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Genforschung : Britische Forscher dürfen geklonte Embryonen erzeugen

  • Aktualisiert am

Die Injektion einer Zelle - ein Schritt auf dem Weg zum Klonen Bild: dpa/dpaweb

Die britischen Behörden haben Wissenschaftlern das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken erlaubt. Es ist die erste Genehmigung dieser Art in Europa.

          Stammzellforschern in Großbritannien ist die erste Genehmigung in Europa zum therapeutischen Klonen am Menschen erteilt worden. Wie die zuständige britische Behörde, die Human Fertilisation and Embryology Authority, am Mittwoch bekanntgab, wurde einem im Mai gestellten Antrag von Forschern des "Centre for Life" der Universität Newcastle nun stattgegeben. Ziel der Wissenschaftler ist es, Grundlagenforschung über das Klonen mit menschlichen Zellen zu betreiben, um einer späteren Zucht von Ersatzgewebe den Weg zu bereiten. Die Chancen für ein auf der ganzen Welt gültiges Verbot aller Formen des Klonens, wie es die amerikanische Regierung und in Deutschland die Union und die Grünen fordern, schwinden damit weiter.

          Die Genehmigung in Großbritannien macht zudem die Uneinigkeit in Europa in Fragen der Embryonenforschung sichtbar: In Deutschland ist das therapeutische Klonen gesetzlich verboten. In Großbritannien ist seit 2001 nur das Klonen zur Erzeugung von Kindern verboten, aber nicht die medizinische Anwendung der Klontechnik. Dasselbe gilt für Schweden. Bisher waren aber konkrete Forschungsarbeiten in diesem ethisch höchst umstrittenen Feld nur von einer Firma in Amerika und einer universitären Forschergruppe in Südkorea bekanntgeworden.

          Kampf gegen Parkinson und Multiple Sklerose

          Die zunächst auf ein Jahr begrenzte britische Genehmigung stellt den Einstieg in die Klonforschung am Menschen in Europa dar. Südkoreanische Wissenschaftler um den Veterinärmediziner Hwang Woo Suk haben allerdings einen deutlichen Vorsprung: Schon im Februar haben sie bekanntgegeben, daß sie embryonale Stammzellen mittels des Klonverfahrens gewonnen haben. Die Forscher aus Newcastle um den Genetiker Tom Strachan und die Reproduktionsmedizinerin Alison Murdoch wollen diese Versuche nun nachholen, analysieren und erweitern.

          Stammzellen sind besondere Zellen des Körpers, die dem Aufbau und der Regeneration verschiedenster Körperteile dienen. Sie sollen in Zukunft vermehrt in der Medizin zur Zucht von Ersatzgewebe und zur Therapie bislang unheilbarer Krankheiten wie Parkinson und Multiple Sklerose eingesetzt werden. Das Klonen stellt einen von mehreren Wegen dar, aus Stammzellen Ersatzgewebe zu züchten. Üblich ist es bereits, Stammzellen aus dem Körper Erwachsener oder aus Embryonen, die bei künstlichen Befruchtungen übrigbleiben, für die Gewebezucht zu nutzen.

          Zur Gewebezucht erzeugt und getötet

          Beim therapeutischen Klonen werden menschliche Embryonen dagegen eigens mit Hilfe einer weiblichen Eizelle und des Erbguts des Patienten erzeugt. Anschließend wird der Klonembryo zerpflückt, um seine Stammzellen zu entnehmen. Da Patient und geklonte embryonale Stammzellen genetisch identisch sind, hofft man, daß Abstoßungsreaktionen des Immunsystems ausbleiben, was als wichtiger Vorteil des Klonverfahrens gilt.

          Gegner des Verfahrens kritisieren, daß menschliches Leben eigens zur Gewebezucht erzeugt und getötet wird. Auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, hat sich gegen das therapeutische Klonen ausgesprochen.

          Das "Newcastle Centre for Life" ist eines der wenigen Forschungszentren, die sich an dieses Verfahren wagen wollen. Das Zentrum wurde 1996 gegründet und vereint Genetiker, Reproduktionsmediziner und Stammzellforscher unter einem Dach. Weibliche Eizellen, die für Klonversuche am Menschen in größerer Zahl nötig sind, sollen von Patientinnen aus der Klinik für künstliche Befruchtung des Zentrums kommen. Im Herbst sollen bei den Vereinten Nationen die Verhandlungen über ein weltweit gültiges Klonverbot wiederaufgenommen werden. In den Vorjahren waren zwei Anläufe gescheitert, da zahlreiche Länder, darunter China, Singapur, Großbritannien und Schweden, eine Ächtung des therapeutischen Klonens ablehnen.

          Quelle: csl. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2004, Nr. 186 / Seite 1

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