem entlegenen Fleck des amerikanischen Bundesstaats Indiana auftauchte. Zwei Männer mit Anzug und Krawatte stiegen aus und klopften an die Tür. Junge Typen Anfang bis Mitte dreißig, einer von ihnen ein bulliger 1,90-Meter-Hüne, erinnert sich Runyon.

Roland Lindner Folgen:

Dass die Männer Detektive im Auftrag des amerikanischen Agrokonzerns Monsanto waren, sollte ihm erst später klar werden. Der Große der beiden stellte Fragen über die Farm, und Runyon dachte erst, das müssen wohl Marktforscher sein, die eine Umfrage machen. Als der Mann dann aber Belege über Runyons Geschäfte sehen wollte, dämmerte dem Bauern, dass sich da etwas zusammenbraut. Er verweigerte jede Auskunft und schickte die Männer weg. Aber er ahnte schon, dass er fortan keine Ruhe mehr haben würde.

Mehr zum Thema

Männer mit Hüten

Die Visitenkarte der Besucher hat Runyon aufgehoben: Darauf sind vor einem tiefschwarzen Hintergrund graue Silhouetten von Männern mit Hüten zu sehen, am unteren Rand steht der Firmenname „McDowell & Associates“ - die Stammdetektei von Monsanto.

2 © Roland Lindner Vergrößern David Runyon vermutet, dass ihn ein Nachbar denunzierte

An diesem Juli-Abend begann für Bauer Runyon der Kampf mit Monsanto. Der Konzern verdächtigte den Farmer, patentrechtlich geschütztes Saatgut illegal einzusetzen. Der 52 Jahre alte Runyon ist mit seiner Geschichte nicht allein. Immer wieder geraten amerikanische Bauern ins Visier von Monsanto, wenn das Unternehmen Verletzungen seiner Patente vermutet. Manche dieser Geschichten hören sich an wie Krimis, die Detektive von Mc-Dowell und andere Monsanto-Helfer haben in der Branche den Spitznamen „Seed Police“ - „Saatgutpolizei“. Das hat Monsanto ein miserables Image eingetragen: das Bild des hässlichen Großkonzerns, der seinen eigenen Kunden den Krieg erklärt.

Knebelverträge und ruppige Methoden

Monsanto ist Kritik gewöhnt, schon deshalb, weil es den Markt für gentechnisch verändertes Saatgut weltweit dominiert. Debatten über „grüne Gentechnik“ sind deshalb auch Debatten über Monsanto. Als Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner (CSU) im April den Anbau der genmodifizierten Maissorte „Mon 810“ von Monsanto verbot, wurden Marienkäfer und andere Tierchen ins Feld geführt, um das Verbot zu erklären. Das Verbot solle keine Grundsatzentscheidung sein, hieß es. Eine Grundsatzdiskussion gab es trotzdem. Kritiker werfen der Ministerin Innovationsfeindlichkeit vor. Doch es könnte auch sein, dass es gar nicht um Mon 810 ging, sondern um Monsanto.

Monsanto verändert nicht nur die Gene des Saatguts. Es verändert das Erbgut der Landwirtschaft. Die Bauern fühlen sich von Knebelverträgen unterdrückt, mit denen Monsanto die Einhaltung von Patenten auf sein Saatgut sicherstellen will. Sie werfen dem Unternehmen vor, eherne Traditionen auszuhebeln, weil ihnen in den Verträgen verboten wird, geerntetes Saatgut für die nächste Saison aufzubewahren, so wie dies seit Urzeiten in der Landwirtschaft üblich ist. Und sie klagen darüber, dass der Agrokonzern zu ruppigen Methoden greift, um vermeintliche Verletzungen seiner Patentrechte zu verfolgen - wie im Fall von Bauer Runyon.

Klage von Monsanto

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Gabriel zeigt Schulz, wie Wahlkampf geht

Von Günter Bannas

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel schlägt in Sachen Türkei harte Töne an – auch gegen die Position der Regierung. Damit düpiert er seinen Kanzlerkandidaten. Mehr 33 27