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Gefangenenaustausch mit Israel „Mein Bruder wird bald frei sein“

30.05.2008 ·  Er ist der am längsten in Israel einsitzende arabische Gefangene: Samir Kuntar. Knapp dreißig Jahre nach seiner Verhaftung soll er nun bald frei kommen, sagt sein Bruder Bassam Kuntar FAZ.NET - einen Tag vor dem Besuch Außenminister Steinmeiers in Beirut.

Von Markus Bickel
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Bassam Kuntar rechnet mit einer baldigen Freilassung seines Bruders Samir, des am längsten in Israel inhaftierten libanesischen Gefangenen. „Mein Bruder wird bald frei sein“, sagte Kuntar FAZ.NET. Er sei überzeugt, dass die Hizbullah intensiv an einer „abschließenden Regelung“ der Gefangenenfrage arbeite. „Wäre dem nicht so, hätte Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah am Montag nicht von der baldigen Freilassung meines Bruders und der anderen Gefangenen gesprochen“, sagte der in Beirut lebende Journalist.

Neben seinem Bruder sollen Kuntars Informationen zufolge vier weitere libanesische Gefangene im Austausch für zwei von der Hizbullah im Juli 2006 verschleppte israelische Soldaten ausgetauscht werden. Zeitungsberichte, wonach Samir Kuntar in einem Brief an Nasrallah angekündigt habe, den bewaffneten Kampf gegen Israel nach seiner Freilassung fortzuführen, konnte Bassam nicht bestätigen.

Erster Gefangener schon am Sonntag frei

Das Auswärtige Amt in Berlin wollte gegenüber FAZ.NET keine Stellungnahme abgeben, ob sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem Beirut-Besuch am Wochenende mit dem Thema befassen werde. Gerhard Konrad vom Bundesnachrichtendienst (BND) soll Zeitungsberichten zufolge den Gefangenenaustausch vermitteln.

Die israelische Tageszeitung „Yedioth Ahronot“ berichtete am Freitag, dass der als Sohn einer jüdischen Mutter und eines muslimischen Vaters im Libanon geborene Nissim Nassara bereits dieses Wochenende frei kommen soll. Der aus dem Libanon nach Israel immigrierte Mann saß wegen Spitzeltätigkeit für die Hizbullah seit 2002 eine sechsjährige Haftstrafe ab. Nassaras Haftstrafe lief bereits vergangenen Monat aus, die israelischen Behörden hielten ihn aber weiter fest, um ihn als Verhandlungsmasse für den möglicherweise bevorstehenden Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah zu verwenden. Mit Hilfe der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes soll die Auslieferung in den Libanon am Sonntag vonstatten gehen. Das bestätigten gegenüber FAZ.NET auch Quellen im Libanon.

Der letzte große Gefangenenaustausch zwischen Israel und Hizbullah liegt bereits vier Jahre zurück. Damals waren unter Vermittlung des Bundesnachrichtendienstes (BND) mehr als 400 libanesische und andere arabische Gefangene im Austausch gegen drei tote Israelis und einen israelischen Geschäftsmann freigelassen worden. Im vergangenen Oktober schließlich wurden die leiblichen Überreste eines Israelis gegen die zweier Hizbullah-Kämpfer und eines während des Libanon-Krieges gefangen genommenen Libanesen ausgetauscht.

Israelische Soldaten offenbar tot

Vor dem geplanten Gefangenenaustausch mit der Hizbullah rechnet Israel nach einem Zeitungsbericht nicht mehr damit, dass die beiden vor zwei Jahren entführten Soldaten noch am Leben sind. Der deutsche Vermittler Gerhard Konrad habe der israelischen Regierung bereits vor Wochen mitgeteilt, dass die von der Hizbullah im Juli 2006 verschleppten Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev noch in Freiheit seien, schreibt „Yedioth
Ahronot“.

Hizbullah-Kämpfer hatten die Soldaten auf israelischem Gebiet schwer verletzt, gefangen genommen und anschließend in den Südlibanon verschleppt. Dies war der Auslöser für den knapp einen Monat langen Libanon-Krieg. Als Folge der Information des deutschen Vermittlers sei Israel nur noch zu einem wesentlich kleineren Gefangenenaustausch bereit gewesen als ursprünglich geplant, heißt es weiter. Beide Seiten haben sich den Angaben zufolge aber noch nicht auf einen Zeitpunkt geeinigt.

Im Rahmen des Austausches will Israel den Berichten zufolge auch Samir Kuntar freilassen. Der 45 Jahre alte Libanese wurde 1980 wegen des Mordes an einem israelischen Familienvater, dessen vier Jahre alter Tochter und einem Polizisten zu 542 Jahren Gefängnis verurteilt. Israel hatte die Freilassung von Kuntar bislang immer an die Forderung nach Informationen über das Schicksal von Ron Arad geknüpft. Der Israeli war 1986 mit seinem Kampfjet über dem Libanon abgestürzt und gilt seitdem als verschollen.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Politik.

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