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Geiselnahme Irak Für die „ungläubige Regierung“ gearbeitet

28.01.2006 ·  Die Entführer der zwei im Irak verschleppten Deutschen fordern nach Medienberichten die Freilassung von Frauen aus irakischen Gefängnissen und den Rückzug der deutschen Botschaft. Die Bundesregierung wollte sich dazu bislang nicht äußern.

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Die Entführer der beiden deutschen Ingenieure im Irak haben nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ weitreichende politische Forderungen gestellt. Berlin solle die Zusammenarbeit mit Bagdad einstellen.

Außerdem müßten in irakischen Gefängnissen einsitzende Frauen freigelassen werden, heißt es nach Angaben des „Spiegel“ in dem Bekenner-Video der Gruppe Ansar el Tawhid wal Sunna (Anhänger der göttlichen Einmaligkeit und der Sunna).

„Zwei ungläubige Ingenieure“

Die von einem der Entführer verlesenen Forderungen lauteten „Botschaft sofort aus dem Irak zurückziehen“ und „Kooperation mit der abtrünnigen irakischen Regierung einstellen“. Die Entführten werden auf dem Video als „zwei ungläubige Ingenieure“ bezeichnet, die für die „ungläubige Regierung“ in Bagdad gearbeitet hätten.

Drei Tage nach der Entführung hatte der arabische Nachrichtensender Al Dschazira am Freitag das Video ausgestrahlt, auf dem die beiden Männer am Boden kauernd mit vier bewaffneten, vermummten Geiselnehmern zu sehen sind. Der Ton war von Al Dschazira jedoch nicht mit ausgestrahlt worden.

Steinmeier: „Leider keine neuen Einzelheiten“

Der Krisenstab trat am Samstag erneut im Auswärtigen Amt in Berlin zusammen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte kurz vor der Sitzung, daß die deutschen Stellen „unermüdlich dabei sind, Leben und Gesundheit der Geiseln zu schützen, um sie baldmöglichst wieder in Freiheit zu sehen“. Darüber hinaus gebe es „leider keine neuen Einzelheiten“.

Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte, die Bundesregierung sei sich einig, „daß wir zu allem, was im Zusammenhang mit dem Wort Lösegeld steht, nicht Stellung nehmen“. „Diejenigen, die die Verantwortung tragen, müssen den Mund halten“, sagte Schäuble der „Welt am Sonntag“.

„Geiseln unverzüglich freilassen“

Der irakische Sunniten-Führer Adnan Dulaimi rief seine Glaubensbrüder zur Freilassung der beiden Deutschen auf. Der Vorsitzende des Irakischen Volksrates sagte in Bagdad, er setze sich sowohl für die Freilassung der vor vier Tagen entführten deutschen Ingenieure der sächsischen Anlagenbau-Firma Cryotec als auch für die Freilassung der amerikanischen Journalistin Jill C. ein, die bereits vor drei Wochen verschleppt worden war.

„Ich bitte Gott, daß er das Herz der Entführer gnädig stimmt“, sagte Dulaimi. Die Kidnapper sollten ihre Geiseln „unverzüglich“ freilassen.

„Im ausreichenden Maß versichert“

Cryotec-Geschäftsführer Peter Bienert sagte der Zeitschrift „Focus“, sein Unternehmen werde das Engagement im Irak auch nach der Entführung nicht abbrechen. „Wir werden sicherlich im Irak präsent bleiben“, sagte Bienert. Die Sicherheitsmaßnahmen seien allerdings „selbstverständlich neu zu überdenken“.

Bienert erklärte, René B. und Thomas N. seien bei ihrem Arbeitseinsatz in Baidschi „aus unserer Sicht im ausreichenden Maß versichert“ gewesen. Einzelheiten zu der Art der Versicherung wollte der Cryotec-Chef nicht nennen.

„Mitglieder der Baath-Partei“

Die beiden Mitarbeiter der Firma bei Leipzig waren am Dienstagmorgen in der Industrieregion um Baidschi entführt worden, die als eine der gefährlichsten Regionen im Irak gilt. Am Freitag hatte es mit dem auf Al Dschazira ausgestrahlten Video ein erstes Lebenszeichen von ihnen gegeben.

Deutsche Sicherheitskräfte gehen nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters davon aus, daß wahrscheinlich Anhänger des gestürzten irakischen Staatschefs Saddam Hussein hinter der Tat stecken. „Wir vermuten, sie sind eher Baathisten“, also Mitglieder von Saddams früherer Baath-Partei, hieß es in Sicherheitskreisen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, Reuters
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