04.07.2007 · Fast vier Monate nach seiner Entführung durch militante Palästinenser im Gazastreifen ist Alan Johnston wieder frei. Hamas-Führer Hanija will sich nun auch für den israelischen Soldaten Schalit einsetzen.
Nach fast vier Monaten Geiselhaft ist der im Gazastreifen entführte britische Journalist Alan Johnston am Mittwochmorgen freigelassen worden. Seine Entführer hätten mehrfach mit seiner Ermordung gedroht, sagte der 45-jährige BBC-Reporter in einem ersten Interview und sprach er von einer „entsetzlichen“ Erfahrung.
Seine Gefangenschaft sei „gelegentlich ziemlich angsteinflößend“ gewesen, sagte Johnston, der nach seiner Befreiung blass und müde aber gesund wirkte. Er schloss jedoch nicht aus, nach einem dringend notwendigen Urlaub in den Gazastreifen zurückzukehren, der seine zweite Heimat geworden sei.
Journalistenorganisationen und Politiker verschiedener Länder zeigten sich erleichtert über die Freilassung Johnstons, der am 12. März von einer Palästinensergruppe verschleppt worden war. Johnstons Eltern Graham und Margaret Johnston und seine Schwester Katriona zeigten sich in einer Erklärung „überglücklich“, dass die „furchtbare Zeit“ der Entführung vorüber sei.
„Erfolg für Hamas“
Der entmachtete palästinensische Regierungschef Ismail Hanija sagte, er hoffe, dass das Chaos der vergangenen Wochen beendet und neue Stabilität erreicht werde. Er wertete die Freilassung des BBC-Reporters als politischen Erfolg seiner Hamas-Bewegung. „Diese Angelegenheit war eine Priorität für die Regierung der Hamas“, sagte er. Anscheinend will sich die Hamas mit ihrem Engagement für Johnston im Westen in ein besseres Licht rücken.
Nach der Freilassung Johnstons will sich Hanija auch für die Befreiung des Israelis Gilad Schalit einsetzen. Er hoffe, dass eine Vereinbarung getroffen werden könne, welche die Freilassung des seit Juni 2006 entführten Soldaten gegen palästinensische Gefangene ermögliche, sagte der Hanija auf einer Pressekonferenz mit Johnston in Gaza.
Nach mehrfachen erfolglosen Aufrufen zur Freilassung Johnstons hatte Hamas bewaffnete Kräfte in das Sabra-Viertel von Gaza-Stadt verlegt, wo der Durmusch-Clan Johnston versteckt hielt. Nach Veröffentlichung einer Fatwa, die die Befreiung des ungläubigen Johnston auch mit Gewalt als eine legale islamische Maßnahme einstufte, und unter dem wachsenden Druck der Hamas-Bewaffneten kam es dann offenbar zur Freilassung. „Ohne den wirklich starken Druck der Hamas wäre ich noch lange in diesem Raum geblieben“, sagte Johnston.
Berichten zufolge hatte die radikale Palästinensergruppe Volkswiderstandkomitees zuletzt zwischen der Hamas und den Entführern vermittelt. Dabei hätten sich beide Seiten auch auf einen Austausch von Gefangenen der jeweils anderen Seite geeinigt.
Die „Armee des Islams“ hatte mehrmals mit der Ermordung des Journalisten gedroht und die Freilassung verhafteter Palästinenser in Jordanien und Großbritannien gefordert. Dann setzte ihr die Hamas anscheinend ein Ultimatum.
Auf dem Weg Johnston verließ den Gazastreifen im Anschluss an die Pressekonferenz. Er überquerte, von israelischen Offizieren eskortiert, den Grenzübergang Eres in Richtung Jerusalem, wo er im britischen Konsulat erwartet wurde. Von Tel Aviv aus wollte der BBC-Reporter anschließend nach London fliegen.
London würdigt Hanijas Einsatz
Der britische Premierminister Gordon Brown begrüßte die Nachricht von Johnstons Freilassung ebenso wie Außenminister David Miliband, der darauf verwies, dass die palästinensische Bevölkerung ihre Abscheu gegen über der Entführung zum Ausdruck gebracht habe.
Sowohl Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als auch die Hamas-Führung unter dem von Abbas abgesetzten Premierminister Hanila hätten das Kidnapping scharf verurteilt. „Ich erkenne die Rolle, die sie beim Erreichen dieses glücklichen Ausgangs gespielt haben, vollkommen an“, sagte Milliband.
Auch Israel begrüßte die Freilassung des Journalisten. Nun hoffe die Regierung auf die Befreiung Schalits, sagte eine Sprecherin. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Berlin, er hoffe, dass nun auch der vor mehr als einem Jahr verschleppte israelische Soldaten Gilad Schalit endlich seine Freiheit zurück erhalte.
Steinmeier würdigte Johnston als einen „respektierten Journalisten, dessen Anliegen war und ist, die Lage im Gazastreifen der Weltöffentlichkeit vor Augen zu führen“. BBC-Generaldirektor Mark Thompson sprach von einer „fantastischen Neuigkeit“ und dankte allen an der Freilassung Beteiligten sowie der britischen und internationalen Öffentlichkeit für die Unterstützung der Kampagne zur Freilassung des Gaza-Korrespondenten.
Ausweichend äußerte sich die BBC, ob Johnston Stelle in Gaza neu besetzt wird. Johnstons Zeit als Gaza-Korrespondent wäre Ende März, also kurz vor seiner Entführung, etatmäßig ausgelaufen. Die Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“ erklärte, es sei „großartig“, dass Johnston frei sei. Das Engagement der Organisation habe sich gelohnt. Die Palästinensische Autonomiebehörde müsse nun alles daran setzen, wieder mehr Sicherheit für Berichterstatter zu schaffen. Zudem müsse die „Straflosigkeit für Kidnapper“ ein Ende haben.
Der mehrfach preisgekrönte Journalist Johnston war seit 2004 Korrespondent der BBC in Gaza und arbeitete als letzter westlicher Reporter dauerhaft im Gazastreifen. Am 24. Juni tauchte ein Video auf, dass den Journalisten mit einem Bombengürtel zeigte. Diesen würden seine Entführer sprengen, wenn es einen Befreiungsversuch gebe, hatte Johnston in der Aufzeichnung gesagt. Im Gazastreifen wurde bislang keine Geisel so lang gefangen gehalten wie er.
Gibts da nicht noch eine Israelische Geisel?
Friederine Teich-Erdmann (Teich-Erdmann)
- 04.07.2007, 10:33 Uhr
Was die Fatah nicht erreichte
Christian Erb (schukow)
- 04.07.2007, 12:34 Uhr
Geisel oder Kriegsgefangener?
Klaus Meyer (deutschlaender2)
- 04.07.2007, 13:28 Uhr
Gott sei Dank!
Ilja Goldins (ilja23)
- 04.07.2007, 13:50 Uhr
Nett von der Hamas,
Bernhard Sporkmann (bsfaz)
- 04.07.2007, 14:56 Uhr