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G8-Gipfel Immerhin ein Anruf für die Kanzlerin

26.05.2011 ·  Obama und Medwedjew, aber kein Strauss-Kahn: Frankreichs Präsident Sarkozy genießt seinen Auftritt als Gastgeber des G-8-Gipfels in Deauville. Deutschland und Bundeskanzlerin Merkel spielen nur eine Nebenrolle.

Von Michaela Wiegel, Deauville
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Auf den „planches“, den Planken der wohl berühmtesten Strandpromenade Frankreichs in Deauville, ist Nicolas Sarkozy schon als kleiner Junge gern herumgetollt. Jetzt hat er sich das feine Seebad an der Ärmelkanalküste als Kulisse gewählt, um sich mit den Großen der Welt in Szene zu setzen. Auf dem Deauviller Laufsteg feiert der 56 Jahre alte Präsident ein doppeltes politisches Comeback.

Wirkte er zu Jahresbeginn von dem friedlichen Umsturz in Tunesien und in Ägypten überrollt und als Leitfigur der „Union für das Mittelmeer“ in der EU desavouiert, hat Sarkozy seine außenpolitische Führungsrolle in Europa zurückerobert. Das Forum der sieben wichtigsten Industriestaaten und Russlands - G 8 - nutzt der französische Präsident geschickt, um eine Wertegemeinschaft mit den Akteuren des „arabischen Frühlings“ hervorzuheben.

Sarkozy profiliert sich immer mehr als Anwalt der nach Freiheit strebenden Völker und will von der früheren französischen Stabilitätsdoktrin, die bereitwillig Diktatoren in Kauf nahm, nichts mehr wissen. Als Gastgeber in der Normandie setzt der Präsident die Akzente und lässt sich als Wohltäter der demokratiewilligen Völker in Nordafrika darstellen. Der tunesische und der ägyptische Regierungschef sind in Deauville Ehrengäste, während die Nato in Libyen ihren Militäreinsatz intensiviert.

Sarkozy hat das französische Engagement ausgeweitet, indem er Kampfhubschrauber nach Libyen schickte. Der Gastgeber ehrt im Kreise der G 8 aber auch seine eigene Afrikapolitik und hat jene afrikanischen Staatschefs eingeladen, die aus französischer Sicht Fortschritte hin zum demokratischen Wandel gemacht haben. Der ivorische Präsident Alassane Ouattara, an dessen Amtseinführung Sarkozy teilgenommen hatte, aber auch die Präsidenten Guineas und Nigers, Alpha Condé und Mahamadou Issoufou, wurden in Deauville als Vorreiter der Öffnung gewürdigt.

Von Medwedjew und Obama hofiert

Deauville bildet zudem einen wichtigen Markstein für eine überraschende innenpolitische Wende, deren Auswirkungen auf die französische Präsidentenwahl im nächsten Frühjahr noch niemand abschätzen kann. Der Sozialist Dominique Strauss-Kahn hatte geplant, sich den Franzosen vor den prächtigen Villen der normannischen Sommerfrische ein letztes Mal als Weltenlenker an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu präsentieren.

Dann wollte er sich vom IWF in den sozialistischen Vorwahlkampf verabschieden. Die Bilder von Deauville sollten den Auftakt für die Rückkehr von „DSK“ auf die französische Bühne bilden. Stattdessen ist Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung und sechs anderen Straftatbeständen in New York angeklagt. Fernsehaufnahmen aus New York zeigten einen grinsenden Strauss-Kahn, wie er in eine Luxuslimousine stieg, um ein neues Domizil zu beziehen - eine luxuriöse Villa im Stadtteil Tribeca mit einer Monatsmiete von 50.000 Dollar.

Sarkozy hingegen genoss es sichtlich, sich am Donnerstag vor dem Kasino von Deauville mit den Präsidenten Obama und Medwedjew vor den Kameras in Szene zu setzen - unter dem Jubel der Schaulustigen, die hinter Sperrgittern geduldig gewartet hatten. So sieht sich der im Kalten Krieg aufgewachsene Sarkozy am liebsten, als einer der Mächtigen, den die Präsidenten Amerikas und Russlands hofieren. Der Kontrast zu seinen möglichen Herausforderern aus der Sozialistischen Partei ist groß.

François Hollande hat noch kein Ministeramt ausgeübt und gilt höchstens in der Corrèze, einem im Südwesten gelegenen Département, als Lokalfürst. Martine Aubry, die Bürgermeisterin von Lille und Parteivorsitzende, sitzt noch nicht einmal in der französischen Nationalversammlung. „In der Sozialistischen Partei gibt es niemanden mehr, der es mit der internationalen Statur Sarkozys aufnehmen könnte“, sagt ein Berater des Staatspräsidenten. Eine mögliche Nachfolgerin für Strauss-Kahn hat Sarkozy schon mit ungewohnter persönlicher Zurückhaltung ins Spiel gebracht. Eines der Themen seiner Unterredung mit dem amerikanischen Präsidenten sollte die Kandidatur seiner Finanzministerin Christine Lagarde für die IWF-Spitze sein.

Sarkozy wird sich hüten, allzu große Nähe mit der Bundeskanzlerin zu zeigen

Ein Vier-Augen-Gespräch mit der Bundeskanzlerin hat der vielbeschäftigte Präsident nicht geplant. Seit dem deutschen Veto zum Libyen-Einsatz im UN-Sicherheitsrat hält sich Sarkozy in außen- und sicherheitspolitischen Fragen lieber an den britischen Premierminister Cameron und Präsident Obama. Das hindert den französischen Präsidenten allerdings nicht daran, eine neue Sicherheitspartnerschaft mit Russland zu zelebrieren. In Deauville einigten sich Medwedjew und Sarkozy über die letzten strittigen Punkte zum Verkauf des französischen Hubschrauberträgers „Mistral“ an Russland. Die Bundeskanzlerin hatte Sarkozy zur Vorbereitung auf den G-8-Gipfel immerhin angerufen.

Über das Telefongespräch sickerte in den französischen Medien so viel durch, dass weiterhin kein Staat zu machen sei mit der Kanzlerin bei einem weiteren der Themen des Gipfels, der nuklearen Sicherheit. So fand Sarkozy im japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan einen Verbündeten in seinem Bestreben, „alle Lehren aus der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe von Fukushima“ zu ziehen und zugleich an der zivilen Nutzung der Kernenergie festzuhalten. Sarkozy dürfte sich ohnehin hüten, sich in allzu großer Nähe mit der Bundeskanzlerin zu zeigen, verbindet beide mit dem Seebad die ungute Erinnerung an das sogenannte „Diktat von Deauville“. So nannten die anderen Verantwortlichen der Euro-Zone den im vergangenen Oktober ausgeheckten Versuch, die europäische Währungsunion im deutsch-französischen Parforceritt zu reformieren. An den verpatzten Auftritt will sich der französische Präsident lieber nicht mehr erinnern.

Die Show konnte Sarkozy am Donnerstag nur seine 43 Jahre alte Ehefrau Carla Bruni-Sarkozy stehlen. Sie empfing an der Villa Strassburger in einem weiten weißen Kleid zu eleganter dunkler Jacke die Ehepartner der Staats- und Regierungschefs und ließ ihre Hand merklich stolz über ihren Bauch gleiten. Dass schon bald wieder ein kleiner Sarkozy über die „planches“ krabbeln könnte, hielten einige französische Berichterstatter für die wichtigste Nachricht des Gipfeltreffens.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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