Im Kampf gegen die Ausbreitung des islamischen Ganzkörperschleiers ist Frankreich jetzt einen weiteren Schritt gegangen. Der Einbürgerungsantrag eines Marokkaners wurde abgelehnt, weil er seine französische Frau zwingt, Gesicht und Körper hinter einem Schleier zu verbergen. Einwanderungsminister Besson bestätigte, dass der islamische Ganzkörperschleier als Ablehnungsgrund für die Einbürgerung anerkannt werde. Er habe sich dies zuvor vom Verfassungsrat billigen lassen. Premierminister Fillon rechtfertigte am Mittwoch das Vorgehen: „Es geht um einen radikalen Glaubensmann, der in seinem eigenen Haus die Trennung von Mann und Frau erzwingt und sich weigert, einer Frau die Hand zu geben“, sagte Fillon. „Wenn er seine Haltung nicht ändert, dann hat er keinen Platz in unserem Land.“
Der Marokkaner gehört der fundamentalistischen Tabligh-Bewegung an, deren Einfluss in Frankreich zunimmt. Der französische Verfassungsrat wies darauf hin, dass es nicht das erste Mal sei, dass ein Einbürgerungsantrag wegen mangelnden Integrationswillens abgelehnt werde. Die Ablehnung der Staatsangehörigkeit habe keinen religiösen Grund, sondern werde mit dem Verhalten des Mannes begründet, das „mit den Werten der Republik nicht vereinbar“ sei. Ein „Mangel an kultureller Assimilierung“ kann laut französischem Einbürgerungsrecht zur Ablehnung des Antrags führen.
Ganzkörperschleier als „Instrument sexistischer Unterdrückung“
Die Debatte über das geplante Verbot des Ganzkörperschleiers hat Spannungen unter den Muslimen offenbart. Besonders spektakulär ist der Fall des Rektors einer Moschee in Drancy bei Paris, der von Extremisten bedroht wird, seit er sich öffentlich für das sogenannte Burka-Verbot ausgesprochen hat. Hassen Chalghoumi wagt sich derzeit nur unter Polizeischutz auf die Straße. Der Bürgermeister von Drancy, Jean-Christophe Lagarde, spricht von einem „beschämenden Versuch der Einschüchterung“. Beim vergangenen Freitagsgebet versuchte eine Gruppe von Randalierern die Moschee zu stürmen und stieß wüste Beschimpfungen gegen Chalghoumi aus. Der Rektor, der auch als Vorbeter wirkt, war zu dem Zeitpunkt nicht in der Moschee. Er schätzt die Gefahr von Übergriffen als hoch ein.
Der aus Tunesien stammende Rektor zählt seit langem zu den streitbaren Stimmen, die den französischen Islam dem Einfluss fundamentalistischer Strömungen entreißen wollen. „Ich habe die Fundamentalisten noch nie verstanden. Ich habe mein Haus auf Kredit gekauft, ich trage keinen Bart, ich schüttele Frauen die Hand und meine Kinder gehen in eine katholische Privatschule“, sagte Chalghoumi. Den Ganzkörperschleier bezeichnete er als „Gefängnis“ für die Frauen und als „Instrument sexistischer Unterdrückung“. „In Frankreich, wo die Frauen seit 1945 wählen können, hat die Burka keinen Platz“, sagte er. Das Verbot müsse begleitet werden von pädagogischer Arbeit, wie dies 2004 geschehen sei, als das Kopftuch aus den Schulen verbannt wurde.
Bürgermeister Lagarde erinnerte daran, dass Chalghoumis Wirken von gewissen Muslimen misstrauisch beäugt werde, weil er sich für den muslimisch-jüdischen Austausch einsetzt. In Drancy befand sich im Zweiten Weltkrieg das französische Sammellager, von dem aus Zehntausende Juden in die Konzentrationslager der Nazis deportiert wurden. Chalghoumi hat wiederholt zu „Frieden und Dialog“ zwischen Juden und Muslimen aufgerufen: „Wenige Meter von uns waren unschuldige Menschen einer unvergleichbaren Ungerechtigkeit ausgesetzt und wurden nach Auschwitz deportiert, nur weil sie Juden waren . . . Wir müssen unserer Umgebung davon erzählen. Wir entstammen der gleichen Familie, die Kinder Israels und Ismaels sind Vettern, und das heute noch.“
