01.04.2007 · Der britische Verteidigungsminister Browne hat direkte Kontakte mit Iran bestätigt, um den Streit über 15 festgesetzte Marinesoldaten zu lösen. Radikale Studenten bewarfen die britische Botschaft in Teheran mit Brandsätzen und Steinen.
Im Streit über die 15 von Iran festgesetzten britischen Marinesoldaten gibt es jetzt direkte Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien. „Wir stehen in direkten bilateralen Gesprächen mit den Iranern“, sagte der britische Verteidigungsminister Des Browne am Sonntag dem Sender BBC. „Wir sind sehr darauf bedacht, dass diese Angelegenheit so schnell wie möglich und auf diplomatischem Wege gelöst wird.“
Auf Details der Gespräche wollte Brown nicht eingehen. Die Zeitung „Sunday Telegraph“ berichtete indes unter Berufung auf britische Verteidigungsbeamten von einem Kompromissvorschlag. Man wolle sich zwar nicht offiziell entschuldigen, könnte Teheran aber mitteilen, dass die britische Marine niemals wissentlich in iranische Gewässer eindringen werde.
Britische Botschaft in Teheran angegriffen
Radikale Studenten hatten am Sonntag die britische Botschaft in Teheran mit Brandsätzen und Steinen beworfen. Nach Angaben von Augenzeugen griffen iranische Sicherheitskräfte jedoch hart gegen Gewalttäter unter den mehreren hundert Demonstranten durch, die gegen Großbritannien demonstrierten. Nach zwei Stunden wurde die Demonstration aufgelöst, größerer Schaden entstand nach Angaben der Botschaft nicht.
Die britische Regierung schlug am Wochenende versöhnlichere Töne in der Krise an. „Ich glaube, die ganze Welt bedauert die Situation, die entstanden ist, und deswegen wollen wir einen Ausweg finden“, sagte die britische Außenministerin Margaret Beckett. Eine Lösung solle auf friedliche Weise und so bald wie möglich gefunden werden. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn sagte, es gebe „Anzeichen der Entspannung“.
Der amerikanische Präsident Bush verurteilte am Wochenende das Verhalten der iranischen Regierung als „unentschuldbar“. Bush, der sich erstmals zu der Krise äußerte, wertete die Gefangennahme als „Geiselnahme“ Unschuldiger. Er teilte die Einschätzung der britischen Regierung, dass sich die Soldaten rechtmäßig in irakischen Gewässern aufgehalten hätten. Iran müsse die „Geiseln“ freilassen, forderte Bush. Dafür dürfe es keine Gegenleistung geben, sagte der Präsident auf die Frage, ob er einen Austausch mit iranischen Gefangenen erwäge, die im Januar in der irakischen Stadt Arbil amerikanische Soldaten unter dem Verdacht festgenommen hatten, dass sie Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden haben.
Ahmadineschad wirft London Arroganz vor
Der iranische Präsident Ahmadineschad griff am Samstag Großbritannien wegen des Vorfalls scharf an. Er beklagte nach Angaben der staatliche iranischen Nachrichtenagentur Irna in der südwestiranischen Stadt Andimeshk abermals, London hätte sich entschuldigen und sein Bedauern über den Zwischenfall äußern müssen. „Arrogante Mächte entschuldigen sich jedoch wegen ihrer Arroganz und ihrer egoistischen Mentalität nicht bei den Iranern“, sagte Ahmadineschad. Sie täten so, als schuldeten die Iraner ihnen etwas. Die britischen Besatzungstruppen seien in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen und dabei festgenommen worden.
Bundeskanzlerin Merkel (CDU) stellte sich während ihrer Nahostreise hinter den jüngsten Beschluss der EU-Außenminister zur Gefangennahme britischer Soldaten. „Ich begrüße ausdrücklich, dass der deutsche Außenminister zusammen mit den anderen Außenministern der Europäischen Union ein starkes Signal gegeben hat“, sagte sie. Man habe ein gemeinsames Interesse daran, dass die britischen Soldaten, die im Rahmen eines UN-Mandats im Einsatz gewesen seien, schnell freigelassen werden.
Frau Merkel erläuterte nicht, wie sie ihren Hinweis auf das UN-Mandat verstanden wissen wollte. Doch könnte er an die Adresse Russlands und Chinas gerichtet sein. Vor allem diese beiden Länder hatten dafür gesorgt, dass der UN-Sicherheitsrat nicht die von Großbritannien gewünschte scharfe Verurteilung Irans beschloss. Stattdessen hatte das höchste UN-Gremium nach vierstündiger Debatte nur „große Besorgnis“ angesichts der Festnahme der Soldaten durch Iran geäußert. Der jordanische König Abdullah, mit dem Frau Merkel am Samstag im jordanischen Aqaba zusammentraf, hat die Entführung der Briten durch Iran als eine Angelegenheit der beiden Länder bezeichnet.
„Was wir wollen, ist ein Ausweg, und zwar friedlich und so schnell wie möglich.“
Bashaam Swahili (Swahili)
- 01.04.2007, 13:55 Uhr
Diplomatisch kann nur die Türkei entspannen!
Meut Hässler (Haesller)
- 01.04.2007, 16:01 Uhr
Die Türkei als Deus ex Machina? Nein.
Fionn Huber (fionn)
- 01.04.2007, 17:21 Uhr
bush vs ahmadineshad
thore martell (thoremartell)
- 01.04.2007, 19:02 Uhr
Es wird keine dauerhafte Entspannung geben
Volker Zernetsch (zernetsch)
- 01.04.2007, 20:34 Uhr