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Geisel-Video „Schockierendes Zeugnis menschlicher Erniedrigung“

14.02.2006 ·  Berlin zeigt sich besorgt, nachdem die Entführer der beiden deutschen Ingenieure im Irak in einem weiteren Video abermals mit der Tötung ihrer Geiseln gedroht und von einer „letzten Chance“ für die deutsche Regierung gesprochen haben.

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Im Geiseldrama um die beiden im Irak entführten Deutschen ist vorerst keine neue Entwicklung bekannt geworden. Experten arbeiteten weiterhin intensiv an der Auswertung des am Montag abend ausgestrahlten Videos, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Dienstag in Berlin. Am Vormittag werde der Krisenstab wieder zu einer Sitzung zusammenkommen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der sich zur Zeit auf einer Nahostreise befindet, wird laufend informiert.

Die Entführer der beiden deutschen Ingenieure hatten am Montag abermals mit der Tötung ihre Geiseln gedroht. Der Fernsehsender Al Arabija sendetet das Video, das das Aufnahedatum vom vergangenen Samstag trug. Die Kidnapper sprachen darin von einer „letzten Chance“ für die deutsche Regierung, ihre Forderungen zu erfüllen. Aus Kreisen des Senders in Dubai verlautete, eine Frist sei in dem Video nicht gesetzt worden.

„Wir tun, was wir können“

Steinmeier bezeichnete den Film als „schockierendes Zeugnis menschlicher Erniedrigung“. Die beiden Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke baten darin die Bundesregierung auf Deutsch, ihr Leben zu retten.
Steinmeier teilte in Jerusalem mit, die Experten im Berliner Krisenstab würden sofort daran gehen, das Video auszuwerten. „Und ich kann nur versichern, daß wir unsere Bemühungen fortsetzen, die beiden so schnell wie möglich in Sicherheit zu wissen. Wir tun, was wir können.“

In dem Video sind René Bräunlich und Thomas Nitzschke zu sehen, die schweigend und mit ernsten Gesichtern ihre gefesselten Hände in die Kamera halten. Die beiden Männer tragen orangefarbene Hemden und knien am Boden. Hinter ihnen stehen die schwarz vermummten, bewaffneten Entführer, von denen einer eine Erklärung verliest. Der Ton des Videobandes war bei Al Arabija nicht zu hören. Eine Sprecherin des Senders erklärte nur, die Geiselnehmer hätten gedroht, die beiden Männer zu töten und von einem „letzten Signal“ gesprochen.

Das Video stamme von der Gruppe Ansar al-Tawhid wa al-Sunna (Anhänger der göttlichen Einheit und des Vorbildes des Propheten). Der Name dieser Gruppe war auch schon in dem vorherigen Video der Entführern genannt worden. Die beiden Deutschen bitten in ihrer Sprache die Bundesregierung, ihre Leben zu retten. Das Video wurde um 18 Uhr (MEZ) gesendet. Es sei nur wenige Minuten davor bei Al Arabija eingetroffen.

Pfarrer Führer: Zeichen der Hoffnung

Bräunlich und Nitzschke waren am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Beidschi verschleppt worden. In einem früheren Video vom 31. Januar hatten die Kidnapper die Bundesregierung aufgefordert, alle Kontakte zum Irak abzubrechen. Vor zwei Wochen war eine Frist von 72 Stunden gesetzt worden, die Forderungen zu erfüllen. Das Video war vom Sender Al Dschazira ausgestrahlt worden.

An einer Mahnwache für die im Irak entführten Ingenieure beteiligten sich am Montag abend an der Leipziger Nikolaikirche rund 400 Menschen. Pfarrer Christian Führer sieht in der neuen Videobotschaft auch ein Zeichen der Hoffnung. „Die beiden leben noch“, sagte Führer am Montag abend. Er werte die Aufnahme zudem als Zeichen der Gesprächsbereitschaft. „Wenn der Dialog ins Laufen gekommen ist, haben wir Hoffnung, daß es zu einem guten Ende kommt“, sagte Führer.

Quelle: FAZ.NET mit Material AP/dpa/ Reuters
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