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Geheimdienste : Der Mann, der sich selbst ausspionierte

  • -Aktualisiert am

Heinz Felfe stellt 1986 in Ostberlin seine Memoiren vor Bild: AP

Einmal Kundschafter, immer Kundschafter. Heinz Felfe war Agent für die Nazis, die Organisation Gehlen, den BND und für den KGB. Zum 90. Geburtstag gratulierte ihm jetzt der heutige russische Geheimdienst FSB.

          Einmal Kundschafter, immer Kundschafter. So oder ähnlich soll Wladimir Putin es ausgedrückt haben, und der weiß schließlich, wovon er spricht: Aus der Gemeinde der Geheimdienstler tritt man nicht irgendwann einfach aus. Als Präsident Russlands hat Putin viele frühere Kollegen aus dem KGB an sich gebunden und ihnen in Staat oder Wirtschaft zu Einfluss und guten Einkünften verholfen. Aber auch sonst vergisst der Staatssicherheitsdienst, der sich jetzt FSB (Föderaler Sicherheitsdienst) nennt, bewährte frühere Mitarbeiter offenbar nicht.

          So meldete er sich in dieser Woche mit Glückwünschen zum 90. Geburtstag von Heinz Felfe zu Wort; und der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, die vor allem für die Propaganda im Ausland zuständig ist, war das Ereignis eine Meldung wert.

          War die Sowjetunion nicht untergegangen?

          „Mit Recht gehört Felfe zur ruhmreichen Kohorte des sowjetischen Aufklärungsdienstes, die während des Krieges und der Konfrontation nach dem Krieg überaus wertvolle politische, militärische wissenschaftlich-technische oder operative Informationen gewonnen haben“, ließ der FSB verlauten. „Sie alle empfanden eine aufrichtige Sympathie für die Sowjetunion und waren bestrebt, unser Land beim Aufbau einer wahrhaft gerechten Gesellschaft zu unterstützen.“

          Verblüfft reibt man sich die Augen: War die ruhmreiche Sowjetunion mitsamt der KPdSU und dem KGB nicht 1991 sang- und klanglos untergegangen? Und ausgerechnet Heinz Felfe soll Sympathie für das kommunistische System empfunden haben? Wenn überhaupt, traf das vermutlich erst nach dem Krieg zu. Denn während des Krieges war SS-Untersturmbannführer Felfe im Reichssicherheitshauptamt tätig, wo er zuletzt das Referat „Schweiz/Liechtenstein“ leitete und unter anderem mit dem Umtausch gefälschter Pfundnoten zu tun gehabt haben soll.

          Ab 1947 für die Briten, 1951 zum KGB

          Zum Kriegsende in britische Gefangenschaft geraten, begann der gelernte Spion 1947 als Agent für die britische Besatzungsmacht zu arbeiten. Er sollte subversive kommunistische Aktivitäten an der Universität Bonn beobachten, wurde aber nach einiger Zeit „abgeschaltet“, weil Zweifel an seiner Zuverlässigkeit aufkamen. Im Herbst 1951 ließ Felfe sich durch Vermittlung eines früheren SS-Kameraden namens Clemens in Berlin-Karlshorst als Mitarbeiter des KGB anwerben (Deckname: „Paul“).

          Knapp zwei Monate später verhalf ihm derselbe Clemens zu einer Anstellung bei der „Organisation Gehlen“, dem Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes. Dort wurde Felfe unter dem Decknamen „Friesen“ geführt. Bis zu seiner Enttarnung im November 1961 konnte er jetzt „auf zwei Hochzeiten tanzen“, wie Felfe es formulierte, als ihm weitgehend hinter verschlossenen Türen der Prozess gemacht wurde. Im Sommer 1963 verurteilte ihn der Bundesgerichtshof wegen Landesverrats zu 14 Jahren Zuchthaus; das war ein Jahr weniger als die Höchststrafe.

          Leiter der „Gegenspionage Sowjetunion“

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