19.04.2007 · In den Umfragen liegt Sarkozy vorne. Doch vor dem ersten Wahlgang am Sonntag wird der Präsidentschaftskandidat heftig attackiert. Konkurrent Le Pen unterstellt ihm eine Beziehungskrise, der frühere Minister Begag hält eine Wahl Sarkozys für „eine Tragödie für Frankreich“.
Von Michaela Wiegel, ParisDer in Umfragen führende französische Präsidentschaftskandidat Sarkozy sieht sich kurz vor dem ersten Wahlgang am Sonntag mit heftigen persönlichen Angriffen konfrontiert. Der Rechtsextremist Le Pen, der Sarkozy schon wegen seiner nichtfranzösischen Herkunft attackiert hatte, unterstellt ihm jetzt eine Beziehungskrise. „Ich bin sehr erstaunt, dass sich die Presse so wenig für Madame Sarkozy interessiert, die Frankreichs Première Dame werden könnte“, sagte Le Pen im Radio. Er sprach Gerüchte an, wonach Cécilia Sarkozy ihren Mann abermals verlassen habe.
Der gerade aus der Regierung entlassene Minister für Chancengleichheit, Azouz Begag, der seit Juni 2005 mit Sarkozy am Kabinettstisch saß, sagte dem Magazin „Marianne“, Präsident Chirac werde nicht für Sarkozy, sondern für Bayrou stimmen. „Ich bin davon überzeugt“, sagte er. Auch Premierminister Villepin werde Bayrou wählen.
In seinem Buch „Ein Schaf in der Badewanne“ zeichnet Begag das Bild eines rüpelhaften, machtbesessenen Sarkozy, dessen Wahl „eine Tragödie für Frankreich“ wäre. „Sarkozy hat sich Millionen Menschen zum Feind gemacht, die in der Banlieue leben. Nicht nur Muslime, auch Katholiken, die gegen die Härte seiner Ausländerpolitik sind“, sagte Begag im „Parisien“ am Donnerstag. Der Fußballer Lilian Thuram sagte der spanischen Zeitung „El Mundo“, Sarkozy sei ein Rassist.
„Alles, nur nicht Sarkozy“-Initiativen
Das Nachrichtenmagazin „Marianne“ lässt 60.000 Exemplare seiner jüngsten Ausgabe nachdrucken, die den Titel „Der wahre Nicolas Sarkozy“ trägt. Der Untertitel lautet: „Was die großen Medien nicht enthüllen wollen oder wagen“. „Marianne“-Herausgeber Jean-François Kahn bezeichnet Sarkozy darin als einen Kandidaten, der sich „stalinistischer Propagandamethoden der fünfziger Jahre“ und „faschistischer Rhetorik aus der Vorkriegszeit“ bediene. „Dieser Mann ist in gewisser Weise verrückt“, schreibt Kahn.
Die „Alles, nur nicht Sarkozy“-Initiativen („Tout Sauf Sarkozy, TSS“) haben mit Wahlplakatschmierereien begonnen. Auf viele Wahlplakate Sarkozys wurden Hitler-Bärtchen gekritzelt. In Neuilly-sur-Seine, wo Sarkozy wohnt und lange als Bürgermeister wirkte, versammelt sich regelmäßig ein Komitee von frühmorgendlichen Krachmachern als Antwort auf Sarkozys Wahlkampfversprechen, der Kandidat „der Leute, die früh aufstehen und arbeiten“, sein zu wollen. Mit Trommeln, Tröten und Pfeifen reißen die TSS-Komitees in den Tagen vor dem Wahltermin die Anwohner in Neuilly-sur-Seine aus dem Schlaf.
„Le Monde“ berichtete am Donnerstag, Sarkozy werde von Wahlwerbern Bayrous unterstellt, Frankreich an der Seite Amerikas in militärische Abenteuer verwickeln zu wollen. Wer Sarkozy wähle, der schicke seinen Sohn in einen Krieg gegen Iran. „Meine Gegner haben nichts anderes mehr zu sagen, als meine Person anzugreifen“, sagte Sarkozy bei einem seiner letzten Wahlkampfauftritte in Issy-les-Moulineaux.