03.08.2007 · Außenminister Steinmeier hat sich erschüttert gezeigt über die Ergebnisse der Obduktion der in Afghanistan getöteten deutschen Geisel. Der Ingenieur Rüdiger D. wurde bereits am Mittwoch beigesetzt.
Der in afghanischer Geiselhaft getötete deutsche Bauingenieur Rüdiger D. ist bereits am Mittwoch beigesetzt worden, wie die Stadt Neumünster am Freitag bestätigte. Demnach wurde der 44 Jahre alte Mann im engsten Kreis der Familie beerdigt. Die Familie des Mannes stammt aus Neumünster; Rüdiger D. hatte zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern gelebt.
Am Donnerstag war nach einer Obduktion bekannt geworden, dass D. von seinen Geiselnehmern nach einem Kreislaufkollaps mit zwei Schüssen hingerichtet wurde. (Siehe auch: Obduktion: Deutsch Geisel in Afghanistan durch Schüsse getötet) Das Auswärtige Amt hatte zuvor vermutet, dass der Kreislaufkollaps die Todesursache sei. Ein Krisenstab arbeitet weiterhin an der Freilassung des ebenfalls entführten Deutschen Rudolf B.
„Charakter eines Medien-Krieges“
Außenminister Steinmeier zeigte sich erschüttert über die Ergebnisse der Obduktion. „Die letzten Stunden des Verstorbenen waren ein Martyrium“, sagte er am Rande seines Westafrika-Besuches in Accra. Dieses Verbrechen dürfe nicht ungesühnt bleiben.
In Afghanistan ist ein Ende des Dramas um die Geiseln aus Deutschland und Südkorea nicht in Sicht. Während die zweite Geisel aus Deutschland offenbar am Leben ist, bleibt die genaue Todesursache des in Geiselhaft gestorbenen Mannes weiterhin unklar.
Abermals kritisierte Steinmeier die zum Teil verwirrende Informationslage im Zusammenhang mit der Entführung. „Es hat Phasen in dieser Auseinandersetzung um die Freilassung der deutschen Geiseln gegeben, die den Charakter eines Medien-Krieges hatten“, sagte der Minister. „Möglicherweise haben wir das etwas zurückfahren können.“ Er freue sich, dass es zumindest von deutscher Seite zum Teil gelungen sei, die aufgeregte Stimmung etwas zurückzunehmen.
Seoul bemüht sich angeblich um Treffen mit Rebellen
Auch die südkoreanische Regierung bemüht sich um die Freilassung von 21 Landsleuten aus der Geiselhaft der Rebellen in Afghanistan. Unterhändler stünden mit den Taliban in Kontakt, um einen möglichen Treffpunkt für bilaterale Gespräche auszuhandeln, berichtete am Freitag die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Informanten. Aus Regierungskreisen in Seoul hieß es, die Regierung versuche, die bestehenden direkten oder indirekten Kontakte mit den radikal-islamischen Taliban zu erhalten
Entgegen südkoreanischer Darstellung wollen die Vereinigten Staaten militärische Aktionen zur Befreiung der Koreaner doch nicht ausschließen. Ziel sei es, die Verschleppten friedlich und sicher freizubekommen. Doch müssten alle Druckmittel gegen die Taliban angewandt werden, um sie zur Freilassung der Geiseln zu zwingen, sagte der für die Region zuständige Abteilungsleiter im Außenministerium Boucher am Donnerstag in Washington: „Es gibt Dinge, die wir sagen, Dinge, die andere sagen, Dinge, die in der afghanischen Gesellschaft getan und gesagt werden, und es gibt potentielle militärische Druckmittel.“