07.01.2006 · In Bagdad haben Bewaffnete eine amerikanische Journalistin entführt und ihren irakischen Übersetzer erschossen. Der Überfall ereignete in 100 Meter Entfernung vom Büro des sunnitischen Politikers al Dulaimi.
In Bagdad ist eine amerikanische Journalistin entführt worden. Major Falah Mohamadawi vom irakischen Innenministerium teilte am Samstag mit, Bewaffnete hätten die Frau im Westen der Hauptstadt verschleppt und ihren irakischen Übersetzer getötet.
Der Sterbende habe der Polizei noch berichten können, daß die Journalistin entführt worden sei und daß sie auf dem Weg zu einem Treffen mit dem sunnitischen Politiker Adnan al Dulaimi gewesen seien. Der Vorsitzende der politischen Gruppierung Irakische Eintracht lebt im vorwiegend von sunnitischen Arabern bewohnten Stadtteil Adel, der als einer der gefährlichsten Bagdads gilt.
Über 250 Ausländer entführt
Der Überfall ereignete sich nur 100 Meter vom Büro Dulaimis entfernt. Ein Wachmann, Samir Nadschim, berichtete, drei Männer in einem roten Opel hätten den Wagen der Journalistin abgefangen, den Übersetzer erschossen und seien mit der Frau davongefahren.
Aufständische haben in den vergangenen beiden Jahren mehr als 250 Ausländer im Irak entführt. Einige von ihnen wurden getötet, andere nach Zahlung von Lösegeld oder Aufrufen islamischer Geistlicher freigelassen. Die Deutsche Susanne Osthoff kam nach 23 Tagen Geiselhaft kurz vor Weihnachten frei. Am 8. Dezember erklärte die Islamische Armee im Irak, sie habe den Amerikaner Ronald Schulz umgebracht.
Andere Gruppen haben sich zur Verschleppung eines französischen Ingenieurs und vier christlicher Friedensaktivisten aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Kanada bekannt. Von ihnen gibt es seit Wochen kein Lebenszeichen mehr.
Straw in Bagdad
Der britische Außenminister Jack Straw zeigte sich unterdessen bei einem Besuch in Bagdad berührt von dem Optimismus der meisten irakischen Politiker, mit denen er gesprochen habe. Sie seien überzeugt davon, daß die irakischen Sicherheitskräfte verstärkt würden, um den Terrorismus selbst bekämpfen zu können, sagte Straw der BBC.
Zuletzt waren bei einer Welle der Gewalt binnen zwei Tagen fast 200 Menschen im Irak getötet worden. Straw sagte weiter, die meisten irakischen Politiker wüßten „im Kopf, wenn auch noch nicht in ihrem Herzen“, daß die Zukunft des Landes in einer Regierung der nationalen Einheit liege.