Alain Juppé ist noch unentschlossen. Das sagt der Gründungspräsident der UMP jedenfalls, wenn er gefragt wird, wen er sich an der Spitze der rechtsbürgerlichen „Union für eine Volksbewegung“ wünscht. Er selbst wolle sich nicht bewerben: „Ich kandidiere nicht“, sagte der frühere Außenminister. So bleibt es wohl beim angekündigten Duell zwischen Jean-François Copé und François Fillon, das die Zeitung „Le Monde“ als Schlacht zwischen „dem Grobian und dem Hinterlistigen“ ankündigte. Der Machtkampf um das Erbe Nicolas Sarkozys ist inzwischen voll entbrannt. Frankreich fehlt ein Oppositionsführer, der stimmgewaltig wie einst Sarkozy die regierende Linke angreift. Im November wird der neue UMP-Vorsitzende bei einem Sonderparteitag gewählt. Die besten Aussichten haben Copé und Fillon, wenn auch Sarkozys frühere Wahlkampfsprecherin Nathalie Kosciusko-Morizet und der frühere Europa- und Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire ebenfalls kandidieren.
Der 48 Jahre alte Copé hat die Partei als Generalsekretär in den vergangenen Jahren geführt, nachdem er den Vorsitz der UMP-Fraktion in der Nationalversammlung an einen Vertrauten abgegeben hatte. Copé ist ein umtriebiger, ehrgeiziger Mann, der den Parteiapparat und die meisten Abgeordneten hinter sich weiß. Sarkozy misstraute ihm zunächst und hielt ihn vom Kabinettstisch fern, doch der Präsidentenwahlkampf führte die beiden zusammen. Inzwischen stellt sich Copé als der eigentliche Erbe Sarkozys dar. Ihm gelang es, von dem ehemaligen Präsidenten in dessen Sommerfrische am Cap Nègre eingeladen zu werden. Die Villa Carla Brunis an der Côte d’Azur ist zu einer Art Pilgerstätte für die UMP-Granden geworden, die im parteiinternen Machtkampf Rat bei Sarkozy suchen. Copé plauderte nach seiner Zusammenkunft aus, dass er Sarkozy seine Rede vorgetragen habe, mit der er sich kurze Zeit später in Châteaurenard vor UMP-Anhängern offiziell um den Parteivorsitz bewerben sollte.
Fillon zeichnet ein gewisses Phlegma aus
Eine derartige Segnung von höchster Stelle kann François Fillon nicht für sich in Anspruch nehmen. Zwar hat der 58 Jahre alte Mann fünf Jahre lang wacker die Regierungsgeschäfte für Sarkozy geführt. Aber der frühere Premierminister ließ in jüngsten Interviews eine gewisse Distanz zu seinem früheren Dienstherren erkennen. Der „Fillonismus“ sei „gelassener und pragmatischer“ als der Sarkozysmus, merkte er an. Fillon zeichnet ein gewisses Phlegma aus, das er derzeit gut gebrauchen kann: Während seines Sommerurlaubs auf Capri stürzte er mit einer Vespa so unglücklich, dass er sich den Knöchel brach. Pikanterweise war der Autorennenfan Fillon, der sich schon mehrmals in Rennwagen auf der Rennstrecke von Le Mans quetschte, vom Ferrari-Chef Luca di Montezemolo zu dem Capri-Abstecher eingeladen gewesen. Jetzt muss Fillon humpelnd Wahlkampf betreiben, aber tut dies mit Humor: „Mein rechtes Bein ist noch nie so stark gewesen“, sagte er. Zudem habe er zwei wirklich zuverlässige Stützen erworben: „Meine Krücken.“
Im Wettstreit um den Parteivorsitz geht es dabei mehr um die Persönlichkeiten als um inhaltliche Differenzen. „Von einigen Nuancen abgesehen handelt es sich nicht um einen ideologischen Streit“, sagte Brice Hortefeux, der die „Vereinigung der Freunde Nicolas Sarkozys“ leitet. Copé hat sich einen Ruf als Scharfmacher erworben, weil er sich während des Präsidentenwahlkampfes nicht von Sarkozys rechtslastigem Kurs distanzierte. Aber der Generalsekretär plädiert genauso wie Fillon für eine Abgrenzung vom Front National und schließt Wahlbündnisse mit der rechtsextremen Partei aus. Fillon hat es hingegen verstanden, sich in der Öffentlichkeit als gemäßigter Konservativer und vernünftiger Buchhalter zu profilieren. In Umfrageerhebungen liegt der frühere Premierministerer in der Popularität weit vor Copé. Fillon hat gleich zwei Schwergewichte aus seiner Regierung für sich gewonnen: die frühere Haushaltsministerin Valérie Pécresse sowie der frühere Forschungsminister Laurent Wauquiez ziehen für ihn ins Rennen. Copé hingegen wird von den in der UMP eingemeindeten Liberalen und Zentristen unterstützt.
Zudem nutzt der Generalsekretär die Vorteile, die ihm seine zentrale Stellung im Parteiapparat bietet. Schon beschweren sich Mitglieder über den UMP-Internetauftritt, „der ausschließlich Glanz und Gloria Jean-François Copés verbreitet“, wie es in einem Kommentar hieß. Copé spornt Kritik dabei an: In der Zeitung „Le Figaro“ versprach er am Mittwoch, unter seiner Führung werde die Rechte ihre Komplexe verlieren und endlich dem „deutschen Modell“ nacheifern, das er so definierte: „Mut zu Reformen, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Modernisierung der Industrie.“
Vielleicht wird man sich bald gern verklärend an Herrn Sarkozy erinnern
Jan Bargheer (Bargheer)
- 30.08.2012, 10:11 Uhr
es kommt auf den Kontext an
thomas vogel (t.u.vogel)
- 29.08.2012, 21:31 Uhr
