Home
http://www.faz.net/-gq5-74j8u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Geheimhaltung aufgehoben Pentagon gibt E-Mails über Bin Ladins Seebestattung frei

Nach einer Klage einer Menschenrechtsorganisation hat das Pentagon E-Mails über die geheime Bestattung Usama Bin Ladins freigegeben. Autopsiebericht und Todesurkunde des Al-Qaida-Führers seien jedoch nicht auffindbar, hieß es.

Die Seebestattung des getöteten Al-Qaida-Führers Usama Bin Ladin im Arabischen Meer ist in höchster Geheimhaltung, aber unter Beachtung islamischer Bestattungsriten erfolgt. Das geht aus internen E-Mails hervor, die das Pentagon nach einer Klage der Organisation „Judicial Watch“ jetzt freigegeben hat. Die sterblichen Überreste Bin Ladins wurden nach einer Kommandoaktion amerikanischer Spezialeinheiten in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad vom 1. Mai 2011 mit einem Hubschrauber auf den Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ geflogen und dort dem Meer übergeben. Große Teile des nun veröffentlichten E-Mail-Verkehrs wurden geschwärzt, um keine sensiblen Informationen freizugeben.

Matthias Rüb Folgen:    

In einer Mail von Konteradmiral Charles Gaouette an das Pentagon vom 2. Mai heißt es unter anderem: „Der Körper des Verstorbenen wurde gewaschen und dann in ein weißes Tuch gewickelt. Der Körper wurde in einen beschwerten Sack gegeben. Ein Offizier verlas einen vorbereiteten religiösen Text, der von einem Muttersprachler ins Arabische übersetzt worden war. Anschließend wurde der Körper auf ein Brett gelegt, das hochgeklappt wurde, woraufhin der Körper des Verstorbenen ins Meer glitt.“ Die kurze Zeremonie an Deck der „USS Carl Vinson“ wurde von weniger als einem Dutzend ranghoher Offiziere verfolgt.

Keine Fotos oder Videoaufnahmen

Die Mannschaft des Trägers wusste nichts von den Vorgängen an Deck. In einer Mail eines im Pentagon tätigen Admirals vom 3. Mai 2011 an den für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Offizier auf dem Träger heißt es: „Haben Soldaten die Bestattung beobachtet?“ Der Offizier antwortet in seiner Mail mit der Betreffzeile „Keine Soldaten verfolgen Bestattung“: „Nur eine kleine Gruppe der Führung des Schiffes wurde informiert - weniger als ein Dutzend.“

Von der Seebestattung gibt es nach Angaben des Pentagons weder Foto- noch Videoaufnahmen. Es sollen auch keine Fotos von der Leiche Bin Ladins auf dem Flugzeugträger gemacht worden sein. Das Pentagon teilte außerdem mit, weder Todesurkunde und Autopsiebericht noch Ergebnisse von DNA-Tests finden zu können, mit denen die Identität Bin Ladens festgestellt worden sein soll. Der Auslandsgeheimdienst CIA, der den Einsatz überwachte, reagierte bisher nicht auf die Forderungen von Organisationen wie „Judicial Watch“ sowie von Nachrichtenagenturen nach Freigabe der entsprechenden Dokumente.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Guantánamo-Tagebuch Aufzeichnungen aus einem Totenhaus

Es ist das erste Zeugnis eines Gefangenen, der noch immer in Guantánamo sitzt. An diesem Dienstag erscheint Mohamedou Ould Slahis Tagebuch - zensiert und mit zehn Jahren Verspätung. Es ist ein langer und qualvoller Bericht. Mehr Von Hannes Hintermeier

20.01.2015, 12:30 Uhr | Feuilleton
Ich habe Bin Ladin getötet Früherer Elitesoldat packt aus

Dreieinhalb Jahre nach dem Tod von Terrorchef Usama bin Ladin hat der mutmaßliche Todesschütze seine Identität enthüllt. Der Soldat einer amerikanischen Spezialeinheit Navy Seals trat bei einer Veteranen-Veranstaltung auf. Mehr

08.11.2014, 16:30 Uhr | Politik
Tötungsvideos auf Youtube Wenn die Bilder Terror machen

Nach den Pariser Anschlägen tauchen im Internet Amateuraufnahmen der Erschießungen auf. Doch die Verbreitung der Videos birgt die Gefahr der Glorifizierung. Was bedeutet das für unseren Umgang mit Medien? Mehr Von Charlotte Klonk

20.01.2015, 07:03 Uhr | Feuilleton
Britisches Königshaus Neue Fotos von Prinz George

Die Royals haben drei neue Fotos von dem inzwischen 17 Monate alten Prinz George freigegeben. Er wird ansonsten von den Medien abgeschirmt, nur bei öffentlichen Auftritten darf er fotografiert werden. Mehr

15.12.2014, 09:20 Uhr | Gesellschaft
Navid Kermanis Koran-Exegese Die islamische Bergpredigt steht in Sure 5,28

Der muslimische Gelehrte Navid Kermani glaubt an Gott und den FC und erleuchtet Köln mit seiner Koran-Exegese: Er tritt als politischer Redner, Philologe und Islamwissenschaftler vor die Menschen. Mehr Von Andreas Rossmann

16.01.2015, 22:14 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.11.2012, 17:45 Uhr

Der verlängerte Arm der AfD?

Von Jasper von Altenbockum

Die Spaltung von Pegida geht in eine Richtung, die der AfD zu einem verlängerten Arm verhelfen könnte. Wohin das die AfD treibt, wird sich am Wochenende in Bremen zeigen. Ein Kommentar. Mehr 127 15