Home
http://www.faz.net/-gpf-75qd6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Französische Aktion in Somalia Makabre Leichenschau befürchtet

Paris sorgt sich nach der missglückten Kommandoaktion in Somalia um die Geisel - einen französischen Geheimagenten. Die Shabaab-Miliz will die getöteten Soldaten zur Schau stellen.

© AFP Vergrößern Vor die somalische Küste verlegt: Der Hubschrauberträger „Mistral“ (Archivbild)

Nach der gescheiterten Aktion zur Geiselbefreiung in Somalia befürchtet Frankreich, dass die islamistische Miliz Al Shabaab eine „makabre Leichenschau“ organisiert. Das sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Montag in Paris. Nach französischer Einschätzung haben die islamistischen Milizen ihre Geisel, einen französischen Geheimagenten mit dem Decknamen Denis Allex, sowie den beim Sturm des Verstecks verwundeten französischen Soldaten getötet.

Michaela Wiegel Folgen:    

Der Tod eines weiteren Soldaten war bereits am Samstag in Paris bestätigt worden. „Alles deutet darauf hin, dass die Geisel ermordet und ein weiterer Soldat getötet wurde“, sagte Le Drian am Montag. Die Shabaab-Miliz teilte mit, der Soldat sei „seinen Verletzungen erlegen“ und werde mit seinem getöteten Kameraden „zur Schau gestellt“.

Wie inzwischen bekannt wurde, hatte Frankreich für die Aktion unter höchster Geheimhaltung den modernen Hubschrauberträger „Mistral“ sowie die Fregatte „Chevalier Paul“ vor die somalische Küste verlegt. Über den neuen französischen Militärstützpunkt in Abu Dhabi, den Präsident François Hollande an diesem Dienstag besuchen will, wurde schweres Material weitertransportiert. Ziel der Operation war es, den Mitte Juni 2009 in Mogadischu entführten französischen Geheimdienstoffizier zu befreien. Denis Allex war mit einem anderen Offizier von den Shabaab verschleppt worden. Der andere Offizier kam wenige Wochen nach der Entführung frei, vermutlich gegen Lösegeld. Hollande soll schon im Dezember, nachdem das Versteck der Geiselnehmer gefunden worden war, den Einsatzbefehl für die Befreiungsaktion gegeben haben. Wegen günstigerer Wetterbedingungen erfolgte der Einsatz erst in der Nacht zum 11. Januar und damit fast gleichzeitig mit dem Beginn des Kampfeinsatzes in Mali, erläuterte Le Drian.

Amerikanische Hilfe

Ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug leistete den französischen Geheimdiensten Hilfe. Das Versteck der Geiselnehmer war in der Nähe der Ortschaft Bulomarer südlich von Mogadischu geortet worden. Sechs Kampfhubschrauber wurden eingesetzt. Das Befreiungskommando unter Leitung des Auslandsgeheimdienstes DGSE soll laut Informationen der Zeitschrift „Le Point“ aus etwa 50 Mann der Eliteeinheit Cos (Commandement des opérations spéciales) bestanden haben. Nach den Worten des französischen Verteidigungsministers müssen die islamistischen Milizen gewarnt worden sein. „Der Widerstand fiel wesentlich größer als erwartet aus“, sagte Le Drian. Nach französischer Zählung wurden 17 Milizionäre getötet.

In jüngerer Zeit hat Frankreich mehrere schwere Rückschläge bei Befreiungsaktionen auf dem afrikanischen Kontinent erlebt. Am 8. Januar 2011 wurden bei einer Befreiungsaktion zwei junge Franzosen auf malischen Staatsgebiet getötet. Sie waren wenige Stunden zuvor von islamistischen Gruppen in Niamey gekidnappt worden. Im Sommer 2010 wurde der 78 Jahre alte französische Ingenieur Michel Germaneau von seinen Geiselnehmern hingerichtet, nachdem französische und mauretanische Spezialkräfte ihn zu befreien versucht hatten.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Al Shabaab in Somalia Amerikanische Drohne tötet Milizführer

Ein Führer der somalischen al Shabaab-Miliz ist von einer Drohne der amerikanischen Armee getötet worden. Amerika macht ihn für den Anschlag auf das Westgate-Kaufhaus in Nairobi 2013 verantwortlich. Mehr Von Thomas Scheen, Johannesburg

19.03.2015, 14:15 Uhr | Politik
Syrien Hizbullah-Kommandeure bei Luftangriff getötet

Der Sohn eines früheren Militärchefs der islamistischen Hizbullah-Miliz ist bei einem israelischen Luftangriff in Syrien getötet worden. Außerdem starben ein Kommandeur und drei weitere Kämpfer der islamistischen Schiiten-Gruppe. Mehr

19.01.2015, 11:54 Uhr | Politik
21 Tote bei Anschlag in Tunis Präsident will Terroristen endgültig ausschalten

Bei einem Angriff auf das Nationalmuseum in Tunis sind mindestens 21 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern sind 17 ausländische Touristen, darunter auch ein Deutscher. Präsident Béji Caïd Essebsi fordert, das Land müsse alle Kräfte mobilisieren.  Mehr

18.03.2015, 18:44 Uhr | Politik
Paris und Jerusalem Trauer um Pariser Anschlagsopfer

Bei feierlichen Zeremonien in Paris und Jerusalem ist der Todesopfer der Anschläge der vergangenen Woche gedacht worden. In der französischen Hauptstadt ehrte Präsident Hollande die drei getöteten Polizisten posthum mit dem Orden der Ehrenlegion, der höchsten Auszeichnung des Landes. Mehr

13.01.2015, 17:20 Uhr | Politik
Jüdischer Supermarkt in Paris Eine mutige Wiedereröffnung

Der jüdische Supermarkt Hyper Cacher in Paris, wo im Januar vier Kunden von dem islamistischen Attentäter Coulibaly erschossen worden waren, hat seine Pforten wieder geöffnet. Doch die Verunsicherung der Juden in Frankreich bleibt. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

15.03.2015, 16:29 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.01.2013, 16:05 Uhr

Seehofer wird zum berechenbaren Risiko

Von Albert Schäffer

Horst Seehofer will nicht von der Macht lassen. Seiner Partei und dem Land nutzt der bayerische Ministerpräsident damit nicht. Die CSU könnte dafür 2018 die Endrechnung erhalten. Mehr 4 4