15.10.2009 · Die Entscheidung für die Vergabe des Friedensnobelpreises an Barack Obama ist offenbar erst nach langem Streit gefallen. In seltener Offenheit haben Mitglieder der Jury Kritik anklingen lassen. Auch der Krieg in Afghanistan war Grund für die Bedenken.
Das Osloer Nobelkomitee hat sich anscheinend erst nach heftigem Streit darauf geeinigt, den Friedensnobelpreis an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama zu vergeben. Die Osloer Zeitung „Verdens Gang“ berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Kreise um die Jury, dass drei der fünf Mitglieder lange Zeit dagegen gewesen seien. Die Auszeichnung Obamas in der vergangenen Woche hatte international gemischte Reaktionen hervorgerufen.
Das Komitee besteht aus fünf nach einem Parteienproporz ausgewählten Mitgliedern und wird vom früheren sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland geleitet. Nach Angaben von „Verdens Gang“ sollen die ehemalige konservative Ministerin Kaci Kullmann Five, die Linkssozialistin Agot Valla und Inger Marie Ytterhorn von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei mit unterschiedlichen Begründungen gegen die Vergabe des Preises an Obama argumentiert haben.
„Ich hätte mehr Diskussion erwartet“
Während Ytterhorn die Vergabe nur achteinhalb Monate nach Obamas Amtsantritt im Weißen Haus für zu früh und zu riskant hielt, verwies Valla auf den von den Vereinigten Staaten weiter geführten Krieg in Afghanistan. „Ich hätte mehr Diskussion erwartet, vor allem in Bezug auf den Krieg in Afghanistan, den ich selbst problematisch finde“, sagte Valla der Zeitung „Bergens Tidende“.
Ytterhorn hatte am Vortag gegenüber amerikanischen Medien gesagt, nach ihrem Eindruck sei Obama nicht sehr froh über die Vergabe des Friedensnobelpreises gewesen. Öffentliche Äußerungen von Komiteemitgliedern über den streng geheimen Entscheidungsprozess sind sehr selten.
Als treibende Kraft hinter der am Ende einstimmig gefassten Entscheidung gilt der Sozialdemokrat Jagland, der von seiner Parteikollegin Sissel Rønnebek unterstützt worden sein soll. Jagland begründete die Auszeichnung Obamas damit, dass dieser die globale politische Grundstimmung schon in kurzer Zeit positiv verändert habe. Dabei habe man den Präsidenten unterstützen wollen. Obama will zur Verleihung des Preises am 10. Dezember nach Oslo reisen.