http://www.faz.net/-gpf-8v37a

Präsidentschaftskandidat : Buhrufe für Macrons Kolonialkritik

Frankreichs neue Politikhoffnung im Umfragetief: Emmanuel Macron Bild: AFP

Emmanuel Macron gilt als aussichtsreicher Kandidat für die nächste Präsidentenschaft in Frankreich. Nach seinen Äußerungen über Frankreichs Vergangenheit gerät er nun unter Druck. Damit geht er anders um als sein Konkurrent.

          Ist der Höhenflug des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron in den Umfragen schon beendet? Laut jüngsten Erhebungen liegt der frühere Wirtschaftsminister zwei Monate vor dem ersten Wahlgang nur noch bei 18,5 Prozent und damit gleichauf mit dem angeschlagenen Kandidaten der bürgerlichen Rechten, François Fillon. Besonders im Süden des Landes scheint Macron seine harsche Kritik an der französischen Kolonialvergangenheit geschadet zu haben.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bei einem Wahlkampfbesuch in Carpentras am Wochenende wurde der 39 Jahre alte Jungstar der französischen Politik von aufgebrachten Passanten ausgebuht. In Toulon sprach er vor einem nur halb gefüllten Saal, das Publikum applaudierte kaum. Macron entschuldigte sich ungelenk dafür, die Kolonialzeit in Algerien bei einem Besuch in Algier als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet zu haben. Er bedauere es, wenn er Franzosen damit „verletzt und beleidigt“ habe. „Das war nicht, was ich wollte“, sagte Macron. Dann fügte er hinzu: „Weil ich Präsident sein will, habe ich Sie verstanden!“

          Das sollte offensichtlich eine Anspielung auf die berühmte Äußerung Charles de Gaulles sein, der in Algier den auf eine Fortsetzung des Kolonialregimes hoffenden Franzosen gesagt hatte: „Ich habe Sie verstanden!“ Die Aussage hinderte de Gaulle nicht daran, Geheimverhandlungen über eine Ablösung der drei französischen Départements auf algerischem Boden zu führen. Macron wird jetzt ähnliche Doppeldeutigkeit vorgeworfen. Führende Politiker zweifelten an seiner außenpolitischen Kompetenz.

          „Macron wird mit Herausforderungen wie Trump oder Putin nicht fertig“

          „Emmanuel Macron fehlt es an Standvermögen für den Präsidentenposten“, sagte die Vorsitzende der Hauptstadtregion Ile-de-France, Valérie Pécresse. „Wenn man in Algerien über Verbrechen gegen die Menschlichkeit spricht, die Frankreich begangen haben soll, und hinterher in Toulon sagt, die Kolonialzeit sei doch ganz gut gewesen, dann hat man keine Überzeugungen“, sagte Pécresse. Sie glaube nicht, dass Macron mit Herausforderungen wie Trump und Putin fertig werde. „Emmanuel Macron verbringt seine Zeit damit, sich zu widersprechen“, kritisierte der frühere republikanische Haushaltsminister Eric Woerth. Macron wolle nicht überzeugen, sondern nur verführen

          Auch die Rechtspopulistin Marine Le Pen attackierte den Rivalen scharf: „Warum glauben Sie, dass Emmanuel Macron nach Algerien gereist ist? Um zu erklären, dass die Kolonisierung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war, aber vor allem, um den Leuten dort Visa zu versprechen, noch mehr Visa. Er will sich neue Wählergruppen erschließen und deshalb ist er bereit, sich zu kompromittieren.“ Le Pen spielte darauf an, dass für Präsident Hollande 2012 die Stimmen der Franzosen mit Einwanderungshintergrund wahlentscheidend waren. Sie äußerte den Verdacht, dass Macron deshalb versucht haben könnte, sich bei den Franko-Algeriern einzuschmeicheln.

          Immer häufiger wird gegen Macron auch der Vorwurf laut, dass sein Programm weitgehend unbekannt ist. Es soll am 2. März vorgestellt werden. An diesem Dienstag wird Macron in London erwartet – er will dort seine außenpolitische Statur stärken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Panne bei Hessenwahl : „Fehler können passieren“

          Für den hessischen Landeswahlleiter ist der Rummel um Tausende falsch ausgezählte Stimmen am Wahlabend in Hessen unverständlich. Fehler seien normal, müssten aber korrigiert werden. Und er hat Verbesserungsvorschläge.
          Angela Merkel in Chemnitz

          Merkel in Chemnitz : „Nicht von denen die Tagesordnung vorgeben lassen“

          Bei ihrem Besuch in Chemnitz will Angela Merkel ein anderes Bild der sächsischen Stadt zeigen. Es sei schrecklich, dass ein Mensch gestorben sei, sagt die Kanzlerin. Das aber rechtfertige nicht, selbst Straftaten zu begehen.

          Richter urteilt gegen Trump : Jim Acosta kehrt ins Weiße Haus zurück

          Ein Bundesrichter zeigt Donald Trump die rote Karte und hebt die Verbannung des CNN-Reporters Jim Acosta aus dem Weißen Haus auf. Acostas Suspendierung sei „mysteriös“, so der Richter. Die Presse feiert einen Sieg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.