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Fürst Albert II. von Monaco „Unser Finanzplatz muss mustergültig sein“

27.02.2008 ·  Nach dem Steuerskandal mit Liechtenstein richten sich die Blicke auch auf das Steuerparadies Monaco. Fürst Albert II. spricht im Interview mit der F.A.Z. über den „tadellosen“ Finanzplatz seines Kleinstaats, Umweltschutz und das Verhältnis zur EU.

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Nach dem Steuerskandal mit Liechtenstein richten sich die Blicke auch auf das Steuerparadies Monaco. Fürst Albert II. spricht im Interview mit der F.A.Z. über den „tadellosen“ Finanzplatz seines Kleinstaats, Umweltschutz und das Verhältnis zur EU.

Mon Seigneur, seit Ihrer Inthronisierung im November 2005 haben Sie das „Geschäftsmodell“ Monaco zielstrebig verändert. Was versprechen Sie sich von Ihrem Besuch bei Bundeskanzlerin Merkel?

Gern schicke ich voran, dass ich seit mehr als 30 Jahren regelmäßig Deutschland besuche und Ihr Land, die deutsche Kultur, den Austausch mit den Deutschen sehr schätze. Übrigens stammt meine Urgroßmutter mütterlicherseits aus Heppenheim. Das Ziel meines Besuches ist es, die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu intensivieren, ob in der Wirtschaft, der Kultur oder der Politik. Mich interessieren besonders die umweltpolitischen Schwerpunkte, die Deutschland in den vergangenen Jahren gesetzt hat. In der Solartechnik, deren Nutzung ich in Monaco verstärken will, sind deutsche Unternehmen führend. Aber natürlich sollen auch alle anderen Themen zur Sprache kommen.

Nach dem Steuerskandal mit Liechtenstein richten sich die Blicke auch auf das Steuerparadies Monaco. Wie reagieren Sie auf Vorwürfe, international nicht kooperativ zu sein?

Unser Finanzplatz muss mustergültig sein. Das Fürstentum ist seit mehreren Jahren bestrebt, unseren Bankenstandort den internationalen Vorsichtsregeln anzupassen. Wir wenden die EU-Zinsrichtlinie an, welche die Zinseinkünfte von Steuer-Ausländern betrifft. Die Bedingungen sind vergleichbar mit denen in anderen europäischen Ländern, das heißt, wir erheben eine Quellensteuer auf Zinseinkünfte von 15 Prozent, die dieses Jahr auf 20 Prozent angehoben wird.

Unsere Fortschritte sind beachtlich, aber Tadellosigkeit allein reicht nicht. Ich will, dass der Finanzplatz Monaco sich diversifiziert. Damit meine ich, dass wir uns künftig nicht nur auf die Vermögensverwaltung konzentrieren, sondern andere Finanzprodukte anbieten und ein vollwertiger internationaler Finanzplatz werden. Ich habe mich zum Beispiel für Umweltfonds und Emissionshandel eingesetzt.

Das klingt fast so, als wollten Sie den Umweltschutz zum Leitmotiv Ihrer Regentschaft erheben?

Ja, mein Bestreben ist es, Monaco weiterzuentwickeln, im Bewusstsein für die ökologische Verantwortung, die wir als wohlhabender Staat tragen. Deshalb habe ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren die umweltpolitischen Anstrengungen verstärkt, ob in der Wirtschaft oder im Tourismus. Sie sehen das zum Beispiel im Transportwesen, wo wir mit Biodiesel-Bussen arbeiten, oder bei der Mülltrennung. Der Fürstenpalast wird mit Solarkollektoren umgerüstet. Ich habe mehrere Elektrikautomodelle ausprobiert, jetzt fahre ich ein Hybridauto. Das soll bedeuten: Jeder kann zur nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Welche Grenzen setzt Ihr ökologischer Ehrgeiz der Entwicklung Monacos?

