11.12.2010 · Mehrere Zeitungen in Pakistan sind auf gefälschte Wikileaks-„Enthüllungen“ hereingefallen, wonach sich angeblich amerikanische Diplomaten verheerend über den Erzrivalen Indien geäußert haben. Es sei der erste Fall in dem Wikileaks für Propagandazwecke ausgenutzt wurde, hieß es.
Nach der Veröffentlichung von geheimen Botschaftsberichten durch die Enthüllungsplattform Wikileaks führen jetzt auch gefälschte Dokumente zu Verwirrung. Mehrere große Zeitungen in Pakistan sind auf gefälschte Wikileaks-„Enthüllungen“ hereingefallen, wonach sich angeblich amerikanische Diplomaten verheerend über den Erzrivalen Indien geäußert haben.
Die Zeitung „The Express Tribune“ entschuldigte sich am Freitag bei ihren Lesern. Das Blatt habe die von der pakistanischen Nachrichtenagentur „Online“ verbreitete Geschichte „ohne notwendige Verifizierung“ übernommen.
Mehrere Zeitungen hatten die Agenturmeldung am Donnerstag gedruckt. Die britische Zeitung „Guardian“ hatte anschließend berichtet, dass sich in den Wikileaks-Datenbanken kein entsprechender Bericht befinde. Die Zeitung schrieb vom „ersten Fall, in dem Wikileaks für Propagandazwecke ausgenutzt wird“.
Amerikanischer Botschafter soll im Auswärtigen Ausschuss aussagen
Unterdessen hieß es, dass der amerikanische Botschafter in Deutschland, Philip Murphy am kommenden Mittwoch im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages zu den bei Wikileaks veröffentlichten amerikanischen Diplomatendepeschen Stellung nehmen soll. Das berichtet die Zeitung „Rheinische Post“ in ihrer Samstagsausgabe. Murphy werde auf Einladung der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe vor rund 100 Abgeordneten reden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Botschafterkreise.
Murphy war in die Kritik geraten, nachdem Wikileaks 250.000 teils geheime amerikanische Diplomatenberichte veröffentlicht hatte, in denen sich die Amerikaner auch kritisch über deutsche Politiker geäußert hatten.
Demonstrationen gegen Assange-Verhaftung
Nach den Hackerangriffen im Internet haben Unterstützer von Wikileaks auch mit Kundgebungen auf der Straße für eine Freilassung des Wikileaks-Gründers Julian Assange protestiert (Video: Demonstrationen für Julian Assange). In Assanges Heimatland Australien demonstrierten am Freitag Hunderte Menschen gegen seine Inhaftierung. Zuvor hatten Hacker Cyber-Attacken auf die Seite von Unternehmen gestartet, die ihre Zusammenarbeit mit Wikileaks eingestellt haben. Auch die Internetseite der schwedischen Regierung war betroffen.
In den Niederlanden wurde ein 16 Jahre alter Jugendlicher festgenommen (Jugendlicher wegen Wikileaks-Racheakt festgenommen). Er habe zugegeben, sich an den Hackerangriffen auf die Seiten der Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard beteiligt zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Jugendliche sei „wahrscheinlich Teil einer größeren Hacker-Gruppe“. Weitere Festnahmen, auch in anderen Ländern, seien denkbar, hieß es am Freitag bei der Staatsanwaltschaft in Den Haag. Kurz danach legten Unbekannte für mehrere Stunden die Website der Behörde lahm. Auch Seiten der niederländischen Polizei wurden gestört.
Assange war am Dienstag in London verhaftet worden, weil in Schweden gegen ihn wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung ermittelt wird.
Ziemlich viel für einen Artikel
Frank Richter (Fra_Richter)
- 11.12.2010, 12:11 Uhr
Ist Wikileaks wirklich unzensierte, authentische Wahrheit?
Kurt Becker (Kurt.Becker)
- 11.12.2010, 17:17 Uhr