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Geiselnahme im Irak Regierung hat Kontakt zu Entführern

27.01.2006 ·  Die Bundesregierung hat erstmals Kontakt zu den Geiselnehmern der im Irak entführten Deutschen. Drei Tage nach der Verschleppung der Ingenieure strahlte der Fernsehsender Al Dschazira eine Video-Botschaft aus.

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Die Bundesregierung hat drei Tage nach der Entführung der beiden deutschen Ingenieure im Irak Kontakt mit den Geiselnehmern aufgenommen. „Die Kontaktaufnahme seitens der Entführer hat stattgefunden“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitag dem Fernsehsender RTL. Zu der Gruppe könne die Bundesregierung „im einzelnen nichts sagen“. Alles weitere werde im Krisenstab des Auswärtigen Amtes zu besprechen sein, der am Nachmittag abermals tagen soll.

Zuvor hatte es von den Entführten ein erstes Lebenszeichen gegeben. In einem vom arabischen Fernsehsender Al Dschazira am Freitag ausgestrahlten Video sind die beiden Männer zu sehen. Sie nennen ihre Namen und wenden sich in deutscher Sprache auch an die Bundesregierung mit der Bitte, alles zu tun, um ihre Freilassung zu erreichen. Im Bild ist das Datum 24. Januar 2005 eingeblendet - der Tag der Entführung.

„Erschütternde Bilder“

Steinmeier sagte am Freitag über das Video, es seien „erschütternde Bilder, die uns heute Morgen aus dem Irak erreichten“. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte an die Entführer, die beiden Ingenieure unverzüglich freizulassen. Merkel sagte in Berlin, die Regierung werde alle Anstrengungen unternehmen, „unsere Landsleute sicher, unversehrt und gesund nach Hause zu bringen“.

Die Bundesregierung hat erstmals Kontakt zu den Geiselnehmern der im Irak entführten Deutschen. Drei Tage nach der Verschleppung der Ingenieure strahlte der Fernsehsender Al Dschazira eine Video-Botschaft aus.

Ihre Gedanken seien bei den Angehörigen, Kollegen und Freunden der beiden Entführten. „Diese Bilder haben mich und die Menschen in Deutschland tief bewegt“, sagte Merkel zu den Videoaufnahmen. In Deutschland wurde das Video bislang aber nicht ausgestrahlt.

„Unterstützer der Tawhid- und Sunnah-Brigaden“

In dem Video sitzen die Geiseln angeblich auf dem Boden, mindestens zwei bewaffnete Männer stehen hinter ihnen. Im Bild ist auch ein handschriftliches Plakat mit der Aufschrift „Unterstützer der Tawhid- und Sunnah-Brigaden“. Dem ZDF liegt das Band nach eigenen Angaben ebenfalls vor; das ARD-Morgenmagazin strahlte in seinem Morgenmagazin ein Standbild aus dem Video aus, auf dem die beiden Deutschen zu sehen sind. Konkrete Forderungen sollen die Entführer in der Videobotschaft nicht erhoben haben.

Das ZDF hat das Video nach Angaben des Chefs vom Dienst Elmar Theveßen von Al Dschazira bekommen. Auf welchem Weg es dem arabischen Sender zugespielt wurde, habe dieser dem ZDF aber nicht mitgeteilt. Es sei noch nicht entschieden, wie man mit dem Video weiter umgehen werde. Theveßen wies aber darauf hin, daß das ZDF in der Vergangenheit immer nur Standbilder aus Entführungsvideos ausgestrahlt habe.

Arbeitgeber verteidigt sich

Der Arbeitgeber der beiden Entführten René B. und Thomas N., die Firma Cryotec, wies unterdessen Vorwürfe gegen das Unternehmen zurück. „Das sind tendenziöse Formulierungen ohne Kenntnis der Sachverhalte“, sagte Geschäftsführer Peter Bienert der „Leipziger Volkszeitung“. Einsatzgebiet, Reiseroute und die Situation am Ort seien vor der Abreise geprüft worden, entgegnete Bienert dem Vorwurf der Fahrlässigkeit. Vor Entführungen sei man im Irak nirgendwo völlig sicher.

Der Krisenstab hatte sich am Donnerstag weiter bemüht, die beiden Sachsen zu befreien. Sie waren am Dienstag morgen nur wenige Tage nach ihrer Ankunft in der nordirakischen Industriestadt Baidschi von Bewaffneten verschleppt worden.

Der frühere Kanzleramtschef Bernd Schmidbauer (CDU) hatte Cryotec in einem Interview mit der Deutschen Welle kritisiert: „Hier kann auch das beste Geschäft nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Mitarbeiter in eine riesige Gefahr geschickt wurden.“

„Der falsche Zeitpunkt“

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Gernot Erler sagte, es sei klar, daß über eine eventuelle Beteiligung der Firma an den Kosten geredet werden müsse. „Aber zum richtigen Zeitpunkt. Ich glaube, im Augenblick hat es keinen Sinn, sich mit solchen Überlegungen zu beschäftigen“, sagte Erler dem Südwestrundfunk.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warnte vor einer übereilten Diskussion über die Mitverantwortung von Cryotec für die Entführung ihrer Mitarbeiter. „Es ist der falsche Zeitpunkt, jetzt solche Fragen aufzuwerfen“, sagte Milbradt in Dresden.

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