Es ist nicht unmöglich, Ziele der nachhaltigen Entwicklung und eines robusten Wirtschaftswachstums miteinander zu kombinieren. Wenn uns das in den kommenden Jahren gelingt, und das ist mein Anspruch, dann könnte Monaco ein Vorbild werden für andere Länder. Mit dieser Perspektive habe ich auch meine Stiftung gegründet, die in nur knapp zwei Jahren Existenz schon 52 Umweltprojekte in fünf Weltregionen trägt.

Den Rat Ihres früheren Umweltministers Klaus Töpfer, der im Aufsichtsrat meiner Stiftung sitzt, schätze ich sehr. Das Kriterium der nachhaltigen Entwicklung ist bei allen Projekten in Monaco gegenwärtig. Nehmen Sie unser Vorhaben, eine schwimmende Stadterweiterung in der Bucht zu errichten, mit Wohnhäusern, Grünflächen und Bürogebäuden. Ich muss bis zum Jahresende darüber entscheiden, aber ich werde nur ein Projekt akzeptieren, das die strikten Umweltauflagen einhält.

Wie bewerten Sie die Initiative des französischen Staatspräsidenten, eine Mittelmeerunion zu begründen?

Monaco ist aufgrund seiner Lage schon seit langem an einer verstärkten Zusammenarbeit im Mittelmeerraum interessiert. In der Vergangenheit hat Monaco die Initiative ergriffen, ich denke an das Ramoge-Abkommen mit Italien und Frankreich, um gegen die Verschmutzung der Mittelmeerküste zu kämpfen und Artenvielfalt und Pflanzenwelt zu schützen.

Ich leite auch die Wissenschaftskommission CIESM, das ist ein einzigartiger Zusammenschluss zur wissenschaftlichen Erforschung des Mittelmeers, dem 23 Länder angehören, auch Deutschland. Aber die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ufern des Mittelmeers ist noch verbesserungswürdig. Ich wünsche, dass Monaco zu dieser Zusammenarbeit einen Beitrag leisten kann und als Ort des mediterranen Dialogs und Austausches zur Verfügung steht. Ich glaube, Monaco hat die Legitimität, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Monaco ist über die Zollunion mit Frankreich eng mit der EU verknüpft, der Euro ist die monegassische Landeswährung, das Fürstentum gehört zum Schengen-Raum. Sind Sie zufrieden mit ihrem Verhältnis zur EU?

Unsere Überlegungen über eine stärkere Annäherung an die EU sind in vollem Gange, denn unser Status als Drittland im Verhältnis zur EU bringt gewisse Schwierigkeiten mit sich, besonders in der Handelspolitik. Wir hoffen, dass wir die Beziehungen zur EU noch verbessern können. Von Gesprächen mit Verantwortlichen der EU-Kommission erhoffe ich, dass sie dazu beitragen, die Schwierigkeiten auszuräumen.

Was leitet Sie, wenn Sie Entscheidungen über die Zukunft Monacos fällen müssen?

Es gibt viele Dinge, die mich leiten, die Staatsreligion, die in unseren Institutionen, in unseren Werten verankert ist, zählt dazu. Aber auch meine Erfahrung als Hochleistungssportler hat mich sehr geprägt, ich wäre ohne sie ein anderer Mensch. Ich habe gelernt, mich selbst zu überwinden, ein Ziel zu erreichen, Ausdauer und Willenskraft zu stärken. Besonders wenn man Verantwortung trägt, ist das wichtig.

Sie feiern in Kürze Ihren 50. Geburtstag, wann heiraten Sie?

Ich habe immer versucht, mein Privatleben zu schützen, und ich werde es weiter versuchen, bis zum letzten Tag. Ich habe übrigens nie ausgeschlossen, dass ich eines Tages eine Familie gründen werde, aber vielleicht habe ich nicht das gleiche Timing wie andere Menschen.

Das Gespräch führte Michaela Wiegel

Quelle: F.A.Z.
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