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Geiselnahme in Algerien Entgrenzter Konflikt

Der Unmut von Tokio bis London ist ein Indiz dafür, dass die algerische Militäraktion wohl eher ein Desaster war, das einen hohen Blutzoll forderte. Die Geiselnahme offenbart die Bedrohung durch vagabundierende Dschihadisten. Ein Kommentar.

Auch am Freitag haben die algerischen Behörden zunächst keine genauen Angaben darüber gemacht, wie viele Geiseln bei dem militärischen Befreiungsversuch das Leben verloren haben. Das ist verständlich, weil die Erdgasförderanlage im Osten des Landes noch nicht vollständig unter Kontrolle algerischer Soldaten war; und noch immer waren ausländische Geiseln zu dem Zeitpunkt in der Hand der Islamisten.

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Zudem hat sich die algerische Führung heftige Kritik anhören müssen von westlichen Regierungen, die das algerische Vorgehen für rücksichtslos halten und das Fehlen frühzeitiger Unterrichtung für nicht akzeptabel. Selbst wenn nicht alle Umstände der Operation zur Befreiung der Geiseln - unter denen auch viele Algerier waren - bekannt sind, so spricht der Unmut von Tokio bis London dafür, dass sie eher ein Desaster war als ein Erfolg. Doch die harte Haltung der algerischen Führung im Umgang mit Terroristen und Islamisten ist bekannt: keine Verhandlungen, keine Kompromisse, gleichgültig, wie hoch der Blutzoll ist.

Internationaler Konflikt

Die Geiselnahme hat zudem offenbart, dass mittlerweile eine ganze Region von vagabundierenden Dschihadisten bedroht wird. Der Konflikt ist internationalisiert, er lässt sich nicht mehr lokal begrenzen. Das ist beunruhigend, weil damit ein Eingreifen auf der einen Seite immer notwendiger wird, andererseits die Erfolgsaussichten immer geringer werden. Die Geiselnehmer hatten Stützpunkte in Libyen; ihre Waffen stammen mutmaßlich aus Beständen des alten Gaddafi-Regimes. Über solche Waffen verfügen auch die Gruppen, gegen die französische Soldaten in Mali kämpfen. Frankreich will verhindern, dass dort ein zweites Somalia entsteht; in Libyen herrscht wenig Staat und viel Gesetzlosigkeit; Algerien wird mit dem Schwert regiert, und so weiter. Es gibt diesen islamistischen Gürtel, der vom Atlantik bis zum Horn von Afrika reicht, wirklich; seine Bestandteile sind Staatszerfall, Extremismus und Terrorismus. Es sagt sich leicht, ist deswegen aber nicht falsch: Dieser Destabilisierung muss Einhalt geboten werden. Aber wer ist dazu bereit?

Anführer der Geiselnehmer von In Amenas soll übrigens ein Mann sein, der mit Al Qaida verbunden ist (oder war) und der als Dschihadist gegen die Sowjetunion in Afghanistan kämpfte - Afghanistan, der große Geburtshelfer für den islamistischen Terror von Nordafrika bis Südostasien. An den Folgen des sowjetischen Einmarsches trägt die Welt noch heute.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.01.2013, 15:32 Uhr

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