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Florian Philippot tritt zurück : Die schwere Krise des Front National

Front-National-Chefin Marine Le Pen mit ihrem Ideengeber, dem bisherigen Partei-Vize Florian Phillippot Bild: AP

Die rechtsextreme Partei kämpft mit der Niederlage bei der französischen Präsidentenwahl. Mit Florian Philippot verliert Marine Le Pen jetzt auch noch ihren wichtigsten Ideengeber. Wie geht es weiter mit dem Front National?

          Der Front National schlittert immer tiefer in die Krise. Mit dem Rücktritt des stellvertretenden Parteivorsitzenden Florian Philippot verliert Marine Le Pen ihren klügsten Kopf. „Marines Hirn“ nannten sie den Ena-Absolventen Philippot im Parteihaus in Nanterre und tatsächlich wäre der Aufstieg der Parteivorsitzenden seit 2011 zur ernstzunehmenden Präsidentschaftskandidatin ohne ihren Ideengeber nicht denkbar gewesen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Doch Philippot wachte auch über die Kohärenz des Programms und pochte in den vergangenen Wochen besonders darauf, dass die Ideen des FN zur „nationalen Präferenz“ und souveräner Selbstbestimmung unvereinbar mit dem Verbleib im Euro und in der EU seien. Dieses Festhalten Philippots am Euro-Ausstieg bildet den eigentlichen Grund für das Zerwürfnis der Parteivorsitzenden mit ihrem zweiten Mann.

          Offiziell wurde Philippots Weigerung, den Vorsitz der von ihm im Mai gegründeten Bewegung „Les Patriotes“ aufzugeben, als Konfliktursache angegeben. Le Pen hatte ihrem Stellvertreter deshalb bereits am Mittwochabend die Zuständigkeiten im Parteivorstand entzogen. Le Pen behauptete am Donnerstag in einer ersten Reaktion, Philippot habe sich „hasserfüllt“ über seine eigene Partei geäußert. Der abtrünnige Politiker konterte das mit der Bemerkung, die Partei knüpfe „an die alten Dämonen des FN“ an.

          Damit zielte Philippot ganz klar auf diejenigen in der Führungsspitze ab, die sich künftig nur noch mit fremdenfeindlichen Unterton auf die Themen Einwanderung und Sicherheit konzentrieren und das Europa-Thema fallen lassen wollen. Le Pen hat sich nach der Wahlniederlage der bequemen Interpretation angeschlossen, dass der Euro-Ausstieg schuld an ihrem Scheitern war. Ihr persönliches Versagen beim Fernsehduell zwischen den beiden Wahlgängen wollte sie auf diese Weise vertuschen.

          Da war die Stimmung noch gut: Florian Philippot und Marine Le Pen 2011 in Nanterre bei Paris.

          Doch gerade die Philippot-Getreuen, die sich in der Bewegung „Les Patriotes“ zusammengeschlossen haben, machten sich immer häufiger über die flagranten Kompetenzmängel der 49 Jahre alten Parteichefin lustig. Im entscheidenden Fernsehduell hatte sie etwa das Telekomunternehmen SFR mit dem Turbinenhersteller Alstom verwechselt.

          Identitärer Flügel empört über Philippots Couscous-Lob

          Der Führungskrieg gipfelte Mitte September in das sogenannte Couscous-Gate. Philippot war am 13. September mit Gefolgsleuten in einem Straßburger Restaurant eingekehrt, um dort Couscous zu essen. Das Foto von der fröhlichen Runde, die „das beste Couscous Straßburgs“ lobte, machte in den sozialen Netzwerken die Runde. Das brachte den identitären Flügel des FN auf, der seit dem freiwilligen Rückzug der Nichte Marion Maréchal-Le Pen führungslos ist.

          Philippot habe nicht nur mit seinen Euro-Ausstiegsszenarien das Scheitern Le Pens bei den Präsidentenwahlen bewirkt, jetzt vernachlässige er auch sträflich die elsässische Lokalkultur, empörte sich etwa Jean-Yves Le Gallou, der „Vater“ des Konzeptes über die nationale Präferenz. Dass sich Philippot ausgerechnet an einem nordafrikanischen Gericht erfreue, sei eine Provokation. Der Parteivize rechtfertigte sich damit, dass „Coucous“ von vertriebenen französischen Siedlern aus Algerien in Frankreich eingeführt worden sei.

          In den sozialen Netzwerken wurde Philippot von FN-Anhängern vorgehalten, er sei „kein Patriot“, weil er Couscous esse. „Der Front National wird sich vom Rücktritt Florian Philippots schnell erholen“, sagte Le Pen am Donnerstag. Doch sie kann den Eindruck nicht verwehren, wie einsam es inzwischen um sie geworden ist.  Der nächste Parteitag soll erst Anfang 2018 stattfinden.

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