Home
http://www.faz.net/-gq5-75r8d
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Geburtenkontrolle China erlaubt weiter nur ein Kind pro Familie

Die staatlich verordnete Geburtenbeschränkung wird in China zunehmend als Eingriff in Persönlichkeitsrechte empfunden. Trotzdem will die neue Regierung die Ein-Kind-Politik nicht lockern.

© AFP Vergrößern Nur ein Kind: Wer dagegen verstößt muss mit hohen Geldstrafen rechnen.

China will trotz wachsender Kritik die staatlich verordnete Ein-Kind-Politik nicht lockern. Es sei weiter das wichtigste Ziel der Familienplanung, die niedrige Geburtenrate beizubehalten, sagte die Vorsitzende der Staatlichen Kommission für Familienplanung, Wang Xia, in Peking. Die Absage überrascht, weil sogar ein Beratergremium der Regierung noch vor Kurzem einen Übergang zu einer Zwei-Kind-Politik empfohlen hatte. Kritiker der Politik hatten gehofft, dass die neue Parteiführung unter Xi Jinping die alte Politik revidieren würde.

Geburtenplanung langfristig weiterführen

Petra  Kolonko Folgen:    

China müsse die Geburtenplanung als grundlegende Politik des Landes langfristig weiterführen, sagte Wang Xia nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua bei einer nationalen Konferenz zur Geburtenplanung. Außer in einigen wenigen wirtschaftlich weit entwickelten Städten, würde ein Ende der staatlichen Kontrolle zu einer großen Zunahme der Geburten führen.

Die staatlich verordnete Geburtenbeschränkung wird in China zunehmend als Eingriff in Persönlichkeitsrechte empfunden. Im vergangenen Jahr hatten zudem einige Fälle von Übergriffen der Behörden zu einer öffentlichen Debatte über die Ein-Kind-Politik geführt. So war besonders ein Fall einer durch Familienplanungs-Funktionären brutal erzwungenen Abtreibung im 7. Monat heftig kritisiert worden. Der im vergangenen Jahr nach Amerika ausgereiste Bürgerrechtler Chen Guangcheng hatte sich für hunderte Frauen eingesetzt, die zwangssterilisiert worden waren.

Hohe Geldstrafen für zweites Kind

Demographen und Sozialwissenschaftler fordern schon länger eine Lockerung oder Abschaffung der staatlich erzwungenen Geburtenkontrolle. Sie warnen davor, dass durch die wenigen Kinder die Überalterung der chinesischen Gesellschaft zu schnell fortschreite. Andere Wissenschaftler verweisen darauf, dass die Ein-Kind-Politik gegen Menschenrechte und Gleichheitsgrundsätze verstoße, da für bestimmte Gruppen und Regionen unterschiedliche Regeln gelten. Die Ein-Kind-Politik führt auch zu einem Ungleichgewicht der Geschlechter. Weil weibliche Kinder abgetrieben werden, werden deutlich mehr Jungen als Mädchen geboren.

Die Ein-Kind-Politik, die über ein landesweites System von Familienplanungsämtern durchgesetzt wird, gilt in China seit den achtziger Jahren. Wer ohne Erlaubnis mehr als ein Kind bekommt, muss eine hohe Geldstrafe bezahlen und hat mit Nachteilen zu rechnen. In ländlichen Regionen dürfen Paare, deren erstes Kind ein Mädchen ist ein zweites Kind haben. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass auch ohne staatliche Zwangsmaßnahmen nicht mit einem Geburtenboom zu rechnen sei, da sich durch die Industrialisierung die Präferenzen der Bevölkerung geändert hätten.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zensur Der Chinese, der endlich wieder googeln will

Wang Long aus Shenzen hat seinen Internetanbieter verklagt, weil in China Google, Youtube und Facebook gesperrt sind. Ein harter Kampf bahnt sich an. Mehr

11.09.2014, 09:47 Uhr | Wirtschaft
China sorgt sich um die steigende Zahl an Senioren

Wegen der Ein-Kind-Politik sind in China immer mehr Ältere auf die Hilfe von immer weniger Jüngeren angewiesen. Die Senioren in Altenheimen unterzubringen, ist in der chinesischen Kultur eine neue und umstrittene Praxis. Mehr

20.08.2014, 15:22 Uhr | Gesellschaft
Anti-Monopol-Ermittlungen Handelskammer klagt über China

China ist der wichtigste Wachstumsmarkt für viele Firmen. Angesichts der vielen Vorwürfe durch Pekings Preiswächter wächst die Verunsicherung. Amerika denkt sogar über eine Klage nach. Mehr

09.09.2014, 14:36 Uhr | Wirtschaft
Frau zu verkaufen

Mit 16 wurde Kiab von ihrem eigenen Bruder als Braut an eine chinesische Familie verkauft. Als Folge der Ein-Kind-Politik in China finden Millionen Männer keine Frau im eigenen Land. Eine Chance für skrupellose Mädchenhändler. Mehr

04.07.2014, 15:23 Uhr | Gesellschaft
Wettbewerbsrecht Chinas Superbehörde und die deutschen Autobauer

Eine mächtige Behörde steht hinter den Ermittlungen gegen deutsche Autobauer in China: Für die NDRC geht es um viel mehr als nur Preisermittlungen gegen Autofirmen. Mehr

09.09.2014, 13:35 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.01.2013, 15:41 Uhr

Droht ein neues Srebrenica?

Von Michael Martens, Istanbul

An der syrischen Grenze zur Türkei kämpfen die Kurden um ihr Überleben. Milchpulver und Wolldecken allein helfen im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ jedoch nur wenig. Europa und die Türkei müssen nun wählen. Mehr 47