26.09.2005 · In einem neu aufgerollten Verfahren hat ein Kriegsgericht die amerikanische Soldatin Lynndie England für schuldig befunden, im Gefängnis Abu Ghraib irakische Gefangene mißhandelt zu haben. Nun drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft.
Lynndie England ist am Montag in sechs von sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Die 22 Jahre alte amerikanische Soldatin mußte sich wegen der Mißhandlung von Gefangenen im Gefängnis Abu Ghraib im Irak zum zweiten Mal vor einem Kriegsgericht verantworten. Sie war auf einigen Bildern zu sehen, die um die Welt gingen, wie sie lächelnd neben mißhandelten irakischen Gefangenen posiert.
England wurde in einem Punkt der Verschwörung, in vier Punkten der Mißhandlung von Gefangenen sowie in einem Punkt einer obszönen Handlung für schuldig befunden. Ein zweiter Vorwurf der Verschwörung wurde fallengelassen. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft. Über das Strafmaß entscheiden dieselben fünf Offiziere, die das Urteil verhängten.
Widerspruch zwischen England und Graner
Englands Prozeß ist der letzte von einer ganzen Serie gegen neun Heeresreservisten, die im Zusammenhang mit den Mißhandlungen von Abu Ghraib angeklagt wurden. Zwei wurden verurteilt, sechs einigten sich mit der Militärstaatsanwaltschaft.
Das Verfahren gegen England mußte noch einmal komplett neu aufgerollt werden, weil Richter Oberst James Pohl einen Widerspruch zwischen der Aussage des in dem Folterskandal als Hauptangeklagten zu zehn Jahren Haft verurteilten James Graner und Englands Schuldeingeständnis feststellte. Graner, der nach Englands Angaben Vater ihres Babys ist, hatte erklärt, die Fotos mit der Soldatin seien zu Ausbildungszwecken gemacht worden. England hatte dagegen erklärt, sie seien ausschließlich zur Belustigung der Gefängnisaufseher gemacht worden.
Vor Beginn des Prozesses ließ Pohl dann aber eine frühere Aussage der Angeklagten zu, in der diese sich selbst belastet.