Der Sondergesandte des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, Marc Grossman, und der stellvertretende CIA-Chef Michael Morrell sind am Donnerstag nach Islamabad gereist, um sich mit dem pakistanischen Geheimdienstchef Ahmed Shuja Pasha zu treffen. Das verlautete am Donnerstag aus pakistanischen Geheimdienstkreisen. Den Gewährsleuten zufolge wurden von Seiten der pakistanischen Regierung wenig konkrete Ergebnisse von dem Treffen erwartet.
Die pakistanische Regierung ist ungehalten darüber, dass sie über die Kommandoaktion gegen den Al-Qaida-Chef Usama Bin Ladin am 2. Mai vorab nicht informiert wurde. In den Vereinigten Staaten ist die Verärgerung darüber groß, dass sich Bin Ladin lange unbehelligt in der Garnisonsstadt Abottabad aufhalten konnte. Kongressabgeordnete haben mit dem Stopp der milliardenschweren Auslandshilfe für Pakistan gedroht, auf die das Land wirtschaftlich und zur Finanzierung seiner Streitkräfte angewiesen sind. Andererseits brauchen die Vereinigten Staaten Pakistan bei der Bekämpfung militanter Gruppen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.
Gates: Islamabad hatte keine Kenntnis von Bin Ladins Aufenthaltsort
Unterdessen sagte der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates, dass die oberste Führung in Islamabad offensichtlich keine Kenntnis vom Aufenthalt Usama bin Ladins in Pakistan gehabt habe. Es gebe „überhaupt keinen Beweis“ dafür, dass die führenden Kreise informiert gewesen seien, sagte Gates am Mittwoch. „Genau genommen habe ich Belege für das Gegenteil gesehen.“
Irgendjemand in Pakistan müsse aber gewusst haben, dass Bin Ladin vor seiner Tötung durch eine amerikanische Spezialeinheit in der pakistanischen Stadt Abbottabad gelebt hatte, sagte Gates. Er und amerikanische Generalstabschef Mike Mullen forderten Islamabad erneut auf, gegen die derzeit sicheren Rückzugsorte von Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan vorzugehen.
