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Frankreich Sarkozy bleibt stur: „Ein Bandit ist ein Bandit“

11.11.2005 ·  Während Frankreichs Präsident Chirac angesichts der Krawalle in seinem Land Konsequenzen für die Integrationspolitik fordert, verteidigt der Innenminister die umstrittenen „Gesindel“-Äußerungen. Die Gewalt flaut ab, doch am Feiertag wird mit weiteren Randalen gerechnet.

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Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat angesichts der landesweiten Krawalle dazu aufgerufen, sich rasch mit den Problemen der randalierenden Jugendlichen zu befassen.

Frankreich müsse die Konsequenzen aus den seit zwei Wochen anhaltenden Unruhen ziehen, sagte Chirac am Donnerstag in Paris. Er hatte sich in den vergangenen Tagen nur selten zu den Ausschreitungen geäußert

Gewalt flaut ab

Die jüngst verhängten Notstandsmaßnahmen schienen derweil erste Erfolge zu zeitigen. In den Pariser Vororten ließ die Gewalt die dritte Nacht in Folge nach. Nach einem deutlichen Abflauen der Randale seit dem Wochenende sank die Zahl der in Brand gesteckten Autos in der Nacht zum Freitag allerdings nur noch leicht, nämlich von 482 auf 463. „Wir können noch nicht den Sieg ausrufen“, sagte Polizeisprecher Patrick Hamon.

Ausschreitungen gab es in 160 Städten, 211 Randalierer wurden festgenommen, vier Polizisten wurden verletzt. Am Nachmittag wollten Bewohner der Vorstädte für ein Ende der Gewalt demonstrieren. 160 Vereine aus den Trabantenstädten riefen zu einer friedlichen Kundgebung an der so genannten Friedensmauer auf dem Pariser Marsfeld auf. Der Pariser Polizeichef warnte davor, daß sich Randalierer im Internet zu weiteren Krawallen im Zentrum der Hauptstadt verabreden würden.

„Banditen, Gesindel, ich bleibe dabei“

Innenminister Nicolas Sarkozy verteidigte unterdessen seine umstrittene Äußerung, bei den jugendlichen Randalierern handele es sich um „Gesindel“. Er meine damit eine Minderheit und nicht alle Jugendlichen, sagte Sarkozy am Donnerstag abend im Fernsehsender France-2. Kritiker haben ihm vorgeworfen, mit seiner Wortwahl die Unruhen geschürt zu haben.

„Das sind Banditen, Gesindel, ich bleibe dabei und unterschreibe das“, sagte Sarkozy im Fernsehsender France 2. „Wer Steine auf einen Feuerwehrmann wirft, wer von einem Haus eine Waschmaschine auf einen Feuerwehrmann wirft, wie soll man so jemanden nennen?“, fragte der Minister. „Einen jungen Mann? Man nennt ihn einen Banditen, weil es ein Bandit ist“, sagte Sarkozy. Die Lage beruhige sich, doch könne die Gewalt in den Vorstädten auch wieder eskalieren, denn „die strukturellen Ursachen sind noch immer da“, sagte Sarkozy.

Übergriffe von Polizisten

Bei den Krawallen war es auch zu Übergriffen von Polizisten gekommen. In La Courneuve bei Paris hatten am Montag zwei Beamte einen am Boden liegenden Mann geschlagen und getreten. Der Staatssender France-2 strahlte die Aufnahmen aus. Zwei Beamte sollen nicht eingeschritten sein, einer habe schriftlich falsche Angaben zu dem Vorfall gemacht, verlautete aus Justizkreisen. Es wurde erwartet, daß ein Untersuchungsrichter noch am Freitag Ermittlungsverfahren gegen die fünf einleitet. Sarkozy hatte am Donnerstag insgesamt acht Polizisten vom Dienst suspendiert, drei wurden auf freien Fuß gesetzt. Das Opfer hatte Anzeige erstattet.

Mit Sorge blickt die Polizei das lange Feiertagswochenende in Frankreich. Am heutigen 11. November wird des Sieges im Ersten Weltkrieg gedacht. Mehr als 2.200 Beamte sollen die Zeremonie auf den Champs-Élysées sichern, an der auch Chirac teilnimmt.

Schon am Donnerstag war in mehreren Départements der Verkauf von Benzin und Gasflaschen an Minderjährige verboten worden. Die Polizeipräsenz in Paris wurde am Freitag wegen der Gedenkfeiern an den Waffenstillstand 1919 verstärkt. Präsident Chirac wollte am Vormittag wie jedes Jahr am Triumphbogen einen Kranz am Grab des Unbekannten Soldaten niederlegen.

Chirac: Alle Bürger gleich behandeln

Chirac forderte die Franzosen auf, aus der Krise zu lernen. „Wir müssen mit großem Mut und Klarheit all die Konsequenzen aus dieser Krise ziehen, wenn die Zeit gekommen und die Ordnung wieder hergestellt ist“, sagte der Präsident bei einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero. Die Regierung müsse stärker dafür sorgen, daß alle Bürger gleich behandelt würden. Die meisten Randalierer stammen aus Einwanderer-Familien und fühlen sich aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe benachteiligt.

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